175
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.76-10.76
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.76
German Translation
[1]  Dem alten Wirthe Glück zu wünschen, Ist der Ostwind gekommen, Es ist die Zeit der Lust und Freude, Und der Liebe gekommen.
[2]  Zum Heiland ist die Luft geworden, Moschus spendet die Erde. Der Vogelsang, das Grün der Bäume, Sind mitsammen gekommen.
[3]  Der Ost hat den Kamin der Tulpen Durch sein Wehen entflammet, Deßwegen ist der Schweiß auf Knospen, Glut auf Rosen gekommen.
[4]  Hör' meinen Rath mit klugem Ohre, Pflege der Liebe mit Sorgfalt, Denn das Wort ist vom Verborgnen, Heute Morgen gekommen.
[5]  O laße die Zerstreuung fahren, Bleibe beßer versammelt, Denn als der Diw davon gegangen, Ist der Engel gekommen. Soll ich ein holdes Wort dir sagen, Bring' geläuterten Wein her, Der Heuchler ist davon gegangen, Und der Schenk ist gekommen.
[6]  Ich weiß nicht, was die Lilie hat gehört, Von dem Sänger des Morgens, Daß sie begabt mit zehen Zungen Schweigend her ist gekommen.
[7]  Ist es erlaubt den Ungeweihten, Unsern Kreis zu besuchen, So decke zu, deck' zu den Becher, Heuchler sind nun gekommen.
[8]  Es geht Hafis heraus vom Kloster, Weh! er geht zur Schenke, Vielleicht ist er vom frommen Rausche Zum Verstande gekommen.
351
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.43-28.43
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.43
German Translation
[1]  Gott bewahr! zur Zeit der Rosen, Auf den Wein Verzicht zu thun. Ich der mit Verstande prahle, Wie vermöcht' ich dies zu thun?
[2]  Ha! wo ist der Sänger! alle Tugend und Bescheidenheit Will ich bei dem Ton der Flöte Und des Saitenspiels verthun.
[5]  Mich erschrecken nicht die Sünden, Denn am Tage des Gerichts Wird man durch die Huld des Herrn Sünden aus dem Buch austhun.
[6]  Ha! wo ist der Both' des Morgens, Denn die Klagen dieser Nacht Soll er jenem Freund des Glückes Meinerseits zu wissen thun. Einstens ward der Staub des Körpers Abgeknetet mit dem Wein, Sagt, was fodert Ihr, ihr Tadler, Kann darauf Verzicht ich thun.
[7]  Diese mir gelieh'ne Seele, Die ich von dem Freund erhielt, Will sobald ich ihn nur sehe, Ich sogleich beiseite thun.
418
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.3-31.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.3
German Translation
[1]  Und regnet es Schwerter im Gau des Monds, So halte ich immer den Nacken hin.
[2]  Wir wissen nicht minder, was Sitte ist, Doch was ist mit bösem Gestirn zu thun!
[3]  Die Alten und Pred'ger versteh'n wir nicht, Den Becher und kurze Geschichten wohl.
[4]  Verliebt und betrunken nun Reue thun, Der Himmel bewahre, bewahre mich!
[5]  Von deinem Gesichte her schien kein Glanz, Ach Spiegelgesicht du bist zart und hell!
[6]  Das Dulden ist bitter, das Leben kurz, O fänd ich ein Mittel, zu ihr zu geh'n!
[7]  Was weinst du, Hafis, wenn du Liebe suchst? Muß es dir gefallen zu trinken Blut.
318
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.10-28.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.10
German Translation
[1]  Wenn du hinaus auf Felder geh'st,Hinaus in's Grüne wandelst,So strömet meine blut'ge Thrän'Herab die gelben Wangen.
[2]  Du schauest mich und alsogleichVermehrest du mein Leiden;Ich schaue Dich und alsogleichVermehrt sich meine Liebe.
[3]  Ich weiß nicht, was im Sinn du führst,Du fragst nicht, wie's mir gehe;Du eilest nicht, mir beizustehn,Weißt du nicht, daß ich kränkle?
[4]  Du wirfst mich in den Staub, und gehstVorüber, ist dies billig?O komm, und frage, wie's mir geht,Ich will dein Wegstaub werden.
[5]  Ich zieh' die Hand von deinem StaubNicht ab, bis daß ich Staub bin,Wenn du mein Grab vorübergehst,Flieg' ich dem Saum als Staub an.
[6]  Im Gram um deine Liebe giengHinab zum Grund die Seele,Du rächest dich, du sagest nichtNun ruhe aus ein wenig.
[7]  Ich suchte bei der dunkeln NachtMein Herz in deinen Locken,Da sah ich deiner Wangen Mond,Und trank aus rothen Lippen.
[8]  Ich zog dich her an meine Brust,Da kräusten sich die Haare,Ich legte Lippen auf den Mund,Aufopfernd Herz und Seele.
167
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.68-10.68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.68
German Translation
[1]  Es ist ein Stern vom Himmel gefallen, Und ist zum Mond des Kreises geworden, Er ist zum Freund, und zum Vertrauten Von meinem scheuen Herzen geworden.
[2]  Mein Liebchen hat nie Schulen besuchet, Mein Liebchen hat nie schreiben gelernet, Und doch ist es durchs Winken der Augen Ein grundgelehrter Meister geworden.
[3]  Durch den Geruch des Herzens erkrankten Dem Morgenwinde gleich die Verliebten, Sie sind den Hyacinthen ein Opfer, Ein Opfer den Narzißen geworden.
[4]  O seht, wohin die Freundinn mich setzet, Sie setzt mich auf die Stelle der Ehren, Und so ist nun der Bettler der Straßen Zum Fürsten unsres Kreises geworden.
[5]  Er bildete sich viel von dem Quelle Des Lebens ein, vom Becher Keichorews, Er ist begierig nach dem Getränke Des Schahs, des Herrn der Reiter geworden.
[6]  Erfreuet euch! der Freude Palläste, Sie werden nun von neuem erbaut, Seitdem die Bogenbrauen des Freunds Zu Meistern sind im Bauen geworden.
[7]  O reinige von Tropfen des Weins Um Gottes willen Lippen und Hände, Von tausend Sünden, tausend Gebrechen Ist mein Gemüth verwirrt geworden.
[8]  Du reichtest mit Liebkosung Verliebten So einen Wundernektar zu trinken, Daß alle Kenntniß verlohren gegangen, Daß der Verstand ist sinnlos geworden.
[9]  Ja freylich werden alle Gesänge Hafisens gleich dem Golde geschätzet. Denn durch die Gunst des Herren des Glückes Sind sie zum Stein der Weisen geworden.
[10]  Freunde, Freude lenkt den Zügel Vom Weg ab, der zu Schenken euch führet, Hafis, der diese Straße gegangen, Ist bankerott auf selber geworden.
334
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.26-28.26
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.26
German Translation
[1]  Wenn ich zur Spitze der Locken gelangte, Schlug' ich viel Köpfe als Schlägel davon.
[2]  Wohl wird durch Locken das Leben verlängert, Aber noch ward mir kein Härchen davon,
[3]  Kerze, o gieb mir des Schmetterlings Ruhe, Denn ich zerschmelze vor dir wie das Wachs.
[4]  Wenn ich wie Flaschen die Seele verlache Wünsch' ich, daß Trunk'ne leben für mich.
[5]  Weil mein Gebet nicht befreyt ist von Mackeln, Hör' ich nicht auf in den Schenken zu fleh'n,
[6]  Wenn ich in Schenken, in Tempeln dich sehe, Mach' ich die Brauen zum hohen Altar.
[7]  Wenn dein Gesicht mein Gemach einst erleuchtet, Heb ich den Kopf wie der Morgen empor.
[8]  Endlich gelingt es mir doch wie Mahmuden Wenn ich verliere den Kopf für Ajas.
[9]  Könnte Hafis sein Geheimniß vertrauen, Da zum Vertrauten das Glas Er nur hat?
244
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.145-10.145
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.145
German Translation
[1]  Freunde, öffnet einen Knoten Von den Locken der Geliebten, Schön ist die Nacht, verlängert sie Mit den schwarzen Locken.
[2]  Dies ist trauliche Gesellschaft, Alle Freunde sind versammelt, Leset die Zauberformeln ab, Les't mit hoher Stimme.
[3]  Lauten und Schalmeien tönen Hoch, sie schrey'n mit lauter Stimme: Neiget das Ohr von dem Verstande Zu den Eingeweihten.
[4]  Bei des Freundes Seele schwör' ich Nie wird euch der Schmerz erscheinen, Wenn ihr nur auf die Huld des Herrn Noch Vertrauen habet.
[5]  Welch ein Unterschied ist zwischen Dem Verliebten und Geliebten, Koset mit dir die Freundinn, mußt Du dich flehend nahen.
[6]  Von dem Rath des Vielerfahr'nen, Ist der erste Buchstab dieser: Hüte vor einem Liebchen dich, Das nicht deines Stands ist."
[7]  Ueber Jeden, der im Hause Nicht lebendig ist von Liebe, Betet nach meinem Kirchenbuche Sterb- und Grabgebete.
[8]  Wenn Hafis einst eine Gnade Von Euch frey begehren sollte, Weiset die Gnad', ich bitt' euch, An des Freundes Lippen.
118
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.19-10.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.19
German Translation
[1]  Wer in der Hand den Becher hat, Ist's, der das Reich Dschemschidens hat.
[2]  Der Quell der Chisern Leben schenkt, Such' in der Schenk', das Glas ihn hat.
[3]  Der Seele Leitseil gieb dem Glas, Weil dieses Kraft zu leiten hat.
[4]  Mir Wein, dem Mönch Enthaltsamkeit! Wozu der Freund Verlangen hat?
[5]  O Schenke, außer deinem Mund Kein Mensch den Wunsch befriedigt hat.
[6]  Die Schmeicheleien die Narziß' Vom trunknen Aug' gelernet hat.
[7]  Das Haar, die Wang' sind ein Gebet, Das stets mein Herz im Munde hat.
[8]  Für wunde Busen dein Rubin Das Salz darauf zu streuen hat.
[9]  Zweihunder Sklaven, wie Hafis, Der Brunn des Kinns gefangen hat.
64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.50-4.50
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.50
German Translation
[1]  Es ist zwar unverschämt, mit Tugenden Sich vor dem Freunde zu prahlen, O Zunge schweig! Wiewohl du von Reinem Arabischen strömst.
[2]  Des Angesichts Peri hat sich verstecket, Aber der Dive des Auges Hat mit des Staunens Flammen mich verbrannt. Ey wie das wunderbar ist!
[3]  Fürwahr! Noch keiner brach auf dieser Flur Ohne die Dornen die Rose, Und in die Lampen des Propheten sprühen Die Funken des Ebileheb.
[4]  Du frage nicht, warum des Himmels Kreis Niedrige Seelen begünstigt? Gerade Mangel des Verdienstes ist Ihm der genügende Grund.
[5]  Ich kauf nicht um ein halbes Gerstenkorn Kloster und Stiftsgebäu, Der Schenke Bank ist meines Dom's Gewölb, Meine Behausung das Glas.
[6]  In unsrem Augenlichte glänzet hell Tochter der Rebe! Dein Reiz Bald hüllt des Glases Schleierkleid, Bald Beerengewebe dich ein. Wenn du für deinen Gram ein Mittel suchst, Such', was die Herzen erfreuet. Du findest es in Flaschen voll Wein, Und in sinesischen Glas.
[8]  Mein Meister! War ich eh' nicht an Verstand, Nicht eh' an Tugenden reich? Jetzt aber, da ich ganz betrunken bin, Lieb' ich den Mangel von Schaam.
[9]  Den Wein bring her! Denn dieses Eine ist, Welches Hafis sich erflehet, Wenn er des Morgens lange Klage weinet, Wenn er um Mitternacht fleht.
340
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.32-28.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.32
German Translation
[1]  Ich gähre zwar von Herzensgluth, Wie eine Tonne Wein, Daß ich versiegele den Mund, Trink' Wein und schweige still.
[2]  Der Seele Vorsatz ist der Wunsch Nach meiner Freundin Mund, O sieh, wie meine Seele sich Zu diesem Zweck bemühet.
[3]  Wie soll ich mich befreyen denn Von Herzensleid und Gram, Wenn mich mit jedem Augenblick Das Haar in Fesseln legt.
[4]  Bewahre Gott! daß ich vertrau' Auf eigenes Verdienst, Ich weiß nur, daß ich leere aus Von Zeit zu Zeit ein Glas.
[5]  Ich hoffe, daß zum Trotz des Feinds Am Tage des Gerichts Der Herr aus Huld die Sündenlast Nicht auf mich legen wird.
[6]  Mein Vater hat das Paradies Zwey Körner werth geschätzt, Man schelte nicht daher, wenn ich Um eines es verspiel.
[7]  Ich trage nicht mein Ordenskleid Aus bloßem frommen Sinn, Ich trage es vielmehr darum, Weil Fehler es verbirgt.
[8]  Ich, der vom reinsten Rebensaft Nur trinkt, was soll ich thun? Was thun? wenn ich dem Wirthe nicht Zu folgen Willens bin.
[9]  Wenn unser Sänger solch ein Lied Zu seiner Weise wählt, Wenn er Hafisens Lieder singt, So komm ich ausser mir.
177
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.78-10.78
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.78
German Translation
[1]  Nicht Jeder, der sein Antlitz schminkt, Deßhalb von Schönheit weiß. Nicht Jeder, welcher Spiegel macht, Von Alexandern weiß.
[2]  Nicht Jeder, welcher auf dem Haupt Gesenkt die Kappen trägt, Der Herrschaft Sitte und Gebrauch Vollkommen kennt und weiß.
[3]  Wie Bettler diene nicht dem Freund, Um einen festgesetzten Lohn, Indem der Freund die Dienerschaft Schon zu ernähren weiß. Versenkt in meiner Augen Fluth, Wo find' ich Hülfe nun! Indem nicht Jedermann durch's Meer Sich fortzutreiben weiß.
[4]  Ich bin der Sklav des Trunkenbolds, Der alles Heil verbrennt, Der aus dem Bettlerstaube Gold Durch Kunst zu machen weiß.
[5]  Hast Wort und Treue du gelernt, So beßer ist's für dich. Wenn nicht, ist's recht, weil Jedermann Das Unrecht kennt und weiß,
[6]  Mein närrisches verwirrtes Herz, Hab' ich jetzt ausgespielt, Und weiß nun, daß ein Menschenkind Perien Zauber weiß.
[7]  Hierinn sind Dinge tausendlei Ein jedes feiner als ein Haar, Nicht Jeder, der das Haar sich scheert, Der Kalendere Sitten weiß.
[8]  Es drehet sich mein schwarzes Aug' Blos um dein schwarzes Maal, Indem den Werth des Edelsteins Der Edelstein nur weiß.
[9]  Der Schah erobert eine Welt, Durch Wuchs und Angesicht, Wenn er nur die Gerechtigkeit Auch zu vollziehen weiß.
[10]  Hafisens Lied kennt Jedermann, Wer liebliche Natur besitzt, Und wer ein Wort von dem Deri Noch vorzusagen weiß.
99
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:9.1-9.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:9.1
German Translation
[1]  Mein Herz verlangt nach dem Gesicht Farruch's,Es ist verwirret wie das Haar Farruch's,
[2]  Ich nehme aus sein Hindufarbes Haar,Sonst Niemand naht sich dem Gesicht Farruch's,
[3]  O dreymal glücklich ist er, dieser Schwarze,Er, der Begleiter und Gefährt' Farruch's,
[4]  Wie Weiden zittert die Cypreß' im Garten,Sobald sie sieht den hohen Wuchs Farruch's
[5]  Gieb mir den safranfarben Wein, o Schenke,Zum Angedenken der Narziß' Farruch's.
[6]  Aus Gram hat sich mein Leib gekrümmt zum Bogen,Zum Bogen wie die Augenbraun' Farruch's,
[7]  Den Moschushauch vom Tartarland beschämet,Der Hauch des Ambradufts vom Haar Farruch's.
[8]  Wenn jedes Herz sich neigt nach einer Seite,So neiget meines sich ganz zu Farruch.
[9]  Ich diene gern dem hohen Geist von Jenem,Der wie Hafis sich nennt ein Sklav Farruch's.
256
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.12-12.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.12
German Translation
[1]  Sagt ich nicht o Herz! vor den Locken hüt' dich,Denn es werden Winde drinnen gefesselt.
[2]  Einen Rath will ich dir ertheilen, hör' michKeine Ausflucht, was dir der Freund sagt, thue.
[3]  Mache zum Gewinn den Genuß der Schönen;Denn das Schicksal lauert im Hinterhalte.
[4]  Erd' und Himmel gilt bei Verliebten wenig;Denn der Preis ist groß und die Waare winzig.
[5]  Einen Trauten wünsch' ich und eine Flöte,Daß ich beiden meine Gefühle klage.
[6]  Nimmer Wein zu trinken entschlossen bin ich,Wenn nur auch das Loos den Entschluß begünstigt
[7]  Da das Schicksal uns nicht um Rath gefragt hat,Will ich, wenn es mir nicht behagt, nicht schmälen.
[8]  Gieß' mir Moschuswein in den Becher Schenke!Daß aus meinem Innern dein Maal nicht schwinde.
[9]  Bring' des Wein's Rubin, des Sorbets Perlen,Sag' zum Neid: betrachte die Großmuth, sterbe!
[10]  Reuig setzt ich oft den Becher nieder;Doch der Schenke hört nicht auf zu schmeicheln.
[11]  Wein von zwey und Mädchen von vierzehn JahrenSind mein Umgang, Alte und Junge sprech' ich.
[12]  Wer vermag zu halten mein Herz! nun so schreyt denn:Aufgeschaut! ein Rasender ist entlaufen. Wer vergleicht meinen Gedichten Selman'sVerse? Sie besingen Soheir's Lieder.
121
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.22-10.22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.22
German Translation
[1]  Es ist gewiß, wer den Sinn Im Freund versammelt hat, Das gute Glück zur Folgemagd Und zur Gefährtinn hat.
[2]  Weit höher ist, als der Verstand, Der Liebe Kabinet, Die Thüre küßt nur, wer die Seel In seinem Aermel hat.
[3]  Es ist der Mund des Freund's vielleicht Das Siegel Salomons, Das unter des Rubinens Macht Die Welt zu Diensten hat.
[4]  Mein Freund hat einen Moschusflaum, Und Lippen wie die Gluth, Ich will dem Schönen schmeicheln fein, Der dies und jenes hat.
[5]  Wohlhabender, die Armen schau' Nicht mit Verachtung an; Indem der Ehren erster Platz Viel arme Sitzer hat.
[6]  Weil du noch auf der Erde bist, Benütz' Gelegenheit, Indem das Grab unendlich viel Unnützer Zeiten hat.
[7]  Es schirmt von Uebeln Seel' und Leib Der Armen Herzgebet, Indeß, wer sich vor Armen schämt, Kein gutes Ende hat.
[8]  O sprich von meiner Liebe doch Zum Schah der Schönen Ost! Zu ihm, der Keichosrew, Dschemschid Zu seinen Dienern hat.
[9]  Sagt er, ich will nicht, daß in mich Hafis verliebet sey, So sage, daß die Bettler selbst Der Fürst zu Freunden hat.
434
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.6-32.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.6
German Translation
[1]  O Lieb' und trinke stets mein Herz! Dann ist dir Seyn und Nichtseyn gleich.
[2]  Siehst du die Frommen, schau' auf dich, Denn Selbstsucht ist das Böseste.
[3]  Freue dich mit deiner Schwäche Wie der Ostwind erfreue dich, Denn die Krankheit ist hienieden Besser als die Gesundheit.
[4]  Die Kälte zeigt von wenig Treu, Der Rausch ist listig und gewandt,
[5]  Du bist unwissend wenn du prahlst, O glaube, liebe dich nicht selbst.
[6]  An den Himmel denke immer In dem Kreis der Geliebten, Denn du fällst vom Glückesgipfel Sonst hinab in Verachtung.
[7]  Zwar verletzen mich diese Dornen, Dennoch verlang' ich Rosen, Bitterkeit des Weins ist lieblich In der Süße des Rausches.
[8]  Mönche trinken aus dem Becher Und Hafis aus den Flaschen, O ihr kurzen Aermel, wann, wann Werden kürzer die Hände.
92
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.78-4.78
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.78
German Translation
[1]  Mein Fürst, schön gehest du einher, Zu deinen Füßen will ich sterben, Mein Türke, schön bewegst du dich, Vor deinem Wuchse will ich sterben.
[2]  Du sprichst: wann stirbst du denn vor mir? Was willst du denn mit solcher Eile? Sobald beschlossen ist mein Tod, Werd' nach Beschluß vor dir ich sterben.
[3]  Betrunken bin ich und verliebt, Wo ist der Abgott, wo der Schenke? O sag' ihm doch: Er schwanke her, Denn ihm zu Liebe will ich sterben.
[4]  Ihm, der seit langen Jahren her, Durch Flucht und Trennung mich gekränket. Ihm sage: schenk' mir einen Blick, Vor deinem Auge will ich sterben.
[5]  Es sagte deines Munds Rubin: Bald geb' ich Schmerz, bald wieder Heilung. Ich sprach: ich sterb' von deinem Schmerz Von deiner Heilung werd' ich sterben.
[6]  Dich wiegend gehst du schön einher, Entfernet sey das böse Auge, Ich nähr' im Kopf die Fantasie, Zu deinen Füßen einst zu sterben.
[7]  Wenn auch kein Ort Hafisen bleibt, Zu deinem himmlischen Genuße, Ein jeder Ort von dir ist schön, An jedem Orte will ich sterben.
265
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.8-13.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.8
German Translation
[1]  Nach den Lippen bleibt mein WunschUnerfüllt noch immer,Harrend deinem GlasrubinTrink' ich Gram noch immer.
[2]  An dem Tag des Looses stahlMir dein Haar den Glauben,Ach! ich harre auf das EndDieser List noch immer.
[3]  Schenke gib den Hefen mirDieses Feuerwassers.Denn in der gekochten KreisBin ich roh noch immer.
[4]  Ich verglich dein Haar bei NachtEinstens mit dem MoschusJedes Haar sticht mich dafürWie ein Schwert noch immer.
[5]  Deinen Schimmer sah bei mirEines Tags die Sonne,Seitdem geht dem Schatten gleichVon der Thür sie nimmer.
[6]  Eines Tags entfiel dem FreundUngefähr mein Name,Seht mein Name haucht seitdemSeelenduft noch immer.
[7]  Vom Rubin der Lippen trankIch am Tag' des Looses,Von dem Hefen dieses TrunksTaumle ich noch immer.
[8]  Gieb die Seele, sprachst du mirDaß du ruhig seyest,Sieh' ich gab sie ab dem SchmerzRuhe fehlt noch immer.
[9]  Seit Hafisens Feder schriebVom Rubin der Lippen,Träuft des ewgen LebensquellAus der Feder immer.
184
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.85-10.85
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.85
German Translation
[1]  Gestern sah ich, daß Engeln In der Schenke saßen, Adamslehmen zerrührten, Und in Becher goßen.
[2]  Die Besitzer der höchsten Reinigkeit und Herrschaft Haben mit mir Betrunknen, Becher angestoßen.
[3]  Nicht zu tragen vermochten Himmeln Last der Liebe Deßhalb wurde dies Loos mir Närrischen gegeben.
[4]  Du verzeihe dem Streite, Zwey und siebzig Sekten, Weil sie Wahrheit nicht kannten, Fielen in den Irrthum.
[5]  Gott sey Dank, daß nun Friede Zwischen mir und ihr ist! Tanzend haben Huris Wein des Dankes getrunken. Soll ich mich nicht verirren, Hundert tausendmale! Durch ein einziges Körnlein Ward einst Adam irre.
[6]  Was von Kerzen uns lachet, Ist nicht wahres Feuer, Wahres Feuer ist jenes, Das verzehrt die Mücke. Liebe machet die Herzen, Winkelsitzern blutig, Wie das Maal, das die Wangen Der Geliebten zieret.
[7]  Keiner hat noch Gedanken Wie Hafis entschleiert, Seit die Locken der Wortbraut Sind gekräuselt worden.
432
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.4-32.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.4
German Translation
[1]  Schenke betrunken vom Glase der Liebe Reiche den Wein! Fülle den Becher, denn traurig ist ohne Wein das Gelag.
[2]  Sieh'! wie der Mond sind die Wangen des Liebsten Schleier verhüllt; Spiele mir Sänger eins auf, und du Schenke Reiche den Wein!
[3]  Lege den Ring des gebogenen Körpers Dir um den Hals, Keine Erlösung sonst seh' ich von diesem Bitteren Schmerz.
[4]  In der Erwartung von deinem Gesichte Schwindet der Tag, Und die Gebilde des Traums sind von deinem Hochgenuß voll.
[5]  Ach! ich bin trunken von jenen zwei Augen, Wo ist das Glas? Ach! und ich kränkle ob jenen Rubinen, Wo ist der Schlaf?
[6]  Sag' mir, Hafis, wie du magst dem Geliebten Weihen das Herz. Ward je ein Durst'ger in Wüsten vom Schein des Wassers gelabt.
141
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.42-10.42
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.42
German Translation
[1]  Hast du gesehen mein Herz, was der Gram der Liebe gethan hat, Wie die Huldinn entfloh, was Sie dem Treuen gethan,
[2]  Schau das seltene Spiel, was die Zaubernarziße gespielt hat, Ach der Trunkene! schau, was er dem Weisen gethan.
[3]  Liebe, gefärbt sind meine Thränen durch Härte des Freundes, Schau, was unfreundlich das Loos mir zum Verdruße gethan.
[4]  Morgens strahlte ein Blitz herüber von Leila's Wohnung, Ach! im Hause Medschnun's hat er viel Unheil gethan!
[5]  Schenke, gieb mir den Becher mit Wein, denn keiner ergründet, Was der Schöpfer der Welt Wunder in Zirkeln gethan,
[6]  Keiner weiß, was Er, der Maler des sternichten Himmels, Vom Geheimniß bedeckt, hinter dem Schleier gethan.
[7]  Liebesgedanken und Sinn hat das Herz Hafisens entflammet, Seht, was der alte Freund seinem Geliebten gethan.