126
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.27-10.27
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.27
German Translation
[1]  Vernimm, daß ohne Lieb' die Welt Für Seelen keinen Zauber hat, Und daß, wer nicht so denkt und fühlt, Fürwahr gar keine Seele hat.
[2]  Noch gegen keinen hab' ich Gunst Von diesem Herzensdieb geseh'n, Es sey nun, daß ich es nicht weiß, Es sey, daß keine Gunst er hat.
[3]  Es liegt in jedem Tropfen Thau Auf diesem Weg ein Feuermeer, O Schade, zehnmal Schade ist's, Dies Räthsel keine Lösung hat. Wohl wenig Reiz und Freude hat Das Leben ohne einen Freund, Woher kommt es, daß ohne Freund Das Leben wenig Reize hat?
[4]  Vom Posten der Zufriedenheit Kann ich unmöglich weiter gehen, O Karawanenführer bleib', Weil dieser Weg kein Ende hat.
[5]  Die krummgebogne Laute ruft Zur Freude, zum Vergnügen auf, O hör' sie, weil der Alten Rath Kein Unheil noch verursacht hat.
[6]  Des Rausches Sitte lernest du, O Herz, am besten von dem Vogt, Denn sieh', er ist berauscht, wiewohl Kein Mensch hievon den Argwohn hat.
[7]  Was dem Karun, mit seinem Schatz, In alter Zeit einst widerfuhr, Dies sagt die Rose, die ihr Gold Vor allen Leuten offen hat.
[8]  Scheint dir der Nebenbuhler gleich Ein Licht, versteck' dein Herz, Weil dieser Schelm, und Schwätzermund Kein Band auf seiner Zunge hat. Betrachtest du beim Licht den Mann, Dem du den Namen Meister giebst, So siehest du, daß er zwar Kunst, Doch keinen Vers, der fließet, hat.
[9]  Kein Mensch hat in der ganzen Welt Solch einen Diener, wie Hafis, Weil Niemand in der ganzen Welt, Wie er, solch einen Herren hat.
398
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.17-29.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.17
German Translation
417
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.2-31.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.2
German Translation
[1]  Der Herzrubin erfreut mich stets, Mir geht's nach Wunsch, Gott sey's gedankt!
[2]  O Loos, zieh' ihn an deine Brust, Zieh' bald das Glas, bald den Rubin.
[3]  Im Rausche ward ich zum Gespräch Den Alten und Unwissenden.
[4]  Mich reuet, was der Fromme sprach, Und vor dem Mönche bewahr' mich Gott!
[5]  O Herz! fühlst du den Trennungsschmerz, Die hundert Thränen, hundert Ach!
[6]  Den Ketzer treff' nicht solcher Gram, Wie du dem Maale angethan. Den Liebenden gedeiht Geduld, Darum begehr' Geduld von Gott. Mein Gurt ist das befleckte Kleid, O Frommer laß das Gaukelspiel. In seinem Anschaun freut' ich mich, Gott wehre mir nicht den Genuß. Ich wende mich vom Dienst nicht ab, Im Staube bleibt mein Kopf versenkt.
[7]  Hafis vergaß durch dein Gesicht Das Nachtgebet, die Morgenzeit.
44
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.30-4.30
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.30
German Translation
[1]  Jetzt da die Rose das Glas Des reinsten Weins hält, Nachtigallengesang Entschallt den Büschen.
[2]  Nimm die Gedichte zur Hand, Und geh' auf Felder, Denn jetzt ist nicht die Zeit Der Schularbeiten.
[3]  Gestern betrank sich der Probst, Und gab das Fetwa: Besser sey noch der Wein Als Stiftungsgelder.
[4]  Lauterer, hefichter Wein Ist alles Eines, Was der Schenke mir giebt, Ist bloße Gnade.
[5]  Flieh die Bewohner der Welt, Dem Anka folge, Denn vom Kafe zum Kaf Erschallt der Klausner Namen.
[6]  Wer da vergleicht ein Gedicht Von andern, meinem! Der vergleicht das Gold Mit Binsenflechten.
[7]  Schweige Hafis und bewahr' Wie Gold das Wörtlein: Nimm dich fleißig in Acht, Denn es giebt Wuchrer.
367
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.59-28.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.59
German Translation
9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.9-1.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.9
German Translation
[1]  Die Gärten blühn im frischen Reiz der JugendBulbul hört von der Rosen Freudenkunde.
[2]  O Morgenwind kömmst du zu jungen Wiesen,Grüß mir Basilikon, Cypreß, und Rose.
[3]  Wenn mich des Wirths Knabe süß liebkoset,So weih' ich meine Wimpern ihm zur Bürste.
[4]  Du der mit Ambraschlägeln Ballen spielestSchlag mich Geschlagenen nicht mehr zurücke.
[5]  Ich fürchte, jene, die der Trinker spotten,Verlieren ihren Glauben selbst in Schenken.
[6]  Sey Männern Gottes Freund, es ist ein StäubchenIm Schiffe Noahs, dem die Fluth nicht schadet.
[7]  Begehr' kein Brot, verlaß der Erde Gasthof!Der Erde Wirth ermordet seine Gäste.
[8]  Was brauchts Palläste die zum Himmel reichenFür jenen der zuletzt im Staube schlummert?
[9]  O Kanaan's Mond! dein ist der Thron AegyptensZeit ists den finstern Kerker zu verlassen. Ich weiß nicht was du willst mit deinen Locken:Dein Moschushaar auf diese Art verwirrend.
[10]  Hafis trink Wein, betrinke dich, sey froh,Mach nicht zuletzt zum Fallstrick den Koran.
169
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.70-10.70
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.70
German Translation
[1]  Nirgends kann ich Freunde schauen, Was ist aus ihnen geworden? Wo ist Freundschaft? wo die Freunde? Was ist aus ihnen geworden?
[2]  Trübe ist des Lebensquelle, Wo ist der reinliche Chiser? Umgekehrt sind Wind und Rosen, Was ist aus ihnen geworden?
[3]  Keiner redet von den Freunden, Die Wort und Treue bewahren, Dankbarkeit, wohin entfloh sie? Was ist aus Freunden geworden?
[4]  Aus der Mine ihrer Gnaden Entsteigen nicht mehr Rubinen, Windepfleg' und Sonnenwärme Was ist aus ihnen geworden?
[5]  Diese Stadt war sonst der Wohnort Der Fürsten und der Verliebten, Was befiel denn die Verliebten? Was ist aus Fürsten geworden?
[6]  Gottesleitung, Himmelsgnade Ward uns als Spende geworfen, Keiner tummelt auf dem Platz sich, Was ist aus Reitern geworden?
[8]  Sohre singet nicht mehr lieblich, Hat sie die Leier verbrennet? Niemand freut sich mehr des Rausches, Was ist aus Trinkern geworden?
[9]  Schweige still Hafis, denn Niemand Erspäht Geheimniße Gottes, Welchen fragst du von dem Zeitlauf, Was ist aus selbem geworden?
303
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:27.2-27.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:27.2
German Translation
[1]  Ich hab' den Schleier des Auges
[2]  Ich roch der Liebe Gerüche,Ich roch den Blitz des Genußes.Komm Morgenwind, denn ich möchteVor deinem Dufte vergehen.
[3]  Kameltreiber, der singendKamele locket, o warte!Denn voll von Sehnsucht nach SchönheitKann ich unmöglich dir folgen.
[4]  Mein Herz mach' einmal ein EndeDer Klagen über die Trennung,Es hat der Tag des GenußesZurückgeworfen den Schleier
[5]  Den siebenfachen verwendet,Der Fantasien Gemächer,Mit selben schön zu bekleiden.
[6]  Sobald das Liebchen sich freundlichErzeigt und Frieden begehret,Ist's leicht sich über die UnbildDes Nebenbuhlers zu trösten.
[7]  Es liegt im Winkel des HerzensNach deinem Munde die Sehnsucht;O laß' sich's Keiner gelüstenSolch einen Wunsch zu verfolgen!
19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.5-4.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.5
German Translation
[1]  O Morgenwind, der Freundin Ruheplatz wo ist er? Der Wohnort dieses seltnen Monds, Der die Verliebten mordet, Wo ist er?
[2]  Die Nacht ist finster, vor uns liegt das Thal der Ruhe, Wo ist das Feuer Sinais? Wo ist der verheißne Anblick? Wo ist er?
[3]  Wer auf die Welt kömmt, trägt in sich Zerstörung, Verstöret schauet er umher, Und fragt, wo ist der Weise? Wo ist er?
[4]  Wer Liebe kundig ist, darf gute Kunde bringen, Denn der Geheimnisse sind viel, Wem wurden sie vertraut? Wo ist er?
[5]  Mit jeder Spitze deines Haars hab' ich viel tausend Geschäfte abzuthun, ha! wo Bin ich? wo ist der Lästrer? Wo ist er?
[7]  O bind mit deinem Haare den Verstand, er raset. In einem Winkel sitzt mein Herz, Wo ist der Brauen Bogen? Wo ist er?
[8]  Bereitet sind der Wein, die Sänger und die Rosen, Doch ohne den Geliebten wird Kein Freudenfest bereitet. Wo ist er? Ich bin der Zelle und des Scheichs längst überdrüßig, Wo ist der Christenknab' mein Freund? Wo ist der Ort des Weines? Wo ist er?
[9]  Des Herbstwinds zürne nicht, vernünftig sollst du denken, Hafis, wo ist der Rosenstrauch Der keine Dornen hat? Wo ist er?
451
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.23-32.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.23
German Translation
[1]  Es stand der Himmel dir wohl bey Am Tag des Streites, Wie preisest du ihn wohl dafür, Wie zeigest du dich dankbar?
[2]  Der Mann, der fällt, und welchen Gott Dann bei der Hand ergreifet, Dem sage, dir gebühret es, Gefallene zu trösten.
[3]  Man kauft nicht in dem Liebesgau Die Glorie des Schahes, Bekenne dich zum Herrendienst, Zum frommen Sklavendienste.
[4]  O Schenke komm' zur Thür' herein Mit deinen Liebeswimpern, Dann geht der Gram der ganzen Welt Hinaus von meinem Herzen.
[5]  Es liegen auf der Größe Pfad Gar mancherlei Gefahren, Weit besser ist es, daß du leicht Dich auf den Weg begebest.
[6]  Der König denkt auf Stadt und Heer, Auf Kronen und auf Schätze, Derwische denken nur auf Ruh', Auf einen stillen Winkel.
[7]  Ich sage dir ein frommes Wort, Schenkst du mir nur Erlaubniß, Mein Augenlicht weit besser ist's Im Frieden seyn, als kriegen.
[8]  Es steht bei deinem Muth und Sinn Die Wünsche zu erreichen. Du brauchest nur des Schahes Gunst, Und dann die Hülfe Gottes.
[9]  Wasch' die Genügsamkeit Hafis Nicht ab von deinen Wangen, Denn dieser Staub ist besser als Der wahre Stein der Weisen.
449
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.21-32.21
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.21
German Translation
[1]  Liebende zu entfernen von dir, dies hältst du für billig, Deinen treusten Knecht hast du getrennet von dir.
[2]  Durstig komm' ich aus Wüsten, o reich' mir lauteres Wasser, Gieb mir die Hoffnung, die du deinen Getreuen verleihst.
[3]  Du hast geraubet das Herz, ich verzeihe den Raub dir Geliebte, Besser, es bleibe geheim, als daß es werde bekannt.
[4]  Fremde Gäste betrinken sich frey aus meinem Pokale, Leiden will ich's gern, wenn du für billig es hältst.
[5]  Ameis, wie vermagst du das Nest Simorgs zu erreichen, Wenig geachtet wie ich, bist du belastet wie ich.
[6]  Du bist aus eigener Schuld leer ausgegangen vom Freunde, Wessen beklagst du dich denn, sage, warum du so weinst?
[7]  Fürsten, Hafis! belohnen geleistete Dienste mir Ehren, Welchen Anspruch machst Müßiger du auf den Lohn?
243
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.144-10.144
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.144
German Translation
[1]  Wer deinen Hauch im Wehn Des Ostwinds hört, Hat vom vertrauten Freund Ein Wort gehört.
[2]  Schau auf den Bettler her, O Schönheits Schah! Ich hab' der Sagen viel Hievon gehört.
[3]  Ich würze meinen Geist Mit Moschuswein, Vom Ordenskleid hab' ich Nie Trug gehört.
[4]  Sieh die Geheimniße Des Frommen, ey! Wie hat denselben denn Der Wirth gehört!
[5]  O Herr! wo ist ein Freund, Daß ihm mein Herz Vertrau', was es geseh'n, Was es gehört.
[6]  Für's dankerfüllte Herz Geziemt sich's nicht, Daß es von seinem Freund Was Hartes hört.
[7]  Kehr' ich beraubt zurück, Was ist es denn! Wer hat im Rosenbeet Von Treu' gehört!
[9]  Wir trinken nicht erst heut Im Ordenskleid, Der Wirth hat hundertmal Hievon gehört.
[10]  Wir trinken nicht erst heut Zum Lautenton, Die Welt hat lange schon Dies angehört.
[11]  Des Weisen Rath ist gut, Und reines Gold; Wohl dem, der folgsam ihn Und wirklich hört. Mein Herz spricht mit dem West Des Abends stets; Des Morgens hört der Ost Mein Herzgespräch.
[12]  Zu fleh'n ist eine Pflicht, Hafis sorg' nicht, Darum ob sie's gehört, Ob nicht gehört.
420
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.5-31.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.5
German Translation
[1]  Du warfst den Schleier schnell von dir, Und dies warum? Betrunken giengst du aus dem Haus, Und dieß warum?
[2]  Der Nebenbuhler hat dein Ohr, Dein Haar der Ost, So hast du alles durchgewirrt, Und dieß warum?
[3]  Die Bettler lieben dich, du bist Der Schönen Schah, Du kennest nicht den eignen Werth, Und dieß warum?
[4]  Du gabst die Spitze deines Haars Mir in die Hand, Dann warfst du zu den Füssen mich, Und dieß warum?
[5]  Des Herzens Wort verräth dein Mund, Dein Gurt den Wuchs, Mit beiden drohte mir dein Schwert, Und dieß warum?
[6]  Ein jeder träumet sich von dir Was anderes, Doch übel spielst du Andern mit, Und dieß warum?
[7]  Hafis! es setzte sich der Freund Ins enge Herz, Doch triebst du nicht die Fremden aus, Und dieß warum?
386
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.5-29.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.5
German Translation
[1]  Beim Herren! geselle dich nicht zu dem Mönch, Verhülle die Wangen vor Trunkenen nicht.
[2]  Befleckt ist die Kutte nur leider zu viel, Gesegnet die Zeiten der Kleider voll Weins!
[3]  Mir thaten die Weiseren nie was zu Leid, Die Freude der Trinker sey niemals getrübt.
[4]  Du bist von zu zarter und feiner Natur, Ertragest der Kutten Beleidigung nicht.
[5]  Du hast mich berauschet, verstecke mich nicht, Eröffne die Lippen, das trunkene Aug'! Es brauset der Wein aus Verlangen nach dir,
[6]  O schau, wie von diesen Bedrückern bedrängt, Die Flasche voll Blut ist, das Barbiton stürmt.
[7]  Nimm dich vor der Hitze Hafisens in Acht! Es brauset gleich siedenden Töpfen sein Herz.
390
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.9-29.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.9
German Translation
[1]  Die Krone der Fürstinn, Der Rose zeigte sich auf Fluren. Es sey den Cedern und Jasminen Gesegnet die Ankunft.
[2]  Nun stehet in Wahrheit Der Kaiserthron an seinem Orte, Es setze sich ein Jeder auf den Ihm eigenen Platz hin.
[3]  Dem Ringe Dschemschidens Gieb von dem guten Ende Kunde, Der große Name, der ihn zeichnet, Bezwingt Ahrimanen.
[4]  Es blühe beständig Das hohe Haus, das du bewohnest, Von dessen Thürenstaub ein Lüftchen Erbarmender Huld weht.
[5]  Die Größe des Sohnes Peschengs, sein Schwert, das Welten zwinget, Ist durch des Schahrame's Geschichten Zur Sage geworden.
[6]  Den Renner des Himmels, Bezäumtest du mit deinem Zügel, O Reiter, du bist auf dem Rennplatz, Nun schlage den Ballen.
[7]  Es strahlen die Reiche Durch deines Säbels Glanz und Wasser, O pflanze du den Baum des Rechtes, Entwurzle die Bösen.
[8]  Was ist es zu wundern? Wenn du so süß und milde duftest, Und wenn die Düfte Chotens hauchen, Iredschische Steppen.
[9]  Die Winkelbewohner Erwarten deine Schmeicheleien, Entblöß' den Kopf von deiner Mütze, Zerreiße den Schleier.
[10]  Ich fragte die Klugheit: O trinke Wein, Hafis! so sprach sie, O Schenke! reiche uns den Becher, Dem Rathe zu folgen.
[11]  Ostwind dem Schenken Beim Fest der Atabegen melde, Daß er von jenem goldnen Glase Den Hefen mir gebe.
469
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.41-32.41
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.41
German Translation
[1]  Düfte des Weins sind gekommen, und meine Begier ist gewachsen, Für den Staub der Thür' werde geopfert mein Geist.
[2]  Immer ist es ein Glück zu vernehmen Kunde vom Freunde, Ha! wer bringt von mir freundliche Grüße zu Saad!
[3]  Komm' am Abend der Fremden, und schau' mein Auge voll Thränen, So schwimmt reiner Wein in dem kristallnen Gefäß.
[4]  Wenn ich bräche den Mund und hin nach Eden mich sehnte, Fliehe von mir der Schlaf, fliehe der schmeichelnde Traum!
[5]  Lang' ist's wahrlich nicht mehr bis zu dem Tage der Trennung, Denn ich erblickte schon über den Hügeln das Zelt.
[6]  Selig der Augenblick, wo ich dich einstens begrüße, Wo ich dir sage: gegrüßt! Sey mir von Herzen gegrüßt! Weinet der Vogel des Glücks im Garten genannt Sileroki, Wird die Taube doch nicht weinen im Garten von Saad.
[7]  Ferne bin ich von dir, und irre herum in der Fremde, Ob ich gleich den Mond niemals im Vollschein geseh'n.
[8]  Wenn ich gleich Nichts besitze, das werth ist des Umgangs der Fürsten, So erlaube mir doch, daß dein Bedienter ich sey.
[9]  Bald, o bald, so hoff' ich, erblick' ich ein besseres Schicksal, Herrschen erfreuet dich, mich dir gehorsam zu seyn.
[10]  Deine Verse, Hafis, sind Perlen süßer Sorbete, Uebertreffen gar manchmal die Verse Nisami's.
492
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.64-32.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.64
German Translation
[1]  Ich sende einen Gruß, der nach Bekanntschaft duftet, Ich sende ihn an deinen lichten Augenapfel,
[2]  Ich sende einen Gruß wie Herzenslicht der Frommen, Ich send' ihn an das Licht der lautesten Versammlung.
[3]  Ich sehe keinen Freund an seinem wahren Platze, Mein Herz ist blutig ob dem Gram, wo bist du, Schenke?
[4]  O wende dein Gesicht nicht ab vom Gau der Schenken, Es werden dort verkauft die Schlüssel für das Schwere.
[5]  Der Lauf der Welt ist schwer, das muß ich zwar gestehen, Doch treibet sie's zu arg mit ihrer Treue Schwanken.
[6]  Mein Herz hat hohen Muth, es ist sehr schwer verwundet, Es bettelt dennoch nicht um Balsam bei den Harten.
[7]  Wo wird der Wein verkauft, der Fromme niederschmettert? Ich bin in Angst und Qual in dieses Heuchlers Händen.
[8]  Die Freunde haben so den Freundschaftsbund gebrochen, Daß man wohl zweifeln kann, ob sie auch Freunde waren.
[9]  O harte Seele! wenn du mir die Freiheit ließest, Durch betteln würde ich zum Kaiserthum gelangen.
[10]  Den Stein der Weisen selbst, das Glück will ich dich lehren, Das Ganze liegt darin zu flieh'n der Bösen Umgang.
238
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.139-10.139
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.139
German Translation
[1]  Die Zeit des Festes hat Sich mit dem Neumond geschmücket, Nun ziemt es sich, den Mond In ihren Brauen zu sehen.
[2]  In Bogenform gekrümmt, Dem neuen Monde vergleichbar, Weil sich der Freund die Brau'n Mit meiner Schminke geschminkt hat. Verdeck' nicht dein Gesicht, Entferne dich nicht von Freunden, Denn deines Bartes Flaum Zeigt uns die Verse des Korans.
[3]  Es kam vielleicht der Ost Mit deinem Duft in den Garten, Da ward der Rosen Kleid Wie Morgenröthe zerrißen.
[4]  Es gab noch keinen Wein, Noch keine Rosen auf Erden, Da ward mein Lehm mit Wein Und Rosenwasser geknetet.
[5]  Komm, daß ich dir den Gram Von meinem Herzen erzähle, Denn sonst vermag ich nichts Zu hören und zu erzählen.
[6]  Und wäre auch mein Geist Der Preis von deinem Genuße, So kauf' ich ihn; es kauft Ein guter Käufer auf's Anschau'n. O mach' nicht, daß mein Aug' Der Thränen viele vergieße. Es lief dir lange nach, Vermischte sich mit dem Staube.
[7]  Als in der Nacht des Haar's Ich deine Wangen erblickte, Da wurde meine Nacht Erhellet ähnlich dem Tage.
[8]  Auf meinen Lippen liegt Mein Geist, mein Wunsch ist vereitelt, Die Hoffnung ist schon aus, Doch nichts hab' ich noch erlanget.
[9]  Aus Sehnsucht hat Hafis So manche Zeilen geschrieben, O lies sein Herzgedicht, Häng an die Ohren die Perlen.
46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.32-4.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.32
German Translation
[1]  Rosen am Busen! Wein in der Hand, Die Liebste nach Willen! Dann sind Kaiser meine Sklaven
[2]  Weg mit den Lichtern, traget sie weg! In dieser Versammlung Scheinet heut der Liebsten Vollmond.
[3]  Wein ist erlaubt nach unserm Gesetz; Doch ohne dein Antlitz
[4]  Lautengetön erfreut das Ohr Das Auge verweilet Auf den Lippen, auf dem Glase.
[5]  Rosenceder ists verbothen. Rosengeruchs bedürfen wir nicht, Es duften die Seelen Vom Geruche deiner Locken.
[6]  Rede mir nicht vom Zuckergebäck! Der Zucker der Lippen Ist der höchste meiner Wünsche.
[7]  Seit im verstörten Busen der Schatz Des Kummers verwahrt liegt, Liege ich verstört in Schenken.
[8]  Sprich von Schimpf nicht, Schimpf ist mein Ruhm. Was fragst du vom Ruhme? Ruhm ist mir zum Schimpf geworden.
[9]  Rauschig und taumelnd schmachtenden Blicks Durchzieh' ich die Straßen, Zeige sich, der mir nicht gleichet!
[10]  Saget hievon der Obrigkeit nichts Begabet mit Trinklust Ist sie selber anzuschauen.
[11]  Bleibe nicht ohne Liebchen und Wein Hafis bei dem Feste Zu der Zeit der Rosenblüthe.
424
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.9-31.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.9
German Translation
[1]  O trenn' dich nicht von mir Du bist mein Augenlicht, Du bist des Herzens Ruh', Du bist der Seele Trost.
[2]  Verliebte zieh'n die Hand Von deinem Saum leicht ab. Und doch zerreißest du Ihr Hemde der Geduld. Beängstige dich nicht, Du kommst noch zum Genuß, Wenn du gekostet hast Der Trennung bittres Gift.
[3]  Vom bösen Aug' der Welt Wachs' dir kein Schaden zu, An Lieblichkeit hast du Den höchsten Grad erreicht.
[4]  Von ihrer Liebe halt' Mich, o Mufti, nicht ab. Entschuldigt halt' ich dich, Weil du sie niemals sahst.
[5]  Hafis, daß dich der Freund So schmählt, ist nicht umsonst, Du hast den Fuß vielleicht Zu weit hinausgesetzt.