201
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.102-10.102
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.102
German Translation
[1]  Reiner Wein und schöne Schenken Sind zwey Netze, Denen selbst die Vielerfahrnen Nicht entgehen.
[2]  Ich bin zwar verliebt und trunken Schwarz gemerket, Aber dank sey Gott! die Freunde Sind unschuldig.
[3]  Weh' zu thun, ist nicht die Sitte Der Derwische, Bringe Wein, denn diese lieben Nicht die Tugend.
[4]  Du veracht' nicht Liebesbettler, Diese Leute Sind Monarchen ohne Kronen, Ohne Thronen.
[5]  Sey vernünftig, denn in Nöthen Werden tausend Körner unterwürf'gen Sinnes Nichts geachtet.
[6]  Sey nicht hart, der Stern der Schönheit, Wird zerbrochen, Wenn die Diener und Verehrer Sich entfernen.
[7]  Gerne dien' ich allen Leidern Reiner Seele, Aber nicht den blauen Männern Schwarzen Herzens.
[8]  Wenn du in die Schenke gehest, Geh' mit Ehrfurcht, Denn es sind, die drinnen wohnen, Königsfreunde,
[9]  Hoch, Hafis, sehr hoch erhaben Ist die Liebe, Liebende gestatten nimmer Feigen Zutritt.
259
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.2-13.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.2
German Translation
[1]  Zwey Thränen, welche du, o Aug'!Geweinet hast,Versichern die LiebkosungenVon deinem Glück.
[2]  Ich bins, der's Auge aufgethanDen Freund zu seh'n,Wie dank' ich dir, o Gott,Vermitteler!
[3]  Wisch' nicht von deinem AngesichtDer Bitte Staub,Denn er ist für den WünschendenDer Weisen Stein.
[4]  O Herz! Lenk' nicht ob schlechtem WegDen Zügel ab,Es denken Reisende nicht aufBerg auf, Berg ab.
[5]  Wenn sich der Liebende mit BlutNicht reiniget,Gilt sein Gebet vor dem MuftiDer Liebe wohl? Was nützet mir der SchwätzermundDes Frühlingswind'sWenn die Cypreße selber nichtGeheimniß birgt.
[6]  In diesem Fabelort ergreiff'Nichts als das Glas,In diesem Spielerhause spiel'Nun Minnespiel.
[7]  Mit einem halben Kuß erkauf'Ein Herzgebet,Daß du an Seel und Leibe freyVon Banden seyst.
458
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.30-32.30
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.30
German Translation
[1]  Mein Herz! wenn du vom rothen Wein Zu Grund gerichtet bist, So wisse, daß du ohne Gold Reich wie Karun einst bist.
[2]  Wenn man die Ehrenstellen einst Den Armen wird verleih'n, So hoffe ich, daß du alsdann, Weit mehr als alle bist.
[3]  Auf Leila's Pfad, der voll Gefahr Und voll Beschwerde ist, Ist vor dem Andern Allem noth, Daß ein Medschnun du bist.
[4]  Ich zeigte dir der Liebe Punkt, Gieb acht und irre nicht, Daß du, indessen du hinsiehst, Nicht aus dem Zirkel bist.
[5]  Die Karawane ist schon fort, Du schlägst der Trägheit Schlaf, Wen fragest, und was machst du denn, Ey sage, wie du bist.
[6]  Du geizest nach dem Fürstenthron, Zeig deine Eigenschaft, Und wenn du aus dem Stamm Dschemschids Und Feridunens bist.
[7]  Du trink den Becher aus, und wirf Die Hefen himmelan, Weil du genug vom Gram der Zeit Mit Blut beflecket bist.
[8]  Hafis beklag' die Armuth nicht, Sind diese Lieder dein, So wird kein Edler zugesteh'n, Daß du betrübet bist.
217
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.118-10.118
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.118
German Translation
[1]  Ihr Moslimen, es war Ein Herz mein eigen einst, Dem ich immer geklagt, Was Schwieriges mir war.
[2]  Wenn in Wirbel ich fiel Durch meines Auges Fluth, Wußt' ich, daß mir durch ihn Noch Rettungshoffnung war.
[3]  Ein mitleidiges Herz Und ein erfahrner Freund, Welcher Schützer und Schirm Von allen Herzen war, Der in jeglichem Fall, Für mich verwirrten Mann, Ein geschickter Gefährt Ein weiser Helfer war.
[4]  Diesen Retter verlor Ich in der Liebe Land. Welch' ein räuberisches Land, O Herr! dasselbe war! Meinen Augen entfloß Darum ein Zährenstrom, Wenn gleich zu dem Genuß Die Möglichkeit nicht war.
[5]  Mangel folget zwar oft Der Tugend im Geleit, Aber seht mich und sagt, Ob einst ein Aermrer war.
[6]  O erbarmet, erbarmt Euch dieses Trunknen hier, Der ein stattlicher Mann In seinen Tagen war.
[7]  Meiner Lieder erwähnt Man nun in jedem Kreise, Seit die Liebe für mich Des Wortes Quelle war.
[8]  Sage fürder mir nicht, Hafis ist tief gelehrt, Denn ich hab' ihn geseh'n, Unwißend, wie er war.
483
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.55-32.55
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.55
German Translation
[1]  Früh Morgens sprach ein Reisender Auf einem Rain zum Freund das Räthsel:
[2]  O weiser Mann, der Wein wird rein Sobald die Flasche Perlen auswirft.
[3]  Gott ärgert sich an diesem Kleid, Die Aermel sind gefüllt mit Götzen.
[4]  Die Großmuth ist ein leeres Wort, Doch sey du gegen Fleher gnädig.
[5]  O Herr der Ernte, du thust wohl, Die Aehrenleser wohl zu halten!
[6]  Ich sehe Niemand aufgeräumt, Ich sehe für mein Herz kein Mittel. Ich hoffe nichts von großem Muth, Ich sehe auf kein Maal der Liebe,
[7]  Sehr finster ist's im Inneren, Vielleicht bringt einer eine Lampe,
[8]  Ist's nicht der Finger Salomons Was nützet dir das Bild des Ringes?
[9]  Die Schönen sind hart von Natur, Wie gut ist's, wenn du sprichst mit Duldern!
[10]  Zeig' mir die Schenkenthür, daß ich Erfahrene hierum befrage.
[11]  Ich seh', Hafis hat keine Ruh', Die Weisen keine Kenntniß.
409
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.5-30.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.5
German Translation
[1]  Das Blutgeld für den Moschus aus Sina Ist deiner Füße Staub. Die Sonne selbst sie wurde genähret Im Schatten deines Orts.
[2]  O sieh! wie die Narzissen es treiben Mit ihren Schmeichelei'n; O zeig dich, und sie opfern die Seele Dem Nicken deines Augs.
[3]  O trinke kühn mein Blut, denn es waget Zu deiner Schönheit sich Kein Engel in die Nähe, daß selber Aufmerke deine Schuld.
[4]  Du bist die Ursach', daß hier auf Erden Die Menschen ruhig sind. Deßwegen ist mein Herz, und mein Auge Zum Wohnort dir geweiht.
[5]  Ich habe jede Nacht mit den Sternen Mein eigenes Geschäft, Aus Sehnsucht nach dem strahlenden Glanze Von deinem Mondgesicht.
[6]  Die Freunde, die vereiniget waren, Sind alle nun getrennt, Ich aber blieb als Schwelle der Zuflucht Vor deinem Glück zurück.
[7]  Hafis! verzweifle nicht an der Gnade Von deinem Gott und Herrn, Es wird des Grames Scheune verbrennen Bei deinem Seufzerrauch.
16
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.2-4.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.2
German Translation
[1]  In Bogenformen sind die Augenbrauen geworfen, Den blut'gen Pfeil hast du damit auf mich geworfen.
[2]  Man wußte von zwey Welten nichts, da war schon Liebe, Die Zeit hat nicht erst heut dazu den Grund geworfen. Zerstöret bin ich durch die Linien der Wangen, Welch' eine Feder hat o Gott! den Riß entworfen?
[3]  Ob einer einzigen Liebkosung der Narziße Hat dein Betrügeraug, die ganze Welt zerworfen.
[5]  Betrunken gieng ich gestern auf der Flur vorüber, Die Rose hat vom Mund mir Zweifel aufgeworfen
[6]  Die Veilchen kräuselten die Schelmenlocken, Da hat der Ost von deinem Haar das Wort geworfen.
[7]  Es schämt sich der Jasmin, daß man ihn dir vergleichet, Er hat sich durch den Ost selbst Staub ins Maul geworfen.
[8]  Ich war enthaltsam, wußte nichts von Wein und Sänger, Da hat die Knabenlust in Beides mich geworfen.
[9]  Jetzt wasch' ich ab mit rothem Wein die Ordenskutte; Allein es wird das Loos von mir nicht abgeworfen.
[10]  Vielleicht ist die Zerstörung für Hafis ein Ausweg Ihm hat das Loos den Wein des Wirthes zugeworfen.
[11]  Nun geht nach meinem Wunsch der Kreislauf dieses Glückes, Es hat mich in den Dienst des Herrn der Welt geworfen.
79
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.65-4.65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.65
German Translation
[1]  Jetzt da edenischer Hauch Vom Garten wehet, Trennet mich nichts von dem Wein, Von Himmelsmädchen.
[2]  Sollen die Bettler denn nicht Mit Herrschaft prahlen, Ist nicht der Himmel ihr Zelt, Die Flur ihr Tanzsaal?
[3]  Jetzo erzählet die Flur, Des Mays Geschichten, Wer sich mit Geld jetzt befängt, Der ist nicht weise.
[4]  Frische dein Herz auf mit Wein! Die Erd' ist nur ein Bau, zu dem unser Gebein Den Mörtel her giebt.
[5]  Suche beim Freunde nicht Treu Sie ist erstorben, Heiliges Feuer kömmt nicht Aus Kirchenlampen.
[6]  Du verschwärze mich nicht Ob meinem Rausche. Wem ist bekannt, was das Loos Schrieb auf die Stirne?
[7]  Wende die Schritte nicht ab Vom Grab Hafisens; Wenn gleich in Sünden versenkt, Harrt er des Himmels.
53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.39-4.39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.39
German Translation
[1]  Ich bins, der die Schenk' ins Kloster verkehrt, Worte des Wirths sind die Morgensegen.
[2]  Tönt die Laute keinem Morgengesang, Aergre dich nicht, mein Gesang ist Reue.
[3]  Lieber will ich seyn dein Bettler als Fürst, Daß du mich quälest, ist mir Ruhm und Ehre.
[4]  In Moscheen und Schenken ist dein Genuß Meine Begier; Gott ist Zeuge dessen!
[5]  Es zerstör' der Tod mein Lebensgezelt. Aber ich flieh' nicht vom Thor' des Glückes.
[6]  Auf der Sonne wohn' ich, seit mein Gesicht Unter der Thür' meiner Freundinn lieget,
[7]  Ist die Sünde gleich nicht unsere Wahl, Sage Hafis: Sünde dennoch ist es.
17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.3-4.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.3
German Translation
[1]  Der Gram ob der Geliebten hat die Brust verbrannt, Das Feuer hat im Haus mein Kämmerlein verbrannt,
[2]  Mein Leib ist durch die Gluth der Trennung ganz zerschmelzt; Die Seele ist durch ihrer Wangen Gluth verbrannt. Wer je gesehen hat die Bande ihrers Haars, Ward aus Begier zum Thoren wie mein Herz gebrannt.
[3]  O schau die Brust! die Gluth der Thränen meines Augs Hat wie den Schmetterling aus Liebe mich verbrannt.
[4]  Mich wunderts nicht, daß Freunde meinethalben entglühen; Denn Fremde sind, als ich von Sinnen kam, entbrannt.
[5]  Das Kleid der Eingezogenheit trug fort der Rausch, Und des Verstandes Haus ward von dem Glas verbrannt.
[6]  Der Stein der Reue schlug des Herzens Glas entzwey; Es kocht wie Wein, und ist wie's Wirthshaus abgebrannt.
[7]  Laß das Vergangne, komm zurück, mein Auge hat Die alten Kleider ausgezogen und verbrannt.
[8]  Hafis laß diese Kosereien, trinke Wein! Durch Kosen ist die Kerze, da ich schlief, verbrannt.
258
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.1-13.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.1
German Translation
[1]  Die Schwermuth die auf mein GesichtDein Gram ausgoß,Könnt ich erläutern mein Aßaf!Ein ganzes Jahr.
[2]  Viel tausend Dank, daß ich dich sahNach meinem Wunsche,Daß mit AufrichtigkeitDu mein Vertrauter bist.
[3]  Ins Unglück geh'n die Waller aufDem Weg des Heiles.Ein Reisender er denkt nicht anBerg auf, Berg ab.
[4]  Den Gram des Liebchens forsche nichtder Neider aus,Wer Groll im Busen führt, bewahrtGeheimniß schlecht.
[5]  Bedarf gleich deiner Schönheit ReizDer Liebe nicht,So kehr' doch ich nicht mehr zurückVom Liebesspiel.
[7]  Wie soll ich dir beschreiben wohlDes Innern Brand,Frag' meine Thränen, denn ich binKein Schwätzermund.
[8]  Aus Dank weil dich die GegenwartDes Freund's erhellt,Verbrenn' der Kerze gleich im WehUnd sey vergnügt.
[9]  Das Glück Mahmuds bedarf des HaarsAjasen's nichtLiebkosung ist der einz'ge ZweckVon ihrem ein Bund.
315
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.7-28.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.7
German Translation
[1]  Außer daß so Glaub' als WissenMeiner Hand entfloh,Komm, und sag' ob ich durch LiebeAnderes gewann!
[2]  Zwar flog meines Lebens ScheuerAuf in Wind für dich,Doch beim Staub von deinen Füßen!Ich brach nicht den Bund.
[3]  Zwar bin ich ein Sonnenstäubchen,Unansehnlich klein,Fliege durch das Glück der Liebe,Wangensonnen zu.
[4]  Bringe Wein! jetzt sind die Tage,Lang' ist's, daß ich nichtIn des Seelenheiles Winkel,Voll von Liebe saß.
[5]  Du, der guten Rath ertheilest,Wenn du weise bist,Wirf das Wort nicht auf die Erde,Sieh! ich bin berauscht.
[6]  Kann aus Schaam den Kopf ich heben,Vor dem lieben Freund,Angenehmes hab' bisher ichIhm noch nicht gethan.
[7]  Flammen zehrten an Hafisen,Doch sie sagte nicht:Ihm will ich ein Pflaster schicken,Dem ich weh' gethan.
226
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.127-10.127
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.127
German Translation
[1]  Ich fürchte, daß durch meine Thränen Der Schleier zerrissen wird, Daß mein versiegeltes Geheimniß Den Leuten entdecket wird.
[2]  Man sagt, daß durch Geduld der Kiesel, Zuletzt zum Rubin wird, Wohl wahr! daß durch das Blut des Herzens Er röthlich gefärbet wird.
[3]  Ich will mit Weinen und Flehen Nun einmal zur Schenke geh'n, Vielleicht daß von der Hand des Grams Die Seele befreyet wird.
[4]  Von allen Seiten flogen Pfeile Von meinem Gebete ab, Vielleicht daß einer von denselben Doch etwas erzielen wird. Die Schwelle des Pallasts der Herrschaft, Die du, o mein Mond! bewohnst, Sie ist die Werkstatt, wo aus Köpfen Der Mörtel zubereitet wird.
[5]  O Seel', erzähle unsre Sage Von neuem dem süßen Freund, Doch sag' ihm so, daß nichts davon Vom Ostwind gehöret wird. Wenn alles nicht nach Wunsche gehet, So kümmere du dich nicht, Ich danke Gott, daß, statt des Bösen Nichts Böseres auf dich kömmt. Mein Herz, geduldig trage Alles, Betrübe dich nicht, weil doch Zuletzt aus diesem Abend Morgen, Und Licht aus dem Schatten wird.
[6]  Es ward durch deinen Stein der Weisen Mein Antlitz in Gold verkehrt, Indem durch deine Huld selbst Erde In Goldstaub verwandelt wird.
[7]  Der Stolz des Nebenbuhlers bringt mich In Staunen und Aengstlichkeiten, O Herr! verhindre, daß ein Bettler In Ehren gehalten wird. Du hohe Ceder, bist so störrig, Du pochest auf deinen Wuchs, Zu dem von meinen kurzen Händen Nie eine gelangen wird.
[10]  Ist seiner Locken Moschusschleier In deinem Besitz, Hafis, So schweige still, weil sonst vom Ostwind Die Nachricht vernommen wird.
268
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:15.2-15.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:15.2
German Translation
[1]  Eine rosichte Wang' vom Rosenbeete genügt mir,Und der Wuchs der Cypreß' von dieser Wiese genügt mir.
[2]  Ferne sey es von mir, mit Gleißnern mich zu besprechen,Von dem Gewichte der Welt ein einziges Rotel genügt mir.
[3]  Edens Pallast ward als Lohn für gute Gaben gegeben.Ich bin arm, und trunken des Wirthes Schenke genügt mir.
[4]  Sitz' an dem Ufer des Stroms, und sieh wie das Leben vorbeifließt;Dieses Zeichen vom Unbestand der Zeiten genügt mir.
[5]  Sieh' die Münze der Welt, und sieh' die grämliche Waare;Wenn Euch dieser Kauf und Verkauf nicht genügt, er genügt mir.
[6]  Schicke mich nicht von deinem Thore nach Eden hinüber,Raum und Zeit ist genug, ein einziger Winkel genügt mir.
[7]  Klag' nicht Hafis daß ungerecht die Theilung vor sich gieng;Deine Natur und Verse die fließen wie Wasser, genügt dir.
147
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.48-10.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.48
German Translation
[1]  Der Ostwind hat gestern mir Kunde gebracht, Es seyen die Tage des Lebens vollbracht.
[3]  O komme Geliebte, die vom Paradies Der Hüter für mich auf die Erde gebracht.
[4]  Wir geh'n nach Schiras mit der Hülfe des Freunds; Ein guter Gefährt, den das Glück mir gebracht!
[5]  O halte in Ehren das weiche Gemüth, Es hat oft die Krone des Königs gebracht.
[6]  Wie viele der Seufzer versandt' ich zum Mond, Seit ich meinen Mond in Erinnrung gebracht.
[7]  Hafis hob zum Himmel die Fahne des Siegs, Als er die Gedichte dem Schahe gebracht.
180
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.81-10.81
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.81
German Translation
[1]  Ey Geliebter! was hast du gelächelt nun über den Zucker, Lächle, denn es sehnt mich nach dem Zucker fürwahr,
[2]  Siehe, Tuba vermag von deinem Wuchs nicht zu sprechen. Gehe darüber hinaus, lang ist die Sage davon.
[3]  Wenn du verlang'st, daß dem Aug' nicht blutige Thränen entströmen, Wähle zu Liebchen nicht Schönen von hohem Geblüth;
[4]  Immer sey dir erlaubt, zu zürnen oder zu spotten, Denn ich bin kein Mann nur in mich selber verliebt.
[5]  Ha! wie kann ein verirrtes Gemüthe begreifen, Dessen Herz nicht einst ähnliche Banden ertrug.
[6]  Meine Begier entbrennt, wo ist die Kerze der Wangen, Daß ich Seele und Herz weihe der Gluth des Gesicht's.
[8]  Weil du, Hafis, von kosenden Wangen der Türken nicht absteh'st, Schickt Choweresen, Chodschend sich noch am besten für dich.
73
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.59-4.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.59
German Translation
[1]  Kein Blick der durch der Wangen Glanz nicht hell Geworden wäre! Kein Aug, in welches nicht dein Gnadenstaub Gekommen wäre!
[2]  Die ersten Seher sind damit beschäftiget, Dich anzuschauen. Kein Haupt, in das nicht deines Haars Begier Gekommen wäre!
[3]  Sind meine Thränen bluthroth aus Schmerz, Ists nicht zu wundern. Sie flößen ohne Scheu, wenn vor der Thür Ein Vorhang wäre.
[4]  Damit im Wind kein Stäubchen an den Saum Des Kleids sich setze, Ist keine Stelle, die vom Aug nicht rein Gewaschen wäre. Der Zartgebaute darf nicht geh'n Den Weg der Liebe, Denn keine Furcht, Besorgniß und Gefahr, Die dort nicht wäre!
[5]  Damit der Ost den Hauch vom finstern Haar Mir aufbehalte, Vergeht kein Morgen, wo ich nicht mit ihm Im Streite wäre.
[6]  Auf meines Schicksals Unglücksstern bin ich Im Ernste böse, Ich wär' es nicht, wenn Keiner sonst von Dir Beglücket wäre.
[7]  Weil deine Lippen so verschämet sind, O Honigquelle! Entströmt kein Zucker dir, der nicht in Schweiß Getauchet wäre. Ich armes irres Herz! blut' nicht allein Durch deine Hände, Kein Herz, das nicht von deiner Liebe Gram Verblutet wäre.
[8]  Es ist nicht gut, daß die Geheimnisse Entdecket werden, Bald giebt es kein Geheimniß mehr, das nicht Bei Trunk'nen wäre.
[9]  In einen Fuchs verwandelt sich der Leu Auf deinem Pfade, O! welch ein Pfad, wo ist Gefahr des Tods, Die drauf nicht wäre?
[10]  Der Augen Wasser hat vom Staub des Thors Erfahren Gnade. Kein Stäubchen, das für mich nicht hundertfach Noch Gnade wäre.
[11]  Von meinem Daseyn ist der Name mir Zurückgeblieben, Es wäre seltsam, wenn des Körpers Schein Geblieben wäre.
[12]  Die Kleinigkeit beiseit, daß dir Hafis, Nicht Lobspruch zollet, Ist keine Tugend, die vom Fuß zum Kopf In Dir nicht wäre.
162
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.63-10.63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.63
German Translation
[1]  Schön sind die Rosen fürwahr! Nichts schöner ist. Schön! wenn dir bei der Hand Der Becher ist.
[2]  Jetzt sind die Tage der Lust, Genieß, genieß! Weil in Muscheln nicht stets Die Perle ist. Welch ein seltener Pfad! Der Liebe Pfad, Wo der Führende selbst Verirret ist.
[3]  Auf und trinke den Wein Im Rosenbeet, Weil die Dauer der Ros' So flüchtig ist.
[4]  Du, der's goldene Glas Füllst mit Rubin, Gieb's dem Manne, dem fremd Das Gold sonst ist.
[5]  Komm o Scheih und trink Im Weinhaus hier Einen Wein, der im Quell Kewßer nicht ist.
[6]  Willst du leben mit uns, Wasch' aus dein Buch, Weil, was Liebe dich lehrt, Im Buch nicht ist.
[7]  Hör' mich, bringe dein Herz Der Schönen dar, Welche ohne Geschmeid' Die Schönste ist.
[8]  Einen leichteren Wein Gieb mir, o Herr! Dessen Ende kein Weh Des Kopfes ist. Sieh mein silberner Götz Ist schöner, als Jeder Götze, der in Den Tempeln ist.
[9]  Ganzer Seele bin ich Ownisens Knecht, Der zwar meiner sich nicht Erinnernd ist.
[10]  Bei der Krone des Schahs Schwör' ich den Schwur, Daß die Sonne so hell, So schön nicht ist.
[11]  Nur derjenige schmäht Hafisens Vers Welcher selbst von Natur Nicht edel ist.
311
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.3-28.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.3
German Translation
[1]  In einen frischen Jüngling bin ich verliebt,Ich habe von Gott mir diesen Gram erbeten;
[2]  Ich bin berauscht, verliebt, und sage es laut,Damit du hieraus erkennest meine Tugend.
[3]  Ich schäme mich des Weins beflecket mit Wein,Ich hab es mit Listen und mit Trug geflicket.
[4]  O Kerze! brenn' gelind vor Schmerzen bei ihm,Ich habe mich selber diesem Amt geeignet.
[5]  Ich staunte, und es floh von mir mein Gewinn,An Schmerzen gewann ich, was am Geist entflohen.
[6]  Daß mich vielleicht der frische Jüngling umarmt,Will ich Hafisen gleich die Schenken besuchen.
419
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.4-31.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.4
German Translation
[1]  Fort ewiges Leben! ihr Genuß ist besser. Verleih' ihn mir, o Gott! denn er ist besser.
[2]  Sie schlug mich mit dem Schwert, ich sagt' es Keinem, Denn vor dem Feind geheim zu seyn, ist besser.
[3]  Gebrandmarkt mit dem Maal des Sklavendienstes, Für sie zu sterben ist vieles besser.
[4]  O fraget meinen Arzt um Gotteswillen, Wann wird es dann mit diesen Schwachen besser?
[5]  Das Blut des Safrans ist zwar schön und lieblich, Der Staub von ihrem Fuß zermalmt, ist besser.
[6]  Lad' in die Einsamkeit mich nicht, o Frommer, Der Apfel dieses Kinns ist vieles besser.
[7]  Mein Herz sey ewig in dem Gaue Bettler, Denn jedes Glück, das ewig währt, ist besser.
[8]  O wende dich vom Greisenrath nicht ab. Denn er ist mehr als Jünglingsgunst und besser.
[9]  Sie sprach einst bei der Nacht: wo sind die Perlen, Die schöner sind, als mein Gehäng', und besser.
[11]  In meiner Freundinn Munde sind die Perlen, Doch ist Hafisens Wort um vieles besser.