492
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.64-32.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.64
German Translation
[1]  Ich sende einen Gruß, der nach Bekanntschaft duftet, Ich sende ihn an deinen lichten Augenapfel,
[2]  Ich sende einen Gruß wie Herzenslicht der Frommen, Ich send' ihn an das Licht der lautesten Versammlung.
[3]  Ich sehe keinen Freund an seinem wahren Platze, Mein Herz ist blutig ob dem Gram, wo bist du, Schenke?
[4]  O wende dein Gesicht nicht ab vom Gau der Schenken, Es werden dort verkauft die Schlüssel für das Schwere.
[5]  Der Lauf der Welt ist schwer, das muß ich zwar gestehen, Doch treibet sie's zu arg mit ihrer Treue Schwanken.
[6]  Mein Herz hat hohen Muth, es ist sehr schwer verwundet, Es bettelt dennoch nicht um Balsam bei den Harten.
[7]  Wo wird der Wein verkauft, der Fromme niederschmettert? Ich bin in Angst und Qual in dieses Heuchlers Händen.
[8]  Die Freunde haben so den Freundschaftsbund gebrochen, Daß man wohl zweifeln kann, ob sie auch Freunde waren.
[9]  O harte Seele! wenn du mir die Freiheit ließest, Durch betteln würde ich zum Kaiserthum gelangen.
[10]  Den Stein der Weisen selbst, das Glück will ich dich lehren, Das Ganze liegt darin zu flieh'n der Bösen Umgang.
441
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.13-32.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.13
German Translation
[1]  Ey, was wär' es, wenn das Herz Meiner Freundinn freundlich wäre, Meine Lage wär' nicht so, Glaubt mir's wenn sie anders wäre.
[2]  Was, so sprach ich, wären werth Meiner Freundinn Locken, Wenn an jeder Spitze Haars Tausend Eine Seele wäre.
[3]  Was der Werth des Staubes sey, Würde dann erst gänzlich klar seyn, Wenn des Lebens Kapital Ewighin verzinset wäre.
[4]  Wenn die Welt mich werth geschätzt Und in hohen Ehren hielte, Ist's doch sicher, daß mein Thron Ihrer Thüre Schwelle wäre.
[5]  Käm' heraus vom Schleierzelt, Meiner Freundinn, wie die Thränen, O so wüßt' ich, daß sie dann Meiner Augen Fürstinn wäre.
[6]  Wenn der Weg zum Liebeszirkel Nicht der Welt verschlossen wäre, Glaube mir, daß dann Hafis Dennoch stets im Mittel wäre.
398
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.17-29.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.17
German Translation
456
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.28-32.28
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.28
German Translation
[1]  Frühlings ist's! höre mich, sey' nun fröhlich; Rosen blüh'n noch einst, wenn du Rasen bist.
[2]  Soll ich dir sagen, mit wem zu trinken, Da du selber es weißt und weise bist?
[3]  Höre den Rath, den die Leier tönet, Doch er nützet nur, wenn du fähig bist!
[4]  Jegliches Blatt ist ein Buch der Weisheit, Schade, daß du so träg' und sorglos bist!
[5]  Hin ist die Summe des Lebens, Wenn du Tage und Nächte durch verlegen bist.
[6]  Voll von Gefahr ist der Weg zum Freunde, Leicht ist's, wenn du der Posten kundig bist!
[7]  Wenn dich das Glas, o Hafis! begünstigt, Kanns seyn, daß du der Raub des Falken bist!
391
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.10-29.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.10
German Translation
[1]  Was kann wohl schöner als die Trinkgedanken seyn? Ich will nun sehen, was das End' hievon wird seyn,
[2]  Der Gram zerfrißt mein Herz, hinschwindet theure Zeit, Ist einst kein Herz, und keine Zeit, was wird dann seyn?
[3]  Du sag' dem armen Vogel, iß den eignen Gram, Kann bei dem Netzesteller wohl Erbarmung seyn?
[4]  Trink' Wein, nicht Gram, und hör' nicht auf der Künstler Rath, Was für ein Werth kann wohl im Wort des Pöbels seyn?
[5]  Weit besser ist's, du weihest deinem Wunsch den Schmerz. Du weißt, was, wenn den Wunsch du nicht erreichst, wird seyn.
[6]  Es gab der alte Wirth uns gestern Räthsel auf Von Becherschrift. Was wird hievon das Ende seyn?
[7]  Mit Liedern und mit Lauten ward Hafis verführt, Ey was wird wohl der Lohn des bösen Namens seyn!
191
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.92-10.92
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.92
German Translation
[1]  Wer? wer bleibet mir treu, von eigener Milde beweget? Wer wird mir was Gutes erweisen?
[2]  Wer bringt Kunde vom Freund mit Tönen der Trommel und Flöte? Wer bleibt treu beim Becher voll Weines?
[3]  Laßt uns am Freund, der nichts des Guten uns that nicht verzweifeln, Denn vielleicht erweis't er sich gütig.
[4]  Keine Locke, so sprach ich, hab' ich vom Haare gelöset, Dich soll, so sprach sie, kränken die Locke.
[5]  Schwer wird’s Bettlern, wie mir, einen Freund zu besitzen, Giebt sich mit Trunknen der Gasse der Fürst ab?
[6]  Unrecht ist's, wenn ich vom gekräuselten Haar gekränkt bin, Werden Betrüger um Banden sich kümmern?
[7]  Ohne Zahl sind die Heere des Grams, o günstiges Glück hilf! Abdußamed sey der Tröster der Schmerzen.
[8]  Habe Hafis nichts zu thun mit ihren listigen Augen, Ach die finsteren Locken sind trüglich.
11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.11-1.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.11
German Translation
[1]  Schenk! erleucht' mit dem Licht des Weins den Becher,Sänger singe; nun geht's nach unsern Wünschen.
[2]  Ich erblick im Pokal der Wangen Abglanz.Wiß es, der du nichts weißt vom Glück des Trinkens.
[3]  Wessen Zunge die Lieb' beseelet, stirbt nicht.Ewig bleibet mein Ruhm im Weltenbuche.
[4]  Dieser Schmächtigen Reiz gefällt so lang nur,Bis sich meine Cypreß mit Schwanken nahet.
[5]  Ostwind, gehst du vorbei beim Rosenhaine,Gieb doch Kunde von mir dem treuen Freunde.
[7]  Rausch und Trunkenheit ziemt dem Aug des Freundes;Deßhalb raubt mir der Rausch so Zaum als Zügel.
[8]  Ich befürchte, daß nicht am jüngsten TagePriesterbrod und der Wein von gleichem Werth sey.
[9]  O mein Auge verstreu' das Korn der Thränen,Daß sich fange im Netz der Wollust Vogel.
[10]  Du Aetherische Fluth, und du o Mondschiff,Ihr verschwindet zugleich in seiner Großmuth.
134
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.35-10.35
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.35
German Translation
[1]  Eine Nachtigall hat sich mit Herzblut Eine Rose eigen gemacht, Doch der Wind des Neides hat ihr Herz mit Hundert Dornen elend gemacht.
[2]  Sieh', ein Papagey war frohen Herzens Aus Begier nach Zuckergenuß, Gählings hat der Waldstrom des Verderbens All' sein Glück zu Wasser gemacht.
[3]  Meiner Augen Freude war des Herzens Frucht, noch immer denk' ich daran, Ach sie ist so leicht von mir entflohen, Hat das Herz so schwer mir gemacht!
[4]  Karawanenführer, meine Ladung Ist gefallen, hilf mir bey Gott! Denn die Hoffnung nur auf deine Gnaden Hat mich hieher reisen gemacht.
[5]  Du verachte nicht mein Angesicht voll Staubes, mein befeuchtetes Aug' Denn aus diesem Mörtel hat der Himmel Seine Freudenwohnung gemacht.
[6]  Wehe! ob dem Neideraug', mit welchem Auf mich sah vom Himmel der Mond, Hat mein Mond mit seinen Bogenbrauen Sich das Grab zur Stätte gemacht.
[7]  Ach Hafis, die Zeit hast du versäumet, Nun ist alle Möglichkeit hin. Aber was war sonst zu thun! das Spiel des Himmels hat mich sorglos gemacht.
170
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.71-10.71
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.71
German Translation
[1]  Gestern begab sich Hafis in die Schenke, Ohne Besinnung verlangt er das Glas.
[2]  Gestern hat endlich der Rasende, welcher Becher zerschlagen, sich nüchtern getränkt.
[3]  Träumend erblickt er die Göttin der Jugend. Siehe, da ward er als Greis noch verliebt.
[4]  Schnell gieng ein diebisches Knäblein vorüber, Dieses verlangte Hafis ganz allein;
[5]  Gluthen der Rosen verbrennen Bülbüle, Funken des Lichts sind des Schmetterlings Tod.
[6]  Jegliche Thräne verkehrt sich in Perlen; Dank sey's! mein Klagen war doch nicht umsonst.
[7]  Zauberisch scheint die Narziße des Schenken, Zauberei schleicht sich in unseren Kreis.
[8]  Fürsten besuchen Hafisens Gemächer, Während die Seele bei'm Liebling verweilt.
353
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.45-28.45
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.45
German Translation
[1]  Wie kann ich denn Verzicht auf Liebe, Und auf den Schenken thun? Ich that wohl hundertmal schon Buße, Nun will ich nichts mehr thun.
[2]  Den Schatten Tuba's, Edens Garten, Und den Hurispalast Will ich mit meiner Freundinn Wohnung Gar nicht zusammen thun.
[3]  Ein einz'ges Zeichen giebt uns Kunde Von dem Betrachtenden. Einmal sprach ich davon ein Gleichniß, Ich will es immer thun.
[4]  Ich habe keine sichre Kunde Von meinem eignen Kopf, Bis ich im Stand bin in der Schenke Den Kopf empor zu thun. Es sprach zu mir im Spott der Rathsherr Verbothen ist der Wein! Glaubst du, so sprach ich, jedem Esel Soll ich Gefallen thun? Der alte Wirth spricht freilich immer Von Weisheit und Verstand. Entschuldigt bin ich, wenn ich trachte, Unmögliches zu thun.
[5]  Es sprach der Scheich zu mir im Zorne, Ey laß die Liebe steh'n. Ich sprach: zu was denn Zank, o Bruder, Das werde ich nicht thun. Ich bin nun schon genug bescheiden Wenn ich mit Schönen nicht Bei Hochaltären und auf Kanzeln Mich scheue schön zu thun.
[7]  Hafis des alten Wirthes Schwelle Ist ganz dem Glück geweiht. Ich will dieselbe gerne küßen, Und immer dieses thun.
257
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.13-12.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.13
German Translation
[1]  Sag' mir zeigend die Wang':Greife aus dem Gemüthe das Herz,Zu dem Schmetterling sag':Wirf dich statt in die Gluth in's Gemüth.
[2]  Meinem trockenen MundSey ein Tropfe von Wasser gegönnt,Zum erschlagenen MannKomm' und heb' ihn auf von dem Staub.
[3]  Flieh den Bettelnden nicht,Weil er Silber und Gold nicht besitzt;Silber weinet sein Aug'Seine Wangen sind gelb wie das Gold.
[4]  Schlag' die Laute und sing';Zag' nicht wenn es an Aloe fehlt,Lieb' ist Gluth, und das HerzDas Gewürz und das Rauchfaß der Leib.
[5]  Singe, wirf das GewandWeg und lärme mit Jubel und Tanz,Oder flieh' in ein Eck,Mit der Kutte den Kopf eingehüllt.
[6]  Zieh das Ordenskleid aus,Deinen Rebensaft zieh' dafür ein,All dein Silber verspiel',Silberbusen erkauf' für das Gold.
[7]  Günstig sey dir der Freund,Beiden Welten verfeinde dich dann,Günstig sey dir das Glück,Heere mögen dann wider dich ziehn.
[8]  Fliehe nicht so geschwind,Einen Augenblick weile mit mir,An dem Ufer des BachsNimm den Becher mit mir in die Hand.
[9]  Wärst du wirklich entflohn.O dann wäre von flammender GluthMeines Herzens und Aug'sNaß die Brust, und vertrocknet der Mund.
[10]  Bring' Gesellschaft Hafis!Muthig sage zum Prediger dann:Die Versammlung schau' anHurtig steig' von der Kanzel herab.
397
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.16-29.16
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.16
German Translation
[1]  Herein zur Thür! Erleuchte nächtliches Dunkel, Durchwürz' die Luft Des Kreises geistiger Männer.
[2]  Räth dir der Mönch Nicht Liebesspiele zu spielen, Reich' ihm das Glas, Befeucht' damit sein Gehirne. Mit deiner Huld, Mit deiner lieblichen Tugend Heb' wie die Kerz' Empor das Haupt in Gesellschaft.
[3]  Dem Geist das Herz Empfehl' ich Augen und Brauen, O komm', o komm', Und schaue die Aussicht, den Bogen.
[4]  Der Stern der Nacht Der Trennung sendet nicht Strahlen. Steig' auf das Dach, Zünd' an die Leuchte des Mondes.
[5]  Bring' einen Staub Von uns edenisches Lüftchen Ins Paradies Und würz' die Düfte desselben.
[6]  Die Kutte setzt Mich in nicht kleine Verwirrung. Mach' mich zum Mönch Mit einem schmeichelnden Blicke.
[7]  Es weichen dir An Reiz die Schönen der Fluren, Drum sprich mit Huld, Jasminen, Pinien an.
[8]  Der Schenke spricht Viel überflüssige Dinge, Dich kümmr' es nicht, Du füll' den Becher mit Wein an.
[9]  Der Schönheit Schein, Verhüllt das Licht des Verstandes, O komm'! erleucht' Damit die Fackel der Sonne.
[10]  Uns ziemt es nicht, Nach dem Genusse zu geizen, Du weise uns An zuckersüße Rubinen.
[11]  Du küß das Glas Und giebs den Trunkenen über, Mit diesem Wort Durchwürz' den Duft des Verstandes.
[12]  Nachdem du viel Mit Mondgesichtern geliebelt, Präg' deinem Sinn Hafisens Lieder mit Fleiß ein.
80
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.66-4.66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.66
German Translation
[1]  Aufs Paradies o Klausner laß Verzicht uns thun, Wir sind von Anfang her dazu Nicht eingeschrieben.
[2]  Wer Gott zu lieb auf dieser Welt Kein Körnlein pflanzet, Der wird mit keinem Körnlein auch Des Daseyns froh.
[3]  Dir ziemt Moschee und Rosenkranz Gebet und Tugend, Und mir die Schenk' und Glockenton Und Kirch und Kloster.
[4]  Du frommer Mann, o halte mich Nicht ab vom Weine, Es ward mein Staub am Schöpfungstag Mit Wein geknetet.
[5]  Der ist kein Weiser, der verdien't' Nicht himmelsfreuden, Wer in der Schenke nie sein Kleid Für Wein verpfändet.
[6]  Wer seines Freundes Kleidersaum Entschlüpfen lasset, Wird Edenslust, und Engelskuß Nie recht genießen.
[7]  Hafis wenn Gottes Gnade dich Mit Gunst bezeichnet, Scheu du die Hölle nicht, du bist Des Himmels sicher.
68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.54-4.54
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.54
German Translation
[1]  Die Stadt verließ seit einer Woche Mein Mond, mir scheints ein Jahr; Du kennest nicht der Trennung Leiden, Wie schwer sie sind.
[2]  Ich sah von meinen schwarzen Augen Auf ihr den Wiederschein, Und meint', es sey auf ihren Wangen Ein Moschusmaal.
[3]  Es träufelt Milch von ihren Lippen, Süß wie das Zuckerbrod, Doch sind die Wimpern, wenn sie koset, Ein Todespfeil.
[4]  Du, die ob ihrer Seelengüte Mit Fingern zeigt die ganze Stadt, Warum bekümmerst du so wenig Um Freunde dich?
[5]  Ich zweifle nicht mehr, ob es eine Karfunkelperle giebt? Dein Mund beweiset zur Genüge Die Wahrheit mir.
[6]  Du würdest, hieß die frohe Kunde, Bey mir vorübergehn, Verwirf nicht den Entschluß, er ist Ein gutes Loos.
[7]  Wie trägt Hafis? die Felsenbürde Von deinem Trennungsleid, Er, der durch Klagen und durch Weinen Zusammenschwand.
219
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.120-10.120
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.120
German Translation
[1]  Jetzt da auf den Wiesen Rosen Aus dem Nichts in's Daseyn treten, Und die Veilchen sich vor ihnen Zur Anbetung niederwerfen,
[2]  Trink' ein Glas des Morgenweines, Zu dem Ton der Duff und Leyer! Küß' das Kinn des lieben Schenken, Bei dem Ton der Flöt' und Laute.
[3]  In der Zeit der Rosen sitz' nicht Ohne Wein und ohne Schönen. Denn sie gehen schnell vorüber, In dem Zeitraum einer Woche.
[4]  Sieh die Erd' ist wie der Himmel, Durch gestirnte Würzeblumen, Unter gutem Glücksgestirne Klar, und aufgehellet worden.
[5]  Aus der Hand von zarten Schönen, Deren Odem Wunderhauch ist, Trinke Wein und frag' mit nichten, Um Themud's und Aad's Geschichten.
[6]  Lilien und Rosen machen Aus der Welt ein ew'ges Leben, Doch was nütz't es uns, die dennoch Hier nicht ewig bleiben können.
[7]  Weil, wie Salomon, die Rose Auf des Ostens Rücken reitet, Und die Nachtigall des Morgens, Wie einst David, Psalmen singet.
[8]  Weck den Feuerdienst Sarduschten's, In dem Garten auf zum Leben, Jetzt da dorten Nimrods Feuer Tulpen angezündet haben.
[9]  Fodre vollgefüllte Becher, Trinke sie auf die Gesundheit Des Mahmud Amadeddines Rath's von Salomon dem Zweyten.
[10]  Such' Hafis in seinen Tagen Deine Wünsche zu erreichen, Denn der Schatten seiner Milde Reichet bis zur Ewigkeit hin.
4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.4-1.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.4
German Translation
[1]  Sage Morgenwind mit SchmeichelnJener lieblichen Gaselle,Auf die Berge, in die WüstenHat die Liebe mich getrieben.
[2]  Warum frägt der Zuckerhändler(Herr erhalte ihm das Leben)Warum frägt er nicht ums WohlseynSeines Zucker Papageyes?
[3]  Wisse Rose dir geziemt esNicht so stolz zu seyn, auf SchönheitDaß aus Stolz du nach der irrenNachtigall nicht einmal fragest.
[4]  Nur mit guter Art und WeiseWirst du den Geliebten fangen,Denn es gehen kluge VögelNicht ins Netz und in die Schlinge.
[5]  Wer belehrt mich, warum dieseDunkeln Augen, hohe FormenDiese vollen MondsgesichterMir so gar nicht hold seyn wollen!
[6]  Wenn du bey dem Liebchen sitzestWein an seiner Seite trinkest,O erinnre dich der Freunde,Die umher gleich Winden irren.
[7]  Deiner Schönheit fänd' ich wahrlichGar nichts anders auszusetzen,Als daß insgemein die SchönenNichts von Treu' und Liebe wissen. Für den Umgang mit den Freunden,Für die Gunst des Glückes dankbar,Sey auch eingedenk der Fremden,Die durch Heid' und Wüsten streifen.
[8]  Was ists Wunder wenn im Himmel,Durch Hafisens Lied gewecket,Zu dem Lautenspiele Suhre'sDer Messias Reigen tanzet?
109
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.10-10.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.10
German Translation
[1]  Lange hat mir der Freund schon keine Botschaft gesendet, Lange hat er mir Brief, Worte und Gruß nicht gesandt.
[2]  Hundertmal schrieb ich, allein es hat mir der Führer der Reiter Keinen Bothen geschickt, keine Begrüßung gesandt.
[3]  Mir verwildertem Mann von halb verwirrtem Verstande Hat er keinen Mann, Fürsten vergleichbar, gesandt.
[4]  Ha! er wollte, daß mir der Vogel des Herzens entflöhe, Deßhalb hat er kein Netz von seinen Haaren gesandt.
[5]  Weh! es wußte der süße Schenk, ich wäre betrunken, Dennoch hat er mir nie Becher zum Labsal gesandt.
[6]  Und wiewohl er gewohnt, zu prahlen mit Wohlfahrt und Wohlthat, Dennoch hat er mir nirgend her Kunde gesandt.
[7]  Sey bescheiden Hafis, umsonst ist Klagen und Rechten, Wenn der gebietende Schah Dienern das Wort nicht gesandt.
145
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.46-10.46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.46
German Translation
[1]  Ich weiß nicht, was der Rausch sey, Und wer ihn zu mir gebracht, Ich weiß nicht, wer der Schenke, Woher er den Wein gebracht. Welch' eine Wunderweise Ertönet von seinem Griff, Daß mitten in die Lieder Er traulichen Ton gebracht.
[2]  Nimm Wein in deine Hände, Und wandre auf das Feld, Der Vogel süßer Töne Hat neuen Gesang gebracht.
[3]  Beklage nicht, wie Knospen, O Herz! das Verschloßenseyn, Der Morgenwind hat einen Auflösenden Hauch gebracht.
[4]  Der Hyacinth, die Rose Sind glücklich angelangt, Das Veilchen hat Vergnügen, Die Freude Jasminen gebracht.
[5]  Der Ostwind ist der Bothe Der Liebe von Salomon, Er hat ihm Freudenkunde Von Saba's Gefild gebracht.
[6]  Des Schenkes Schmeichelei ist Des Kränkelnden Herzarzney. Erheb' den Kopf, der Arzt hat Die Mittel der Heilung gebracht.
[7]  Ich bin des Wirthes Jünger, Erzürne dich nicht. O Scheih, Warum hast du's versprochen, Und er es zu Stand gebracht.
[8]  Ich will dem engen Auge Des Türken ein Opfer seyn, Der mich halbnackten Derwisch Auf's Schlachtfeld hinausgeführt.
[9]  Der Himmel ist mit Willen Hafisens getreuer Knecht, Seit unter deinen Fittig Sein Schicksal er hat gebracht.
62
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.48-4.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.48
German Translation
[1]  Sey mir gegrüßt der Wünscher Bothe, Gieb uns Kunde der Freundinn, Daß auch ich die Seele opfern möge Für den Namen der Freundinn.
[2]  Närrisch und irr wie die Nachtigallen Hascht des trunkenen Sinnes, Papagey im Bauer gierig Nach dem Zucker der Freundinn.
[3]  Netze sind ihre Locken, und ihr Schwarzes Maal ist ein Körnlein; Sehnsuchtsvoll nach dem Körnlein fiel ich In die Netze der Freundinn.
[4]  Bis an den jüngsten Tag wird jener Nicht die Trunkenheit lassen, Der so wie ich am Tag des Looses Trank vom Becher der Freundinn.
[5]  Ihren Genuß verlang ich sehnlichst, Ihr Verlangen ist Trennung, Gerne vergeß ich meine Wünsche, Wird vergnüget die Freundinn.
[6]  Meinem Gesichte will ich schwarzen Staub auflegen statt Schminke, Wenn mir ein gutes Glück den Staub bringt Von der Schwelle der Freundinn.
[7]  Meine Begierde hab ich weiter Nicht erläutert der Freundinn, Denn die Erklärung, ach! ich fürcht' es Wäre beschwerlich der Freundinn.
[8]  Feuer des Grams verzehrt Hafisen Ohne Rettung. Erduld' es! Nimmer gewährt verliebten Herzen Ruh' die Unruh' der Freundinn.
106
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.7-10.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.7
German Translation
[1]  Nie dein Leib des Arzt's bedürftig sey! Allem Uebel fremd er sey!
[2]  Heil der Erde liegt in deinem Heil, Nie ein Fußfall dir beschwerlich sey!
[3]  Auf Gesundheit ruhet Schönheit, Reiz; Sie bei dir von auß', von innen sey!
[4]  Kömmt der Ost zu plündern auf die Flur, Vor den Cedern fern sein Stürmen sey!
[5]  Dort, wo deiner Schönheit Anmuth spielt, Böser Neid und Spott unmöglich sey!
[6]  Wer dein Mondgesicht mit bösem Aug' Schaut, der Gluth des Grams geopfert sey!
[7]  Zuckerwort Hafisens ist Arzney, Kandel und Julep nicht nöthig sey!