443
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.15-32.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.15
German Translation
[1]  Wenn im Rosenbeete du Cedern ähnlich schwankest, Fressen Rosen alsogleich Eifersüchtig Dornen.
[2]  Jedes Ringel deines Haars Ist voll List und Truges, Deiner Augen Zauberei Machet nichts als Kranke.
[3]  Trunknes Auge meines Freund's Schlaf' nicht wie mein Glück ein, Ach und Wehe hält dich rings Wach' von allen Seiten.
[4]  Meiner Seele Münze streu' Ich im Staub' des Weg's hin, Aber diese baare Münz' Zahlet deinen Werth nicht.
[5]  Wandle nicht, mein Herz, den Weg Von den Lockensklaven, Wenn du blind den Weg verfolgst, Wie wird's dir gelingen!
[6]  Hingegeben ist mein Haupt, Ungethan die Hauptsach', Fortgeflohen ist mein Herz, Und kein Herz ergriff ich.
[7]  Einem Punkte bist du gleich, Sprach ich in dem Kreise, Lächelnd sprach sie, du Hafis Gleichest einem Kreise.
376
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.68-28.68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.68
German Translation
[1]  Freunde die Tage der Rosen sind da, Besser ist's sich zu erfreuen. Höret so spricht der erfahrne Wirth, Höret mit Seele die Worte:
[2]  Keiner erbarmet Anderer sich, Zeiten der Freude verstreichen, Wahrlich ich kenne nicht besseren Roth, Kaufet Euch Wein für den Teppich.
[4]  Höret! der Himmel was orgelt er auf? Stiehlt er nicht ehrlichen Leuten? Sollen wir dieses mit Schweigen ansehn, Sollen hierob wir nicht schreyen?
[5]  Sehet! die Rose wie ist sie entflammt, Wein ist uns nöthig zum Löschen. Deßhalb entbrennen wir selber vor Lust, Flammen empor vor Begierde.
[6]  Denn im Gedanken nur trinken wir Wein, Schlürfen denselben aus Tulpen; Ferne die Neider! denn ohne den Wein, Ohne den Sänger behagt Nichts.
[7]  Welchem Vertrauten erzählst du Hafis, Dieses erstaunliche Wunder, Daß du wahrhaftig die Nachtigall bist, Schweigend in Tagen der Rosen.
153
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.54-10.54
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.54
German Translation
[1]  Morgens als die Fahne der Sonne Aufgesteckt war auf den Bergen, Sieh da kam der Liebling des Herzens Aus Erbarmung an die Thüre.
[2]  Weil der Morgen deutlich erblickte, Was da sey des Glückes Liebe, Fieng er an im Ernste zu lachen Ueber jene, die d'rauf stolz sind.
[3]  Gestern als mein Schöner zum Tanze Aufgestanden war im Kreise, Löst' er auf die Bande der Locken, Warf dieselben auf die Freunde,
[4]  Als sein Wein ergründendes Auge, Die Vernünftigen zu rufen, Wusch ich über Frieden und Ruhe In dem Herzensblut die Hände.
[5]  Saget, welches eiserne Herz hat Diese List ihn wohl gelehret, Daß er so vor allem beginn't Nachtdurchwacher auszurauben?
[6]  Einen Reiter sah ich im Traume, Armes Herz! du war'st verloren, Herr, bewahr's vor allen Gefahren, Mitten unter Reiter fiel es.
[7]  Für den Glanz von seinem Gesichte, Wurden Blut und Geist geopfert, Doch erfüllt er einmal die Wünsche, Danken es ihm die Entseelten.
[8]  Ha! wie soll ich denn mit der Kutte Eine Locke Haar's erobern, Deren einz'le Härchen auf Straßen Tapfre Männer ganz ausrauben.
[10]  Seit der Stunde, da er das Weinglas Nahm zuerst in seine Hände, Gab die Zeit den Becher der Freude Allen Trinkern in die Hände.
[11]  Von dem Goldverspendenden Schwerte, Strahlte Sieg an jenem Tage, Als Er, wie die Sonne der Sterne, Tausende allein geschlagen.
[12]  Seines Lebens, seiner Regierung Dauer fleh', o Herz! vom Herren, Denn die Münze ward von dem Loose Nach dem Laufe der Zeit geschlagen.
[13]  Meines Muthes Loos ist gebunden An des Schahes Glück und Segen, Sey vergnügt Hafis, denn die Losung Ist auf's Beste ausgefallen.
439
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.11-32.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.11
German Translation
[1]  Mein Mond war gestern in dem Traum Zu mir herabgekommen, Zu Ende war's mit seinem Schein Der Trennungsnacht gekommen.
[2]  Wie sag' ich's, denn es kehrt mein Freund Zurück von seinen Reisen, O möchte er doch bald und bald Herein zur Thüre kommen.
[3]  Der Namen meines Schenken sey In löblicher Erinn'rung, Weil er mit Flasche und mit Glas Stets ist zu mir gekommen.
[5]  Wenn Gottes Huld ich mit Gewalt Mit Gold erworben habe, Dann wäre mir der Lebensquell Vielleicht auch zugekommen. Die Seele hätt' ich hingestreut Dem süßen Herzensschmeichler, Wär' er, wie ein verklärter Geist, Zu mir herab gekommen.
[6]  O gern gedenke ich der Zeit, Wo mir von Dach und Thüren Von meinem Freunde bald ein Brief, Bald Kunde ist gekommen.
[7]  Dem Nebenbuhler sag', wo fand'st Du solche Grausamkeiten, Was wirst du thun, wenn eines Nachts Zu dir die Kläger kommen?
[8]  Wer nie den Weg der Liebe gieng Was weiß er von der Liebe? Drum suche einen Liebling, der Gewandt ist, zu bekommen.
[9]  Wer dir mit Herzen hart wie Stein Die wahre Straße weiset, O möchte doch auf seinen Kopf Ein Stein von oben kommen!
[10]  Wenn Andere Hafisens Bild Zu zeichnen sich bestreben, So wird es dann dem Schah gar schön, Und wohlgefällig kommen.
465
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.37-32.37
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.37
German Translation
[1]  Frühe gieng ich in Garten hinaus, um Rosen zu pflücken, Und der Nachtigall Laut tönte mir gählings in's Ohr.
[2]  Ach! die Arme, sie ist wie ich in Rosen verliebet, Und mit klagendem Lied, weint sie im Hain, auf der Flur.
[3]  Eine Weile gieng ich herum auf der Flur, in dem Garten, Dachte der Rose viel, dachte der Nachtigall nach.
[4]  Rosen lieben die Dornen, und Nachtigallen die Liebe, Jene wechseln nicht, und diese verändern sich nicht.
[5]  Als der Nachtigall Laut begann auf die Seele zu wirken, Blieb mir weder Kraft, Muth, noch Vermögen zurück.
[6]  Freilich blühen der Rosen gar viel im Garten der Erde, Aber wer sie pflückt, fühlet die Schmerzen des Dorns.
[7]  Hoffe, Hafis, nicht Bestand von diesem wechselnden Himmel, Weil er keinen Werth, tausend Gebrechen nur hat.
327
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.19-28.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.19
German Translation
[1]  Ich schloß ein Bündniß mit dem Liebchen, Daß ich, so lang ich Leben habe, Die Liebenden, die sie besuchen, So werth, wie meine Seele habe.
[2]  Hiemit sey kund: daß meine Freuden Durch diese Tschügilskerze leuchten, Daß ich das Licht des Aug's, des Herzens Von diesem Monde Chotens habe.
[3]  Wenn ich nach meines Herzens Wünschen Mich in der Einsamkeit befinde, Was ist's, was ich von bösen Zungen Der Neider dann zu fürchten habe?
[4]  In meinem Haus steht eine Ceder, In deren hohen kühlen Schatten, Ich weder Cedern noch Cypreßen, Noch Buchs und Ahorn nöthig habe.
[5]  Wenn wider mich im Hinterhalte Sich hundert Heere Schöner lagern, So dank' ich Gott, daß ich ein Liebchen, Das hundert Heere tödtet, habe.
[6]  Es ziemt sich, daß an ihrem Ringe Die Kräfte Salomons ich preise, Ich weiß nicht, was mit diesem Namen Vom Satan ich zu fürchten habe.
[7]  O du verständ'ger guter Alter, O halte mich nicht ab von Schenken, Weil ich im Punkt der Becher-Untreu, Ein kitzliches Gewissen habe. Mir perlet süßer Wein in Bechern, Ein Liebchen habe ich zum malen, Ich weiß wohl, es besitzet Keiner Ein Liebchen, wie ich eines habe.
[8]  Bey Gott dem Herrn! o Nebenbuhler, Schließ diese Nacht durch deine Augen, Weil ich mit ihrem Mundrubin Viel Heimliches zu sprechen habe.
[9]  Wenn ich in ihrem Rosenbeete Herumgeh', so ist Gott mein Zeuge Daß ich nach Tulpen, nach Narzißen, Nach Lilien kein Verlangen habe.
[10]  Es lebte lang Hafis im Stillen, Nun kennet ihn die Welt als Trinker, Was fürchte ich, so lang' ich Schönheit Auf dieser Welt zum Hüter habe.
80
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.66-4.66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.66
German Translation
[1]  Aufs Paradies o Klausner laß Verzicht uns thun, Wir sind von Anfang her dazu Nicht eingeschrieben.
[2]  Wer Gott zu lieb auf dieser Welt Kein Körnlein pflanzet, Der wird mit keinem Körnlein auch Des Daseyns froh.
[3]  Dir ziemt Moschee und Rosenkranz Gebet und Tugend, Und mir die Schenk' und Glockenton Und Kirch und Kloster.
[4]  Du frommer Mann, o halte mich Nicht ab vom Weine, Es ward mein Staub am Schöpfungstag Mit Wein geknetet.
[5]  Der ist kein Weiser, der verdien't' Nicht himmelsfreuden, Wer in der Schenke nie sein Kleid Für Wein verpfändet.
[6]  Wer seines Freundes Kleidersaum Entschlüpfen lasset, Wird Edenslust, und Engelskuß Nie recht genießen.
[7]  Hafis wenn Gottes Gnade dich Mit Gunst bezeichnet, Scheu du die Hölle nicht, du bist Des Himmels sicher.
377
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.69-28.69
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.69
German Translation
151
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.52-10.52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.52
German Translation
[1]  Verliere keine Zeit mit Gram, Im Ganzen ist die Welt nichts werth, Verkauf das Ordenskleid um Wein, Es ist ja sonsten zu nichts werth. Des Freundes Land sey mir geehrt, Weil es die Männer schützt und schirmt, Wenn nicht, was nützt mir Farsistan, Es ist so vieler Müh' nicht werth.
[2]  Man giebt nicht einen Becher Wein Für meinen Teppich in der Schenke, Was für ein Teppich! seh't, er ist Nicht einen Becher Weines werth. Du wasche deine Aengstlichkeit Vom Ordenskleide reinlich aus, Denn alle Kuttenflecken sind Kein Glas von rothem Weine werth.
[4]  Die Königskron', die von der Höh' Des Scheitels Seelen Furcht einflößt, Ist zwar ein schöner Kopfschmuck', doch Nicht den Verlust des Hauptes werth.
[5]  Wie leicht scheint anfangs nicht die Fluth Des Meeres, aus Hoffnung des Gewinnes! Doch weit gefehlt! denn diese Fluth Ist nicht zehntausend Perlen werth.
[6]  Weit beßer ist es, wenn du dein Gesicht den Liebenden verbirgst, Denn die Erobrung einer Welt Ist nicht der Müh des Krieges werth.
[7]  Sey, wie Hafis, genügsam, thu' Wie er auf diese Welt Verzicht, Ein Gran von Niederträchtigkeit Ist nicht zweyhundert Tonnen werth.
102
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.3-10.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.3
German Translation
[1]  Gestern hat vom gereis'ten Freunde Kunde gegeben der Wind, Sey es, was es nun sey, ich will Geben mein Herz dem Wind.
[2]  Sieh! dahin ist's mit mir gekommen, Daß ich mich selbst beweine, Sey's, wenn Blitze die Nacht zerreißen, Sey es beim Morgenwind.
[3]  Deinen ringelnden Locken sagte Nie das zu blöde Herz, Meine Wohnung sind deine Locken, Schlage du's nicht in den Wind.
[4]  Heut erst hab' ich des Raths der Frommen Wahren Gehalt gelernt. Herr! verleihe dem, der mir rathet, Immerfort guten Wind,
[5]  Immer dachte ich dein, und immer Blutete tief das Herz, Wenn die Bande der Rosenknospen Lös'te der Morgenwind. Deines zierlichen Häubchens Spitze Schwebte vor meinem Sinn, Als dem Haupt der Narziße eine Krone verlieh der Wind.
[6]  Meinen Händen entfloh des schwachen Daseyns Bewußtseyn ganz, Morgens gab mit dem Duft des Haares Wieder den Gruß der Wind.
[7]  Alle Wünsche der Wohlerzognen Sind nun, Hafis, erfüllt, Auf! und gebt für die Wohlerzognen Einen Gruß dem Wind.
391
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.10-29.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.10
German Translation
[1]  Was kann wohl schöner als die Trinkgedanken seyn? Ich will nun sehen, was das End' hievon wird seyn,
[2]  Der Gram zerfrißt mein Herz, hinschwindet theure Zeit, Ist einst kein Herz, und keine Zeit, was wird dann seyn?
[3]  Du sag' dem armen Vogel, iß den eignen Gram, Kann bei dem Netzesteller wohl Erbarmung seyn?
[4]  Trink' Wein, nicht Gram, und hör' nicht auf der Künstler Rath, Was für ein Werth kann wohl im Wort des Pöbels seyn?
[5]  Weit besser ist's, du weihest deinem Wunsch den Schmerz. Du weißt, was, wenn den Wunsch du nicht erreichst, wird seyn.
[6]  Es gab der alte Wirth uns gestern Räthsel auf Von Becherschrift. Was wird hievon das Ende seyn?
[7]  Mit Liedern und mit Lauten ward Hafis verführt, Ey was wird wohl der Lohn des bösen Namens seyn!
48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.34-4.34
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.34
German Translation
[1]  Der Weise hat im Glanz des Weins Verborgenes erkannt, Denn es wird Jedermanns Natur Durch diese Perl' erkannt.
[2]  Den Werth der Rose hat allein Die Nachtigall erkannt; Nicht jeder, der ein Blättchen liest, Hat auch den Sinn erkannt.
[3]  Die beiden Welten bracht' ich dar Dem vielerfahrnen Herz; Es hat nur deiner Liebe Werth, Den Rest für nichts erkannt.
[4]  Vorbei ist nun die falsche Schaam Vom Angesicht des Volks, Seit dem mich im Verborgenen Der Wächter hat erkannt.
[5]  Der Schöne meynte: daß für jetzt Nicht Zeit zur Ruhe sey; Deßhalb hat er dem armen Geist, Verläng'rung zuerkannt.
[6]  Die Rose und den Wein verkehrt Durchs Anschaun in Rubin, Wer nur den wahren Werth des Hauchs Der Seligkeit erkannt.
[7]  Du der vom Buche der Vernunft Die Liebe lernen willst, Ich fürchte, du hast diesen Punkt Nicht wie du sollst erkannt.
[8]  Bring' Wein! denn mit der Rose prahlt Kein Mensch auf dieser Welt, Der die Verwüstungen des Winds Im Herbste hat erkannt.
[9]  Hafis hat diese Perlenschnur So die Natur ihm gab, Für unläugbare Wirkungen Der Held Assafs erkannt.
435
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.7-32.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.7
German Translation
[1]  Saget nicht dem Nebenbuhler Rausch und Liebegeheimniß, Sonsten geht voll Eigendünkel Ohne Kund' er zu Grunde.
[2]  Sey verliebt, es werden Welten Einstens gehen zu Grunde, Kommt der Tod, gehst du hinnen Aus dem Hause des Daseyns.
[3]  Mein Götze sprach noch gestern schön Bet Götzen mit den Heiden an.
[4]  O Herr! mich brach entzwei dein Haar, Wie lange raubt der Schwarze noch?
[5]  Wie ist Sicherheit möglich Im verborgnen Winkel, Wenn die trunkene Narzisse, Rauschgeheimnisse plaudert.
[6]  Ich sah das Unheil, was mich traf, Du flohst mich in der harten Zeit.
487
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.59-32.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.59
German Translation
[1]  Unkundiger, o höre mich, Daß du bekehret werdest, So lang den Weg du nicht betrittst, Wirst du kein Wegweiser.
[2]  In Gegenwart des Liebenden, Dort in der Wahrheit Schule O Knabe, merke fein und gut, Daß du einst Vater werdest.
[3]  Entferne deine Hand vom Erz, Wie die erfahrnen Leute, Daß du im Leben Alchymist Und ganz zu Golde werdest.
[4]  Der Schlaf, das Essen und der Trank Hat dich verführt vom Lieben, Wenn du nicht issest und nicht schlafst, Wirst du die Liebe finden.
[5]  Fällt in die Seele einst ein Strahl Vom Licht der Liebe Gottes, Bei Gott! ich weiß, du wirst alsdann Weit schöner seyn als Sonnen.
[6]  Stürz' dich auf eine Zeit in's Meer Und hege keinen Zweifel, Denn aller sieben Meere Fluth Wird dir kein Haar befeuchten.
[7]  Von deinem Fuße bis zum Kopf Ist alles ein Strahl Gottes, Sobald du ohne Fuß und Kopf Im Dienste Gottes weilest.
[8]  Wenn Gottes Angesicht auf dich Herab mit Milde blicket, Wer zweifelt noch, daß du alsdann Nicht ein Betrachter seyest.
[9]  Wird deines ganzen Wesens Bau Vom Grunde aus zerstöret, So glaube nicht, daß du auch ganz Vom Grund aus wirst zerstöret.
[10]  Hafis! hast du in deinem Kopf Die Hoffnung des Genusses, So werde du zuvor zum Staub Der Thüren der Betrachter.
156
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.57-10.57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.57
German Translation
[1]  Ich weiß, daß Niemand meinem Freund An Treu und Anmuth gleich kommt, Und daß hierinn der Wiederspruch Am wenigstens dir zukommt.
[2]  Wiewohl sich mit Liebkosungen Die Liebeshändler brüsten, So weiß ich doch, daß meinem Freund An Anmuth Keiner gleich kommt.
[3]  Ich schwör' es bei dem alten Bund, Daß Keiner der Vertrauten, Dem Freund an wahrer Dankbarkeit Und an Geradheit gleich kommt.
[4]  Ich mahlte tausend Bilder aus, Mit kunstgewandtem Pinsel, Wiewohl kein einziges davon Dem Bild des Freundes gleich kommt.
[5]  Viel tausend Münzen bringet man Zu Markt, sie zu verkaufen, Wiewohl nicht eine an Gehalt Dem Kern des Freundes gleich kommt.
[6]  O weh! o weh! es zieht davon Des Lebens Karawane, So daß ihr Staub nicht bis in's Land Von meinen Wünschen hinkommt.
[7]  Mein Herz, betrüb' dich nicht zu sehr, Ob bittern Spott der Neider, Weil meinem hoffenden Gemüth Daraus nichts Uebels zukommt.
[8]  Du lebe mit den Leuten so, Daß wenn du Erbe wärest, Doch Keinem, der vorübergeht, Von dir ein Stäubchen zukommt.
[9]  Verbrennet ist Hafisens Herz, Ich fürchte, daß die Sage Davon nicht einstens bis zum Ohr Des großen Schahes hinkommt.
270
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:15.4-15.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:15.4
German Translation
[1]  Liebeschmerz hab' ich erlitten,Frage nicht.Trennungsgift hab' ich verkostet,Frage nicht.
[2]  Viel bin ich umher gewandert,Doch zuletztHab' ein Liebchen ich erkohren;Frage nicht.
[3]  Aus Verlangen nach dem StaubeIhres ThorsFließen meine Thränen häufig;Frage nicht.
[4]  Gestern hab' aus ihrem MundeIch gehörtIn mein Ohr ein süßes Wörtlein,Frage nicht.
[5]  Beißend in die Lippen sagst du:Rede nicht.Den Rubin der Lippen biß ich,Frage nicht.
[6]  Ohne dich hab' ich in meinemKämmerleinVielen Schmerz und Gram erlittenFrage nicht.
[7]  Wie Hafis der Fremdling bin ichEine PostAuf der Liebe Weg gekommen,Frage nicht.
111
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.12-10.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.12
German Translation
[1]  Ist der Wangen Wiederschein In des Glases Fluth gefallen, So sind Weise alsogleich Lächelnd durch den Wein gefallen.
[2]  Wegen einer Schmeichelei, Die du deinem Spiegel machtest, Sind in meines Herzens Glas Solche Bilder eingefallen.
[4]  Liebeseifer hat die Zung' Der Vertrauten abgeschnitten, Wie ist also dieses Wort Ihres Grams in's Volk gefallen.
[6]  Wie der Zirkel in dem Kreis Muß sich in die Runde drehen, Wer in dieser Zeiten Kreis In den Wirbel ist gefallen. Nimmer Meister wirst du mich Künftighin in Schenken sehen, Denn ich bin nun auf das Glas, Auf des Freundes Aug' gefallen.
[7]  Aus des Kinnes Grübchen griff Ich nach Ihres Haares Stricken, Ach! ich kam wohl aus dem Brunn, Aber bin in's Netz gefallen.
[9]  Unter ihrem Schmerzenschwert' Muß man immer tanzen geh'n, Nie für die Erschlagenen Ist das End' gut ausgefallen.
[10]  Immer neue Huld von ihr, Für mich armen Herzverbrannten, Sieh! wie ist der Bettler doch In des Fürsten Huld gefallen.
[11]  Alle Frommen trinken Wein, Alle seh'n die Schönen gerne, Deinem Herzen, o Hafis, Spott und Schand ist zugefallen.
402
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.21-29.21
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.21
German Translation
[1]  Hör', herzraubendes Wort, und schau des Mondengesichts Maal, Vernunft und Herz sind durch das Maal gefangen.
[2]  Sey nicht so störrig und wild, so schalt ich das eigene Herz aus, Es sprach: o schau' des trunknen Hirschen Auge.
[3]  Ihrer Locken Ring ist das Freytheater des Ostwinds, An jedem Haare hängen hundert Herzen.
[4]  Wer die Sonne verehrt, hat keine Kunde vom Liebchen, Schmähst du den Herrn, so schau' ihr in die Augen.
[5]  Ihre Locken hat sich der Ost gewählet zum Halsband, Welch eine List des braunen Weggefährten!
[6]  Solch ein Liebchen wie das, so mich vom Wege verführt hat, Hat keiner je gesehen, wird keiner sehen.
[7]  Ziemt sich's Hafis, vor dem Brauenaltare die Stirne zu reiben, So lästre Gott, bet' an die Augenbrauen.
[8]  Wend' nicht den Kopf von Manßurs des mächtigen Schahes Befehl ab, Sieh, wie sein Degen scharf, und stark sein Arm ist.
400
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.19-29.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.19
German Translation
[1]  Mein hohes Liebchen, voll Liebkosungen, Hat die Enthaltsamkeit mir abgekürzt.
[2]  Siehst du, was Alter, Tugend, Wissenschaft Mir angethan hat, sprach ich zu dem Liebchen.
[3]  Ich fürchte meiner Frömmigkeit Ruin. Der Brauen Hochaltar raubt mir die Ruhe.
[4]  Die Thränen haben mich in Gluth gestürzt, Sie haben mein Geheimniß ausgeplaudert.
[5]  Mein Freund ist trunken, denk' des Freundes nicht. Der Schenke gnädig für die Armen lebe.
[6]  O Herr! wann weht der Hauch des Morgenwinds, Durch dessen Duft ich einst gerettet werde?
[7]  Ich mahl' ein Bild auf meiner Thränen Fluth, Wann wird, o Herr! das Bildliche erst wirklich?
[8]  Wie Kerzen lächelnd wein' ich über mich. O steinern Herz, was macht die Fluth und Flamme!
[9]  O Mönch! Nichts kömmt aus dem Gebet heraus, Viel besser ists, bey Tag und Nacht zu trinken.
[10]  Der Gram verzehrt Hafisen, sag's, o Wind! Dem Schah, der Freunde nährt, und Feinde sengt.
11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.11-1.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.11
German Translation
[1]  Schenk! erleucht' mit dem Licht des Weins den Becher,Sänger singe; nun geht's nach unsern Wünschen.
[2]  Ich erblick im Pokal der Wangen Abglanz.Wiß es, der du nichts weißt vom Glück des Trinkens.
[3]  Wessen Zunge die Lieb' beseelet, stirbt nicht.Ewig bleibet mein Ruhm im Weltenbuche.
[4]  Dieser Schmächtigen Reiz gefällt so lang nur,Bis sich meine Cypreß mit Schwanken nahet.
[5]  Ostwind, gehst du vorbei beim Rosenhaine,Gieb doch Kunde von mir dem treuen Freunde.
[7]  Rausch und Trunkenheit ziemt dem Aug des Freundes;Deßhalb raubt mir der Rausch so Zaum als Zügel.
[8]  Ich befürchte, daß nicht am jüngsten TagePriesterbrod und der Wein von gleichem Werth sey.
[9]  O mein Auge verstreu' das Korn der Thränen,Daß sich fange im Netz der Wollust Vogel.
[10]  Du Aetherische Fluth, und du o Mondschiff,Ihr verschwindet zugleich in seiner Großmuth.