459
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.31-32.31
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.31
German Translation
[1]  Mit Schönheits-Linien, die du Auf deinen Wangen ziehst, Ist's sicher, daß du einen Strich Durch Rosenbeete ziehst.
[2]  Betracht', daß meine Thränen, (die In dem Harem der Brust Geheimnißvoll versenket sind) Du auf den Markt hinziehst.
[3]  Ha, wie mit deiner Locken Duft Du jeden Augenblick, Dem Ostwind gleich ein jedes Herz In deine Bande ziehst!
[4]  Und wie du jeden Augenblick Durch dein berauschtes Aug', Und durch der trunknen Lippen Duft Mich in die Schenke ziehst.
[5]  Du sprichst, es ziemt sich, daß dein Haupt In meinen Banden sey, Sehr wohl! wenn du nur diese Last Mit Freuden nach dir ziehst.
[6]  Soll ich mich wider deine Brau'n Berathen mit dem Aug'? O weh! des Bogens, welchen du Straf auf mich Kranken ziehst.
[7]  Komm', daß von deinem Angesicht Ich wend' das böse Aug', O frische Rose! welche du Den Saum durch Dornen ziehst.
[8]  Hafis! wiewohl du dir verlangst Die Güter dieser Welt, Das Beste ist doch, daß du trinkst Und Freundeslocken ziehst.
365
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.57-28.57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.57
German Translation
[1]  Wir haben hundertmal das Angesicht Vor dir in Staub geleget, Wir haben allen Trug und Gleisnerey Vor dir beiseit geleget. Den guten Namen von so manchem Jahr, Und selbst von unsern Ahnen, Wir haben ihn des Schenken Mondgesicht Zu Liebe weggeleget.
[2]  Der hohen Schule Säulengang und Saal Und allen Streit von Tugend, Wir haben Alles auf den Liebesstand Der Schönen hingeleget. Wir legten keine allzugroße Last Auf unser Herz, das schwach ist. Wir haben, was wir treiben, was wir thun, Nie auf ein Haar geleget.
[3]  Wir haben diesen zwey Narzissen längst Empfohlen unsre Seele, Wir haben auf die süßen Zaubereien Der Liebe Grund geleget.
[5]  Wir haben nicht mit unserm eignen Heer Des Feindes Reich erobert, Und unsrer Herrschaft Krone haben wir Nicht selber abgeleget.
[7]  Wir haben unser ungeliebtes Haupt Erfüllet von Begierde, Und liebberauschet wie Narzissen hin Auf's Knie zur Ruh geleget. Hafis! bemühe Dich um Freund' und Sang, Denn des Verstandes Summe Ist alle auf das schöne lange Haar Des Freundes angeleget.
[8]  Wir haben in der Hoffnung letzten Eck, Gleich Sehern nach dem Monde, Des Wunsches Sehrohr auf den Brückenbau Der Brauen angeleget.
[9]  Du sagtest: O Hafis! wo ist dein Herz, Das sich so sehr empöret? Wir haben's sorgsam in die Ringelein Von jenem Haar geleget.
139
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.40-10.40
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.40
German Translation
[1]  Mein Gesicht lag auf dem Weg, Keinen Schritt hat er vorbeigethan. Viel des Süßen harrte sein, Keinen Blick hat er auf mich gethan.
[2]  Meine Thränen konnten nicht Schwemmen aus dem Herzen seinen Groll, Regentropfen haben nie Wirkung auf den Marmorstein gethan.
[3]  Herr! bewahr' in deiner Huth Diesen Jüngling, der die Herzen raubt, Welcher keine Gegenwehr Wider Seufzerpfeile hat gethan.
[4]  Meiner Klagen Wehgetön, Ließ nicht ruhen Vögel, Fische nicht. Aber sieh! das Schelmenaug' Hat vom Schlaf kein Auge aufgethan.
[6]  Meine Seele, sage: wo Ist das fühlungslose Herz aus Stein, Das sich wider seinen Pfeil Nicht als Schild hat gern hervorgethan.
[7]  Deine Lieder, o Hafis, Sind so schön, daß, wer sie kennt, sie lernt. Einmal dem Gedächtniß eingeprägt, Werden sie durch nichts mehr ausgethan.
334
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.26-28.26
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.26
German Translation
[1]  Wenn ich zur Spitze der Locken gelangte, Schlug' ich viel Köpfe als Schlägel davon.
[2]  Wohl wird durch Locken das Leben verlängert, Aber noch ward mir kein Härchen davon,
[3]  Kerze, o gieb mir des Schmetterlings Ruhe, Denn ich zerschmelze vor dir wie das Wachs.
[4]  Wenn ich wie Flaschen die Seele verlache Wünsch' ich, daß Trunk'ne leben für mich.
[5]  Weil mein Gebet nicht befreyt ist von Mackeln, Hör' ich nicht auf in den Schenken zu fleh'n,
[6]  Wenn ich in Schenken, in Tempeln dich sehe, Mach' ich die Brauen zum hohen Altar.
[7]  Wenn dein Gesicht mein Gemach einst erleuchtet, Heb ich den Kopf wie der Morgen empor.
[8]  Endlich gelingt es mir doch wie Mahmuden Wenn ich verliere den Kopf für Ajas.
[9]  Könnte Hafis sein Geheimniß vertrauen, Da zum Vertrauten das Glas Er nur hat?
179
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.80-10.80
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.80
German Translation
[1]  Freudenkunde kam zu mir: Tage des Grames werden nicht bleiben, Keine sind geblieben, ha! Keine derselben bleiben.
[2]  Zwar bin ich im Angesicht Meines Geliebten wenig geehret, Doch mein Nebenbuhler wird Höher geehrt nicht bleiben.
[3]  Da der Hüter mit dem Schwerdt Alle Besuche treibet von hinnen, Werden selbst die Tulpen nicht In dem Hareme bleiben.
[5]  Dieses, sagt man, war das Wort Von dem Gesellschaftskreise Hafisens: Bringet Wein, der Becher wird Nimmer hienieden bleiben.
[6]  Nimm als Beute an, o Licht! Jeden Genuß der Schmetterlingsliebe, Denn es wird am Morgen nichts Von dem Gekose bleiben. Des Verborgenen Bote hat Freudige Kunde heut mir gegeben: Wiß', es soll in dieser Welt Ewiger Gram nicht bleiben.
[7]  Reicher! nimm das arme Herz Deines Derwisches einmal zu Handen, Denn ihm wird fürwahr kein Schatz Goldes und Silbers bleiben.
[8]  Sieh auf dem smaragdnen Dom Stehet mit goldnen Zügen geschrieben: Außer guten Thaten wird Ewig hierorts nichts bleiben. In der Frühe gab der Ost, Ihren Genuß verheißend, mir Kunde: Daß in Kummer Niemand soll Ewig hienieden bleiben.
[9]  Auf der Freundinn Liebe hoff' Immer Hafis mit gläubigem Herzen, Denn es wird das Unrecht nicht Ewig hienieden bleiben.
27
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.13-4.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.13
German Translation
[1]  Ins Kloster kam mein Freund, das volle Glas in Händen, Von Wein, die Anderen von seinen Augen trunken.
[2]  Der neue Mond erglänzt am Hufe seines Pferdes, Die Pinien sind klein, verglichen seinem Wuchse.
[3]  Mir nicht bewußt, wie kann ich sagen, daß ichs bin, Und daß ich ihn nicht schau', wenn ich ihn stets anschaue?
[4]  Des Kreises Licht erlöscht, so bald er geht von hinnen, Und wenn er kommt, verstummen die Beschwörenden.
[5]  Der Moschus riecht von der Berührung seines Haares Die Braunenschminke krümmt sich nach den schönen Augen.
[6]  O komm' zurück, dann kommt Hafisens Jugend wieder, Wiewohl der Pfeil nicht wiederkehrt zum Bogen.
236
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.137-10.137
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.137
German Translation
[1]  Wenn dieser Paradiesesvogel Zu meiner Thür zurückkommt, So weiß ich, daß vergangenes Leben Im Alter noch zurückkommt.
[2]  Ich hoffe von der Fluth der Thränen, Die aus den Augen regnet, Daß meines Glückes Wetterleuchten Ein andermal zurückkommt.
[3]  Denjenigen, der meine Scheitel Wie Staub zertritt mit Füßen, Will ich zum Kaiser machen, Wenn er zu mir zurückkommt.
[4]  Ich möchte hinter ihr her gehen, Indem auf diese Weise, Zu meinen Freunden doch die Kunde, Wenn nicht der Mann zurückkommt.
[5]  Göß' ich nicht aus der Seele Perlen, Zu meines Freundes Füßen, So wüßt' ich nicht, was für ein Nutzen Davon mir wohl zurückkommt.
[6]  Ich will den Lärm der Freude schlagen, Vom Dache meines Glückes, Sobald ich sehe, daß die Freundinn, Die fortgereis't, zurückkommt.
[7]  Der Morgenschlaf, der Ton der Laute, Dies hindert meine Freundinn, Die, wenn sie meine Seufzer höret, Gewiß zu mir zurückkommt.
[8]  Es sehnt Hafis sich gleich dem Monde Nach seines Schahes Wangen, Bemühet euch, daß er mit Wohlfahrt Zu meiner Thür zurückkommt.
418
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.3-31.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.3
German Translation
[1]  Und regnet es Schwerter im Gau des Monds, So halte ich immer den Nacken hin.
[2]  Wir wissen nicht minder, was Sitte ist, Doch was ist mit bösem Gestirn zu thun!
[3]  Die Alten und Pred'ger versteh'n wir nicht, Den Becher und kurze Geschichten wohl.
[4]  Verliebt und betrunken nun Reue thun, Der Himmel bewahre, bewahre mich!
[5]  Von deinem Gesichte her schien kein Glanz, Ach Spiegelgesicht du bist zart und hell!
[6]  Das Dulden ist bitter, das Leben kurz, O fänd ich ein Mittel, zu ihr zu geh'n!
[7]  Was weinst du, Hafis, wenn du Liebe suchst? Muß es dir gefallen zu trinken Blut.
39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.25-4.25
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.25
German Translation
[1]  Bedarf mein Garten wohl der Pinien, Cypreßen? Wem weicht der Buchs des Freundes genährt in meinem Schatten.
[2]  Bei deinem Haupt! o Knabe sag', weß Glaubens bist du, Daß unser Blut dir mehr als Muttermilch gedeiht!
[3]  Siehst du von weitem nur das Bild des Grames, trinke! Der Wunden Tiefe prüften wir, es hilft dies Mittel.
[4]  Warum soll ich mich von der Thür des Wirths entfernen? Hier wohnt das Glück, hier werden aufgethan die Wünsche.
[5]  Zerbrochne Herzen kaufet man auf unsrem Wege, Es wird der Handel hier auf andre Art getrieben.
[6]  Genuß versprach er mir, noch gestern bei dem Weine; Was sagt er heut, was lieget ihm denn wieder in dem Kopfe? Einförmig ist der Liebe Gram und seltsam ist er! Ich hörte keinen der sich wiederhohlet hätte.
[8]  O komm, es sehnet sich nach dir das Hoffnungsauge, Wie's Ohr der Fastenden nach dem Alla Ekber.
281
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.10-16.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.10
German Translation
[2]  Denn sie rauben das Herz, und sie bezaubern durchs Wort.
[3]  Ostwind gehst du die Wohnung von meiner Selma vorüber,Hoff' ich, daß du ihr Schönes entrichtest von mir.
[4]  Löse behutsam den Knäul von ihrem verworrenen Haar' auf,Herzen stecken darin, daß du sie ja nicht verwirrst.
[5]  Sag' ihr, es hab' an ihr Maal mein Herz der Fordrungen viele,Sie bewahr' es daher schonend in Ambragemisch.
[6]  Dort wo Gesundheit man trinkt aufs Angedenken des Munds,Ist ein Schurke, wer dort bleibt sich selber bewußt.
[7]  Ehren und Güter sind nicht an der Thüre der Schenke zu haben,Wer da trinket der werf', was ihm gehöret in's Meer.
[8]  Wer vor Leiden sich fürchtet, dem ziemt nicht das Leiden der Liebe;Unser Haupt ist ihr Fuß! unsere Lippen ihr Mund.
[9]  Deine Lieder Hafis! sind wahrlich der Grundreim der Dichtkunst
437
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.9-32.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.9
German Translation
[1]  Was man vom Paradies erzählt, Ist eine Fabel deines Gaues, Was von Huris man uns erzählt, Das gilt von deinen Wangen.
[2]  Des Herren Jesus Wunderhauch Geht aus von deinen Lippen, Und deines Mundes Welle ist Das Lebenswasser Chisers.
[3]  Ein jedes Stück von meinem Herz Ist eine Gramgeschichte, Und jede Zeile deines Sinns Ist auch ein Vers im Himmel.
[4]  Wie würde von der Rose wohl Der geist'ge Kreis gewürzet, Wenn sie getreu zu bleiben dir Sich vorgesetzt nicht hätte.
[5]  Ich bin verbrennet aus Begier Nach meines Freundes Staube, Erinnre dich, o Morgenwind, Daß du uns nicht beschützest.
[6]  O Herz, umsonst verlorest du Die Wissenschaft, das Leben. Ein großes Kapital war dein, Doch warst du nicht zufrieden.
[7]  Des angebrannten Herzens Duft Ist überall verbreitet, Es wirket meines Innern Brand Daher nach allen Seiten.
[8]  Erscheint mir in der Hölle Gluth Der Zauber deines Bildes, Ich werde über Höllengluth, O Schenke, drum nicht klagen.
[9]  Errathest du Hafisens Wunsch, Wenn Er dir spricht von Leiden, Von dir ist's eine Schmeichelei, Vom Kaiser ist es Gnade.
54
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.40-4.40
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.40
German Translation
[1]  Blutdurchstriemt ist der Apfel des Aug's von Weinen und Klagen, Siehe! dahin hast du liebende Augen gebracht.
[2]  Blut wird röthlicher Wein, wenn aus dem Glase des Kummers Trink' auf das Wohl des Munds und des betrunkenen Augs.
[3]  Wenn die Sonne im Ost von deinen Wohnungen aufgeht, Strahlet mein Stern sogleich heller, als Glückesgestirn.
[4]  Vom süßkosenden Munde Schirins, sang Lieder Ferhad einst, Und das Herz Medschnun's stecket in Leilas Haar.
[5]  Nimm mein Herz in die Hand, du gleichst den Cedern an Anmuth, Sprich ein einziges Wort, lieblich entfließt dir das Wort.
[6]  Schenke verschaffe mir Ruh' mit einigen kreisenden Gläsern, Denn die kreisende Welt hat mich zu Boden gedrückt.
[7]  Seit dem Augenblick, wo das Liebchen den Händen entflohen, Ist der Saum des Kleids wie von dem Oxus durchnäßt.
[8]  Wie ist es möglich, daß sich mein trübes Inner's erfreue, Liegt es doch nicht an ihm, sich zu erfreuen der Wahl.
[9]  Abgestorben der Welt sehnt sich Hafis nach Geliebten, Wie ein armer Mann nach dem Vermögen Karuns.
294
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:21.3-21.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:21.3
German Translation
[1]  Durch Treue bin ich berühmt bei Schönen wie die Kerze,Ich sitze bei der Nacht mit Trunknen, wie die Kerze.
[2]  Bei Nacht und Tage kommt kein Schlaf in meine Augen,Ich weine, und bin krank durch Trennung, wie die Kerze.
[3]  Den Faden der Geduld zerschnitt die Scheer des Grames,Ich lach' in der Gluth der Liebe, gleich der Kerze.
[4]  Wenn blut'ge Thränen nicht dem Auge heiß entströmten,So wär' der Welt nicht kund mein Innres wie die Kerze.
[5]  Mein weinend Herz, o schau' es zwischen Gluth und Wasser,Beständig klaget es, es jammert wie die Kerze.
[6]  Den Schmetterling der Lust send' in die Nacht der Trennung,Sonst werde ich die Welt verbrennen wie die Kerze.
[7]  Mein Tag ist finster ohne deine Weltenschönheit,Doch unvollkommen ist die Liebe wie die Kerze.
[8]  Der Felsen der Geduld zerschmilzt wie Wachs vor Schmerzen,Seit deine Liebe mich zerschmelzet wie die Kerze.
[11]  Ergriffen hat Hafisen deiner Liebe Flamme,Wann löschet Wasser diesen Brand aus wie die Kerze.
146
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.47-10.47
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.47
German Translation
[1]  Es hat mir einen Duft der Ost vom Freund gebracht, Und hat mein irres Herz dadurch zu sich gebracht,
[2]  Ich riß aus meinem Busen das Pistazienreis, Denn jede Blüthe hat mir Schmerzen nur gebracht.
[3]  Ich sah auf ihrem Dach den hellen Glanz des Monds, Wie ihrer Sonne Schein aus Schaam ganz aufgebracht;
[4]  Mein Herz ward von der Frucht des Lieberaub's befreyt, Doch da es blutete, ward es in Hut gebracht.
[5]  Auf's Wort des Schenken geh' ich manchesmal hinaus, Denn schwer wird Nachricht uns von jenem Weg gebracht.
[6]  Was der Geliebte schenkt, ist nichts als milde Huld, Es sey durch Rosenkranz, durch Gürtel zugebracht.
[7]  Verzeih's den Brauen Gott! sie haben mich entseelt, Allein sie haben auch Liebkosung mir gebracht. O schöne Zeit, da durch das Lockenhaar des Freund's Mein Herz den Feind selbst zum Geständniße gebracht. Der Ost voll Eifersucht auf seines Haares Duft Streut Moschus aus, den er von Tartarn hergebracht.
[8]  Das Glas gab gestern mir gar wunderlich Hafis, Ich zankte nicht, er hat es als Sofi gebracht.
415
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.11-30.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.11
German Translation
[1]  Bote der Gnaden, gieb Kunde vom Freunde, Singe von Rosen der Nachtigall vor.
[2]  Säume dich nicht, denn wir sind die Vertrauten, Sage dem Freunde die Rede des Freunds.
[4]  Jeder, der saget: ihr Staub ist ein Balsam, Sage dies Wörtlein vor unserem Aug'.
[5]  Sage dem Frommen, der trinken verbiethet, Dieses erkläre du uns vor dem Wirth. Wenn von der Kanne der Fromme verführt wird, Sage: schenk' ein, mit dem Glas in der Hand.
[6]  Geh'st du vorbei an der Thüre des Glückes, Sprich nach entrichtetem Gruß und Gebet: Arme und Reiche vermischet die Liebe, König der Schönheit! den Bettler sprich an!
[7]  Bin ich auch böse, so schilt mich nicht deßhalb, Fürstlich verhehle des Bettlers Vergeh'n.
[8]  Lies dem Verarmten des Mächtigen Schreiben, Sprich zu dem Bettler von Königsgewalt. Da die Geliebte die Herzen verstreut hat, Sage dem Sinn, was in Lüften geschah.
[9]  Als die zwei Spitzen der Locken sich schlugen, Ha! wie ich brannte, verkünd' es, o Wind!
[10]  Worte der Weisen sind Nahrung der Seele, Gehe und frag' und erzähle uns dann.
[11]  Kommst du, Hafis, in des Fürsten Gesellschaft, Laß die Verstellung, und trinke den Wein.
59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.45-4.45
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.45
German Translation
[1]  Ich hoffe Gnade von dem Freund, Ich habe zwar vor ihm gefehlt, Er aber wird mir verzeihen.
[2]  Ich weiß er übersieht die Schuld, Denn er ist schön wie die Peris Und doch auch gut wie ein Engel.
[3]  So viel hab' ich geweint um Ihn, Daß Jedermann zu mir gesagt: Woher die Ströme der Thränen? Ich spielte Ballen mit dem Kopf Vor deinem Haus; wer kennt das Haus, Die Ballen, wessen sie seyen?
[4]  Dein Mund ist nichts, ich seh ihn nicht, Und deine Mitte ist ein Haar. Ich weiß nicht welches der Haare.
[5]  Dein Bild im Auge wundert mich, Ich wasche es mit Thränen stets, Und doch wird's nimmer verwischet.
[6]  Dein Haar schlägt todt, und redet nicht. Wer wagt es wohl mit deinem Haar Noch Widerrede zu führen!
[7]  Vor vielen Tagen kam zu mir Von deinem Lockenschmuck ein Duft, Noch riecht das Herz von demselben.
[8]  Hafis! zerstört ist dein Gemüth - Doch sey es; ward es ja zerstört Vom Duft der Locken des Freundes.
439
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.11-32.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.11
German Translation
[1]  Mein Mond war gestern in dem Traum Zu mir herabgekommen, Zu Ende war's mit seinem Schein Der Trennungsnacht gekommen.
[2]  Wie sag' ich's, denn es kehrt mein Freund Zurück von seinen Reisen, O möchte er doch bald und bald Herein zur Thüre kommen.
[3]  Der Namen meines Schenken sey In löblicher Erinn'rung, Weil er mit Flasche und mit Glas Stets ist zu mir gekommen.
[5]  Wenn Gottes Huld ich mit Gewalt Mit Gold erworben habe, Dann wäre mir der Lebensquell Vielleicht auch zugekommen. Die Seele hätt' ich hingestreut Dem süßen Herzensschmeichler, Wär' er, wie ein verklärter Geist, Zu mir herab gekommen.
[6]  O gern gedenke ich der Zeit, Wo mir von Dach und Thüren Von meinem Freunde bald ein Brief, Bald Kunde ist gekommen.
[7]  Dem Nebenbuhler sag', wo fand'st Du solche Grausamkeiten, Was wirst du thun, wenn eines Nachts Zu dir die Kläger kommen?
[8]  Wer nie den Weg der Liebe gieng Was weiß er von der Liebe? Drum suche einen Liebling, der Gewandt ist, zu bekommen.
[9]  Wer dir mit Herzen hart wie Stein Die wahre Straße weiset, O möchte doch auf seinen Kopf Ein Stein von oben kommen!
[10]  Wenn Andere Hafisens Bild Zu zeichnen sich bestreben, So wird es dann dem Schah gar schön, Und wohlgefällig kommen.
5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.5-1.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.5
German Translation
[1]  Meiner Hand ist das Herz entflohen ihr Herzenbesitzer!Wehe! bey Gott! Weh mir! denn das Geheimniß ist weg!
[4]  Gestern tönte so schön von Wein und Rosen AodiBringet den Morgenwein, o ihr Betrunkenen her!
[5]  Gnädiger Herr! aus schuldigem Dank für blühenden WohlstandFraget doch eines Tags, wie es Derwischen ergeht.
[6]  Ruhe hienieden und dort verbürgen diese zwey Worte:Liebreich begegne dem Freund, Feinden begegne mit Gunst.
[7]  Mir ward Eintritt ins Land des guten Namens versaget.Tadler, gefällt es dir nicht, änd're das ewige Loos.
[8]  Dieser bittere Saft, dem Weisen die Mutter der LasterSchmeckt viel lieblicher mir als ein jungfräulicher Kuß:
[9]  In unfreundlicher Zeit genieß, und freu dich des Rausches!Dieser Alchymiker macht Bettler wie Karun beglückt.
[10]  Sträube dich nicht, sonst wirst du wie Kerzen in Gluthen verflammen,In der Geliebten Hand werden die Steine zu Wachs.
[11]  Schau in das Glas! es ist der Spiegel des griechischen Königs,Alle Plane Daro's wirst du erspähen darinn
[12]  Persische Schönen verleihn mit ihren Worten das Leben,Greisen und Frömmlingen gieb Schenke die Kunde davon!
[13]  Ach nicht mit Willen besudelt Hafis die Kleider mit Weinfleck.Frommer Lehrer verzeih! O du verzeihest es ihm.
200
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.101-10.101
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.101
German Translation
[1]  Begreifst du, was die Leier, was Die Laute dir für Lehren machen? Sie sagen: trinke heimlich Wein! Verdruß wird man dir sonsten machen.
[2]  Sie breiten aus der Liebe Ruhm Die Glorie der Verliebten. Sie fahren fort, so Alt als Jung Mit Schmähungen berühmt zu machen.
[4]  Sie sagen: sprecht und höret nichts Von den Geheimnissen der Liebe. Es ist ein allzu schweres Ding, Wovon sie die Beschreibung machen.
[5]  Ich weilte vor der Freundinn Thür, Mit tausendlei Betrug gelocket, Ich möchte wissen, was sie wohl Darin für einen Rathschlag machen.
[6]  Es geben diese Bettler nur Dem Wirthe Sorg' und Plage, Sie rauben seine Zeit, o sieh! Was sie dann mit dem Alten machen.
[10]  Trink' Wein, denn scheinet dir der Scheih, Der Vogt, und selbst Hafis, der Dichter Auf gutem Weg, so wisse, daß Sie alles mit Verstellung machen.
357
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.49-28.49
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.49
German Translation
[1]  Ich werde in der Magenschenke Das Licht des Herren sehen. O schau' das Wunder! welcher Schimmer, Und wo kann ich ihn sehen? O Herr wer trinkt in dieser Schenke, Wer trinket wohl der Hefen? Denn Flehende sind an der Thüre, Wie am Altar zu sehen. Das Amt der Liebenden, der Trunknen Und süße Schmeicheleien, Dieß alles werde ich durch Eure Gefälligkeit noch sehen.
[2]  O prahle nicht du Fürst der Pilger Zu viel mit deinem Glücke, Du hast den Tempel, ich hingegen Des Tempels Herrn gesehen.
[3]  Ich möchte aus der Schönen Locken Den Moschus gerne ziehen. Doch dieses heißt weit in die Ferne Bis nach Chataja sehen.
[4]  Des Herzens Brand und Thränenströme Und Seufzer bis am Morgen, Dies Alles werde ich durchs Eure Gefälligkeiten sehen.
[5]  Mit jedem Augenblicke stellet Dein Bild sich mir im Wege; Wem kann ich sagen, was im Träume Vergönnt mir ist zu sehen?
[6]  Noch Keiner hat von Moschusblasen, Und von dem Morgenwinde Gesehn, was ich an jedem Morgen Im Stande bin zu sehen. Ein Mittelpunkt im Kreis der Einheit Besteht; nicht mehr nicht minder. Und ohne wie und ohne welches Vermag ichs einzusehen.
[7]  O Freunde tadelt nicht Hafisen, Weil er so liebeäugelt, Ich hab' in Ihm zu allen Zeiten Nur Euren Freund gesehen.