234
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.135-10.135
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.135
German Translation
[1]  Wenn die Sonne des Weins vom Osten des Bechers heraufkommt, Sieh! wie im Rosenbeet des Schenken die Tulpe herauskommt.
[2]  Auf den Rosen zerschlägt der Ostwind das Haar der Narziße, Wenn von der Mitte der Flur der Duft der Locken des Freunds kommt.
[3]  Die Geschicht' der Trennung fürwahr! ist wahre Geschichte, Deren kleinster Geruch in keinem Buche zur Sprach' kommt.
[4]  Geize niemals, mein Herz, nach dem niederen Tische des Schicksals, Weil mit hundert Beschwerden ein jeder Bißen hervorkommt.
[5]  Keiner gelangt' durch eigenen Fleis zu der Pforte des Wunsches, Freilich meint' ich, daß dies auch ohne Hülfe zu Stand kommt.
[6]  In des Grams Sündfluth bewähr' dich geduldig, wie Noe, Sey dann gewiß, daß dein Wunsch für tausend Jahre zu Stand kommt.
[7]  Geh'st du einstens vorbei am Grabe Hafisens, so wiße, Daß aus seinem Staub ein Tausend von Seufzern hervorkommt.
66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.52-4.52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.52
German Translation
[1]  Klage, klage Bülbül, wenn du mein Freund bist, Wir sind beide verliebt, die Klage ziemt uns.
[2]  Wo die Locke des Freundes Geruch aushauchet, Was hat dorten zu thun die Moschusblase?
[3]  Bringet, bringet mir Wein, mein Kleid zu färben, Denn ich taumle von Stolz und heiße weise.
[4]  Unerfahrenen ziemt die Lust des Haar's nicht, Die Durchtriebenen schlägt der Vogt in Ketten.
[5]  Ein verborgenes Ding erregt die Liebe, Weder Lippen noch Flaum sind dieses Etwas.
[6]  Nicht die schöne Gestalt, nicht Maal und Wangen, Tausend Dingerchen sinds im Herzensraube.
[7]  Nicht ein Körnlein verwirft der wahre Weise Um den Atlas des Manns, der tugendleer ist.
[8]  Freylich ist es nicht leicht zu dir zu kommen, Schwer ists steigen hinauf zum Freudenhimmel.
[9]  Ihren Wonnegenuß fand ich im Schlafe, O des seligen Schlafs, ich neid' ihn wachend. Sieh das Ende der Qual ist angelanget, Doch ich fürchte das End' ist Kälteanfang.
[10]  Reiz mit Klagen Hafis! das Herz nicht, schweige, Denn das ewige Glück hat, wer nicht klaget.
102
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.3-10.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.3
German Translation
[1]  Gestern hat vom gereis'ten Freunde Kunde gegeben der Wind, Sey es, was es nun sey, ich will Geben mein Herz dem Wind.
[2]  Sieh! dahin ist's mit mir gekommen, Daß ich mich selbst beweine, Sey's, wenn Blitze die Nacht zerreißen, Sey es beim Morgenwind.
[3]  Deinen ringelnden Locken sagte Nie das zu blöde Herz, Meine Wohnung sind deine Locken, Schlage du's nicht in den Wind.
[4]  Heut erst hab' ich des Raths der Frommen Wahren Gehalt gelernt. Herr! verleihe dem, der mir rathet, Immerfort guten Wind,
[5]  Immer dachte ich dein, und immer Blutete tief das Herz, Wenn die Bande der Rosenknospen Lös'te der Morgenwind. Deines zierlichen Häubchens Spitze Schwebte vor meinem Sinn, Als dem Haupt der Narziße eine Krone verlieh der Wind.
[6]  Meinen Händen entfloh des schwachen Daseyns Bewußtseyn ganz, Morgens gab mit dem Duft des Haares Wieder den Gruß der Wind.
[7]  Alle Wünsche der Wohlerzognen Sind nun, Hafis, erfüllt, Auf! und gebt für die Wohlerzognen Einen Gruß dem Wind.
379
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.71-28.71
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.71
German Translation
[1]  Hell ist mein Kopf, und ich sage es laut, Daß ich in Gläsern die Lebenslust suche.
[2]  Trunknen geziemet nicht mönchischer Trotz, Ich bin der Schüler der Trinker der Hefen.
[3]  Ihre Verweigerung macht mich berühmt, Denn statt des Balles bedient sie sich meiner.
[4]  Macht man die Thüre der Schenke nicht auf, Wo soll ich klopfen, und was soll ich machen?
[5]  Schmähe mich nicht auf die eigene Faust, Siehe ich wachse, so wie man mich pflegte.
[6]  Sprich von Moscheen und Schenken nicht viel, Gott ist mein Zeuge, ich bin wo er wohnet.
[7]  Oft wird der Staub philosophischer Stein, Ich bin der Sklave des Staubes von Ambra.
[8]  Voll von Begier nach dem Reiz der Narziß' Stand ich wie Tulpen mit Kelchen am Fluße,
[9]  Bring' mir Wein, wie Hafis es entschied, Lasset vom Staub der Verstellung uns waschen.
489
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.61-32.61
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.61
German Translation
[1]  Es strahlt in deinem Angesicht Der Herrschaft Schimmer, In deinem Sinn verstecket sich Die Weisheit Gottes.
[2]  elobt sey Gott, es hat dein Kiel Mit einem Tropfen Geöffnet hundert Quellen Licht Im Reich des Glaubens.
[3]  Der Schimmer Gottes strahlet nicht Auf Ahrimanen, Du hast das Reich, du hast den Ring, Herrsch' nach Belieben.
[4]  Wer über Salomons Gewalt Noch Zweifel heget, Dem lachet in das Angesicht So Fisch als Vogel.
[5]  Es setzt der Falke zwar auf's Haupt Ein kleines Häubchen, Doch wissen Herrscherrecht und Brauch Des Kafes Vögel.
[6]  Das Schwert, das selbst der Himmel tränkt Mit seinem Wasser, Erobert eine ganze Welt, Doch ohne Heere.
[7]  Es schreibet deine Feder schön Für Freund' und Feinde; Des Freundes Leben wird vermehrt, Des Feinds vermindert.
[8]  Du hast in dir das Element Des Steins der Weisen; Dein Glück ist von des Unglücks Sturm Sehr weit entfernet.
[9]  O Schenke, bringe mir ein Glas Vom Haus des Wirthes, Daß ich mir von dem Klosterstolz Die Kleider wasche. Seit daß die Herrschaft Anfang nahm Bei Adamssöhnen, Hat Keiner dieses noch so gut Wie du begriffen. Der Himmel thuet nichts zu leid Den reinen Engeln, Auf mich häuft sich des Unglücks Last O meine Zuflucht.
[10]  Mein Glas ist schon durch lange Zeit Geleert vom Weine, Sieh, so beginn' ich den Proceß, Der Vogt sey Zeuge.
[11]  Wenn deines Schwertes Funkelschein In Schachten fiele, So würden die Rubinen selbst Davor erblassen.
[12]  Ich weiß, daß du Erbarmung hast Mit Nachtdurchwachern. O frag' den Ost, er saget dir, Wie es mir gehet.
[13]  Hat der Empörung Wetterstrahl Bei Menschen eingeschlagen, Wer fraget ums Gebrechliche Von unsern Sünden.
[14]  Hafis sey gegen deinen Schah Nicht ungehalten, Wenn der dir auch den Namen raubt, So komm' zurücke! O du der Gnaden Zufluchtsort, Du Huldverspender! Erbarme dich, viel Unglücks kam Auf diesen Armen.
291
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.20-16.20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.20
German Translation
[1]  Mein Glück hab' ich in dieser Stadt versucht,Nun muß ich schnell mich aus dem Wirbel retten.
[2]  Ich seufzte, in den Finger biß ich michUnd legte meinem Körper Feuer unter.
[3]  Ich hörte gestern eine Nachtigall,Die Rose neigte hin ihr Ohr vom Busche.
[4]  Sie sang: Sey frohen Muthes, denn der MannVon hartem Sinn verhört des Glückes Stimme.
[5]  Soll Hartes, Leichtes nicht zu Herz dir gehen,Nimm Andrer Hartes Leichtes nicht zu Herzen.
[6]  Wenn an den Himmel schlägt des Schicksals Fluth,So wird der Weise sich doch nicht benetzen.
[7]  Hafis! Gäb's einen ewigen Genuß,So hätte nicht Dschemschid den Thron verlassen.
39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.25-4.25
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.25
German Translation
[1]  Bedarf mein Garten wohl der Pinien, Cypreßen? Wem weicht der Buchs des Freundes genährt in meinem Schatten.
[2]  Bei deinem Haupt! o Knabe sag', weß Glaubens bist du, Daß unser Blut dir mehr als Muttermilch gedeiht!
[3]  Siehst du von weitem nur das Bild des Grames, trinke! Der Wunden Tiefe prüften wir, es hilft dies Mittel.
[4]  Warum soll ich mich von der Thür des Wirths entfernen? Hier wohnt das Glück, hier werden aufgethan die Wünsche.
[5]  Zerbrochne Herzen kaufet man auf unsrem Wege, Es wird der Handel hier auf andre Art getrieben.
[6]  Genuß versprach er mir, noch gestern bei dem Weine; Was sagt er heut, was lieget ihm denn wieder in dem Kopfe? Einförmig ist der Liebe Gram und seltsam ist er! Ich hörte keinen der sich wiederhohlet hätte.
[8]  O komm, es sehnet sich nach dir das Hoffnungsauge, Wie's Ohr der Fastenden nach dem Alla Ekber.
264
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.7-13.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.7
German Translation
[1]  Steh' auf! gieße mir fröhliches Naß in den goldenen BecherEhe dein Schädel zum Staube den Staub gießt.
[2]  Unsere Wohnung zuletzt ist die schweigende Wohnung der Gräber,Jetzt erhebe den Jubel zum Himmel,
[3]  Augen mit trübem Blick sind ferne vom Antlitz des FreundesSchau' ihn an mit der Reinheit des Spiegels.
[4]  Ich beschwöre dich Wuchs der Cypreße beim grünenden WipfelBin ich Staub beschatte mein Grabmal.
[5]  Meinen Lippen vom Pfeil der Schlangenlocken verwundetLeg Teriak aus dem heilenden Mund auf.
[6]  Alle Saaten der Erde vergehen das weißt du seit langenZünde die Welt mit dem Feuer des Weins an.
[7]  Thränen reinigen uns indem die Lehrer uns sagenSey erst rein, dann schaue den Reinen.
[8]  Herr! der selbstische Mönch, Er, welcher Gebrechen nur schauetWerde blind von dem Rauche der Seufzer.
[9]  Wie die Rose Hafis! zerreiß die Kleider vor ihremWohlgeruch, und verstreu' sie vor ihr hin.
171
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.72-10.72
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.72
German Translation
[1]  Von dem Aßaf ist Gestern Kunde gekommen, Es sey vom König Salomon Zur Lust Erlaubniß gekommen.
[2]  Mache vom Körper- Staub mit Thränen den Mörtel, Es ist für das verfallne Haus Die Zeit des Baues gekommen.
[3]  Vielerlei Worte Seine Reize zu loben, Sie sind ein Buchstab, der davon Nun ist zur Sprache gekommen.
[4]  Fleckige Kutte Verdecke unsere Fehler, Denn dieser Reine ist nur zum Besuch der Reinen gekommen.
[5]  Heute verlautet Was der Schönen Gehalt sey, Es ist der helle Mond des Kreises Zum Vorsitz herunter gekommen.
[7]  Auge der Ceder, Nimm den Glauben in Acht, Denn dieser Zaubrer Bogenschütz Ist nur zum Raube gekommen.
[8]  Armuth zu läutern, Suche Gnaden des Schahes, Denn seiner Großmuth reiner Stoff Ist, dich zu läutern, gekommen.
[9]  Seine Gesellschaft Ist ein Meer. Du ergreife Die Zeit! Gefallener! es ist Die Zeit des Handelns gekommen.
425
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.10-31.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.10
German Translation
[1]  Er schleppte nach die Schleppe Vom goldgestickten Hemd, Und hundert Mondgesichter Zerrissen ihr Gewand.
[2]  Der Schweiß trof auf die Wangen Von heißer Gluth des Weins, Wie auf die Rosenblätter Ein Tropfe frischen Thaus.
[3]  Voll süßer schöner Worte, Hochstämmig und gewandt, Vom lieblichen Gesichte Und anmuthsvollem Blick.
[4]  Es war aus Lebenswasser Geformt des Munds Rubin, Sein Buchs war aufgewachsen, Genährt mit Schmeichelei'n.
[5]  O schaue die Rubinen Und dieses Lächelns Reiz, Den Gang voll Huld und Anmuth, Den wohlgemeßnen Schritt.
[6]  Der Hirsch mit schwarzen Augen Entkam aus unsrem Netz, Was ist zu thun, o Freunde, Für ein zerschlagnes Herz!
[7]  Hüt' dich, bist du's im Stande, Rühr' Liebende nicht an, Die Welt hat keine Treue, O du mein Augenlicht!
[8]  Wie lang schilt mich dein Auge, Das alle trüget, aus? Wann wirst du mir dann schmeicheln, Mein auserwählter Freund?
[9]  Hat deine edle Seele Beleidiget Hafis, So komm', denn That und Worte Will herzlich ich bereun.
[10]  Ich will den Herren loben Aus schuld'ger Dankbarkeit, Wenn diese Frucht gereifet In meine Hände fällt.
14
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:2.2-2.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:2.2
German Translation
[1]  Ich sprach zu dem Schah der Schönen:Erbarme dich dieses Fremden,Er sagte: wohl mögen im SinnVerirren sich die Fremden.
[2]  Ich sagte: Verweil' ein wenig,Er sprach: halt' mich entschuldigt;Was kümmert uns Kinder vom HausDer Gram von solchen Fremden!
[3]  Wer königlich hingebettetAuf Hermelinen lieget,Der kennet nicht Kissen aus Stein,Das Dornenbett des Fremden.
[4]  O du, in den Ketten dessenSo viele Freunde schmachten,Es schickt sich das Maal zum Gesicht'Gar schön gleich einem Fremden.
[5]  Auf deinem Gesicht erscheinetDer Widerglanz des Weines,Wie Purpurblüh lieblich erscheinetAuf der Narziß’ der Fremden.
[6]  Es scheinen die feinen HaareAuf deinen Wangen fremde,Doch sollte auf Sina's GemäldenDer Haarstrich nicht befremden.
[7]  Ich sprach zu dem Abend: schwarz istDein Haar, dem Fremde huldigen,Mit Rechte beklagen sich dannZur Morgenzeit die Fremden.
[8]  Es sprach zu sich selbst der DichterBekannte werden irre;So minder dann darf dich befremdenDer Gram und Schmerz der Fremden.
207
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.108-10.108
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.108
German Translation
[1]  Erinnre dich, daß einst dein Haus Mein Aufenthalt gewesen, Und daß der Staub vor deiner Thür Der Augen Licht gewesen.
[2]  Es blieb' von deinem Herzgespräch Mir immer auf der Zunge, Wie Rosen und wie Lilien, Was in dem Herz gewesen.
[3]  So oft mein Herz von der Vernunft, Die Tief' ergründen wollte, Gab Liebe einen Kommentar Zu dem, was schwer gewesen.
[4]  Welch Unrecht, welche Grausamkeit, Ach! herrschet nun auf Erden, Wie lieblich und wie angenehm, Ach! ist sein Kreis gewesen!
[5]  Bei meinem Herzen stand es wohl, Nicht ohne Freund zu bleiben, Allein was kann ich thun! umsonst Ist alle Müh' gewesen.
[6]  Den Freunden zur Erinnrung gieng Ich gestern in die Schenke, Da sah ich, daß mein Herz in Blut Mein Fuß in Schlamm gewesen.
[7]  Viel habe ich herumgeforscht, Um Arzeney der Trennung, Allein selbst der Mufti Verstand Ist ohne Kopf gewesen.
[8]  Wahr ist's, der Türkisring Ebnishaks Warf wunderschöne Strahlen, Doch seines Reiches Zeit ist kurz, Ach! leider, kurz gewesen!
[9]  Hast du Hafis, dies Rebhuhn angeseh'n, Wie's hellauf lacht und schäkert, Es ist vor jenes Falken Klau'n Ganz außer Sorg' gewesen.
244
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.145-10.145
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.145
German Translation
[1]  Freunde, öffnet einen Knoten Von den Locken der Geliebten, Schön ist die Nacht, verlängert sie Mit den schwarzen Locken.
[2]  Dies ist trauliche Gesellschaft, Alle Freunde sind versammelt, Leset die Zauberformeln ab, Les't mit hoher Stimme.
[3]  Lauten und Schalmeien tönen Hoch, sie schrey'n mit lauter Stimme: Neiget das Ohr von dem Verstande Zu den Eingeweihten.
[4]  Bei des Freundes Seele schwör' ich Nie wird euch der Schmerz erscheinen, Wenn ihr nur auf die Huld des Herrn Noch Vertrauen habet.
[5]  Welch ein Unterschied ist zwischen Dem Verliebten und Geliebten, Koset mit dir die Freundinn, mußt Du dich flehend nahen.
[6]  Von dem Rath des Vielerfahr'nen, Ist der erste Buchstab dieser: Hüte vor einem Liebchen dich, Das nicht deines Stands ist."
[7]  Ueber Jeden, der im Hause Nicht lebendig ist von Liebe, Betet nach meinem Kirchenbuche Sterb- und Grabgebete.
[8]  Wenn Hafis einst eine Gnade Von Euch frey begehren sollte, Weiset die Gnad', ich bitt' euch, An des Freundes Lippen.
49
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.35-4.35
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.35
German Translation
[1]  Der Garten Edens ist die Zelle der Derwische. Es quillt ein Ehrenquell im Dienste der Derwische.
[2]  Der Schatz der Einsamkeit mit feinem Talismann Wird nur gehoben durch die Blicke der Derwische.
[3]  Des Himmels herrlichster Pallast mit seinem Hüter Ist nur ein Schatten von den Fluren der Derwische.
[4]  Der Stein der Weisen, der durch Glanz des Herzens Eisen In Gold verkehrt, liegt in dem Umgang der Derwische.
[5]  Die Sonne legt die Krone ihres Stolzes nieder, Vor jenem Scheine der umstrahlet die Derwische.
[6]  Suchst du die Herrschaft die kein Untergang bedrohet, Hör's ohne Groll, dieß ist die Herrschaft der Derwische.
[7]  Chosroen sind der Nöthen und der Bitten Kibla, Warum? Sie selber sind die Diener der Derwische.
[9]  Das Heer des Unrechts ist von Pol zu Pol gelagert, Allein des Siegs Gelegenheit ist für Derwische.
[10]  O Reicher prahle nicht mit deinem Glanz und Stolze; Denn Gold und Silber ist ein Segen der Derwische.
[11]  Der Schatz Karun's er gieng zu Grund im Grimme Gottes, Wie die Geschichten sagen, aus Mißgunst der Derwische.
78
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.64-4.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.64
German Translation
[1]  Hast du geseh'n, wie hart die Freundinn mich gehalten, Bundsbrüchig hat sie nichts auf meinen Gram gehalten.
[2]  Herr! zürne nicht auf Sie, wiewohl Sie harten Herzens, Mein armes Taubenherz der Jagd nicht werth gehalten.
[3]  Das Leiden ist mir durch mein Loos zu Theil geworden Nicht weil Sie Ihre Huld mir Armen vorenthalten.
[4]  Doch einen Mann, der nicht von ihr hat Schmach gelitten, Hat nirgends noch die Welt in hoher Ehr gehalten.
[5]  O Schenke, bring das Glas, und sage nur dem Vogte: Er läugne, daß Dschemschid nie solch ein Glas gehalten,
[6]  Der Wandrer, der nicht bis in das Harem gelangte, Ist wie ein Pilger auf der Wallfahrt aufgehalten.
[7]  Hafis! schlag kühn den Ball des Wortes hin dem Gegner, Er weiß von Tugend nichts, hat nie darauf gehalten.
203
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.104-10.104
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.104
German Translation
[1]  Viel Jahre sind es, daß mein Buch Für rothen Wein verpfändet ist, Und daß der Schenke Ruhm und Glanz Durch mein Gebet gestiegen ist.
[2]  O sieh, wie gut der alte Wirth, Wie mild er sich erzeigt, Indem, was Böses wir gethan, Ein Schmuck in seinen Augen ist.
[3]  Auf! lustig! wascht die Bücher aus, Wascht alle aus mit rothem Wein, Ich hab' gesehen, daß das Loos Nur Gram den weisen Herzen ist.
[4]  Mein Herz! von Schönen fodre viel, Wenn du auf Schönheit dich versteh'st, Denn dieses hat ein Mann gesagt, Der in der Welt erfahren ist.
[5]  Gleich einem Zirkel sah ich, daß Mein Herz sich umgedrehet hat, Und daß es dann verwirrt im Kreis Der Liebe fest gestanden ist.
[6]  Der Sänger hat von Liebesschmerz Ein Lied so traurig angestimmt, Daß allen Weisen in der Welt, Von Wimpern Blut gefloßen ist.
[7]  Aus Freude bin ich aufgeblüht, Der jungen Frühlingsrose gleich, Als an dem Bach das Schattenbild Der Ceder mein geworden ist.
[8]  Mein rosenfarber Alter gab Den Blauen die Erlaubniß nicht, Was Böses zu begeh'n, weil sonst Das Auge gleich geschäftig ist.
[9]  Hafisens vielgewandtes Herz, Ist wahrlich nicht dazu gemacht, Daß es von dem, was Andere Dir Böses thun, ein Wißer ist.
299
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:25.1-25.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:25.1
German Translation
[1]  Auf gar wunderlichen Wegen,Führet den Verstand der Wein,Dies Gewölb' bleibt unzerstöretBis zum jüngsten Tag.
[2]  Trinkst du Wein, so schütt' die HefenAuf die Erde aus,Fürchte nicht die Sünde, welcheAndern Nutzen bringt.
[3]  Ohne Scheu genieße alles,Alles was du hast.Denn das Mörderschwert des Schicksals,Haut dich ohne Scheu.
[4]  Ich beschwöre dich o LiebchenBei der Füße Staub,Komm' an meinem Todestage,Komm' zu meinem Grab.
[5]  Ey! was Himmel oder Hölle!Engel oder Mensch,Die Enthaltsamkeit ist immerEine Ketzerey.
[7]  Unsere Erde hat des HimmelsBauherr eingeschränkt,So daß weiter aus derselbenKeine Straße führt.
320
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.12-28.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.12
German Translation
[1]  Gestern Abends schnitt durch ThränenIch den Weg des Schlafes ab,Zeichnete in der ErinnrungAuf die Thränen hin dein Bild.
[2]  Vor mir schwebten deine Brauen,Und die Kutte war verbrannt,Auf des Hochalters GesundheitTrank ich dann den Becher aus.
[3]  Jeden Vogel der Gedanken,Der sich wiegte auf dem Ast,Schoß ich mit den LockenpfeilenDeines schwarzen Haars herab.
[4]  Dein Gesicht fieng mit LiebkosungMeinem sich zu nahen an,Und ich warf von fern dem MondlichtDeiner Wangen Küsse zu.
[5]  Auf dem Schenken lag mein Auge,Auf der Laute lag mein Ohr,Und so fiel dem Aug', dem OhreDiesesmal ein gutes Loos.
[6]  Bis der Morgen graute, schwebte,Deines Bildes Truggestalt,Vor dem leeren LustgebäudeMeines schlafenlosen Aug's.
[7]  Als das Lied entfloß den Saiten,Griff der Schenke um das Glas,Von der Leyer floßen Lieder,Aus dem Glase floß der Wein.
[8]  Fröhlich floßen hin die Stunden,Und zufrieden war Hafis,Sieh! da warf ich auf das Leben,Und der Freunde Glück das Loss.
188
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.89-10.89
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.89
German Translation
[1]  Dieser Aufsprudelnde, der das Geheimniß verachtet, Schmähet auf mich, weil ich berauscht und verliebt bin.
[2]  Schau' auf des Liebenden Tugend, und nicht auf seine Gebrechen, Denn wer selber nicht tugendhaft ist, der schauet auf Fehler.
[3]  Wenn der Schenke vom Staube der Thür ein Ambragemisch macht, Kommt ein Geruch vom Duft der Huris als Würze zu mir her.
[4]  Unseres Schenken Gekos ergriff die Straße des Heiles, Gleichsam als wenn sich der Wein allein enthielte vom Rausche.
[5]  Leute von Herz bekommen den Schlüßel zum Schatze des Herzens, Keiner zweifle forthin an dieser verfeinerten Wahrheit.
[6]  Hirt im Thale der Ruh', dein Wunsch wird dann erst erfüllet, Wenn du mehrere Jahre dem Jethro des Herzens gedient hast.
[7]  Blut entträufelt dem Aug' Hafisens, als wär' er bezaubert, Wenn er als Greis sich auf die Tage der Jugend erinnert.
380
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.72-28.72
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.72
German Translation
[1]  Oftmals hab' ich's gesagt, und abermal will ich es sagen, Ich Verlorener geh' nicht von mir selber den Weg.
[2]  Einem Papagey gleich wird mir der Spiegel gehalten, Was der Ewige sagt, plaudere lallend ich nach.
[3]  Gebe man mir, was es sey; Ich esse so Disteln als Rosen, Meine Nahrung gemäß, wachs' und gedeihe ich groß.
[4]  Schmähet mich nicht, und wißt, es ist die Perle mein eigen, Und ich suche nur einen Besitzer für sie.
[6]  Lachen und Weinen der Liebenden hat so mancherlei Gründe, Abend lach' ich vor Lust; Morgens bewein' ich mein Loos.
[7]  Riech' nicht, sagte Hafis, o riech' den Staub nicht der Schenke. Sag' ihm: schmähle nicht, denn Moschus entduftet dem Staub.