33
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.19-4.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.19
German Translation
[1]  Wer die Einsamkeit wählt, was hat er vonnöthen des Gaffens? Ist er im Winkel des Freunds, hat er der Felder nicht noth.
[2]  Ich beschwör' dich bei Gott! Hast du vonnöthen des Himmels, Frag mich ein einzigesmal, frage mich, was ist dir noth?
[3]  Fürst der Schönheit, bei Gott! Ich bin aus Liebe verbrennet; Frag' mich endlich doch: haben die Bettler wohl noth?
[4]  Viel sind unsere Nöthen, jedoch wir sparen der Bitten, Denn bei ihrem Gemüth haben wir Flehen nicht noth.
[5]  Forderst du meinen Geist, was hat es Erklärung vonnöthen, Dir gehört mein Gesicht, hat es des Raubens wohl noth?
[6]  Meiner Freundin Gemüth ist der weltenzeigende Spiegel; Ach sie hat des Berichts, daß was dir noth ist, nicht noth.
[7]  Einige Zeit ertrug ich die Last der Qualen des Schiffes, Seit die Perlen mein sind, hab' ich des Meeres nicht noth.
[8]  Du Vielfodernder flieh, ich habe mit dir nichts zu schaffen; Meine Freunde sind da, hat es der Feinde wohl noth?
[9]  Bettler! Es kennt der Freundin seelenvergeudende Lippe Deine Ford'rung, sie hat keiner Erläuterung noth.
[10]  Siegte Hafis dein Wort, von selbst erscheinet die Tugend. Zank und leerer Streit sind mit dem Gegner nicht noth.
368
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.60-28.60
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.60
German Translation
[1]  Steh' auf! man öffne die Schenkenthür, Wir wollen es begehren. Wir wollen sitzen am Weg des Freunds Und unsern Wunsch begehren.
[2]  Der Vorrath mangelt uns auf dem Weg, Der zu dem Freunde führet, Wir wollen bettelnd am Schenkenthor Den Vorrath uns begehren.
[3]  Es fließen blutige Thränen zwar Aus meinen Augen immer, Allein gereiniget sey der Both Den wir für ihn begehren.
[4]  Nie soll mein Herz den Geschmack des Maals Von deinem Grame kosten, Wenn ich im Fieber der Lieb' vielleicht Ein Mittel soll begehren.
[5]  Um auf das Blatt des Gesichts den Punkt Von deinem Maal zu mahlen, Muß man die Schwärze vom Dintenschwarz Des Aug's dazu begehren.
[6]  Das Herz verlangte für Seelenpreis Liebkosung von den Lippen, Doch lächelnd sagten die Lippen ihm: Das heißt zu viel begehren.
[7]  Um einen Balsam für's wunde Herz Nach Regeln zu bereiten. Geschieht es, daß wir vom Schwarz des Barts Für uns etwas begehren.
[8]  Weil mir im fröhlichen Sinn dein Schmerz Sich pfleget einzunisten, So wollen wir mit des Schmerzes Wunsch Nur frohen Sinn begehren.
[9]  Wie lange sitzest du noch Hafis Hier an der Thür der Schenke, Steh' auf! man öffne das Schenkenthor Wir wollen es begehren.
127
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.28-10.28
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.28
German Translation
[1]  Vor deinem Angesicht Der Mond nicht Schimmer hat, Die Rose keine Glanz Vor deinen Wangen hat.
[2]  Des Herzens Posten sind Der Augen hohe Brau'n; Solch einen schönen Ort Kein Fürst und König hat.
[3]  Was thut des Herzens Rauch Den Wangen denn zu Leid? Du weißt, ein Spiegel nichts Vom Hauch zu fürchten hat.
[4]  Wie frech ist die Narziß', Daß sie vor dir noch blüh't, Daß mit zerriß'nem Aug', Sie wenig Sitte hat.
[5]  Ich sehe, daß das schwarze Aug' Das dir im Kopfe rollt, Auf keinen alten Freund Die kleinste Rücksicht hat.
[6]  Herold, der Schenke gieb Mir nur ein Rotel Wein's, Auf's Wohlseyn unseres Scheihs Der keine Pfründe hat.
[7]  Du trinke Blut und schweig', Indem das zarte Herz, Für solche Klagen nicht Geduld und Muße hat.
[8]  Geh' hin und wasch' mit Blut Den Aermel Jedermanns, Der nicht zur Schwell' der Thür', Den Weg gefunden hat.
[9]  Ich bin es nicht allein, Den dieses Haar verfolgt, Wer ist's, der in der Brust Kein Brandmaal hat?
[10]  Hafisen schmähle nicht, Er liegt anbetend da, Ein Freygeist in der Lieb' Auch keine Sünde hat.
285
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.14-16.14
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.14
German Translation
[1]  In der Zeit des milden SchahesTrinkt Hafis aus seinem Kruge,Dem Mufti aus seinem Becher.
[2]  Von der Zelle in das WeinhausGeh'n Sofis, seit sie den VogtSah'n, die Kanne auf den Schultern.
[3]  Um den Scheich, um den Richter,Um den Trunk der Juden fragt' ichIn der Früh' den Weinverkäufer.
[4]  Bist du gleich ein Eingeweihter,Sprach er, kann ich's doch nicht sagen,Trinke schweigend und verstecket.
[5]  Schenk', der Frühling ist gekommen,Aber hin ist's Geld, bedenkeWie mein Herzensblut nun wallet.
[6]  Geldlos und verliebt im Frühling!Halte mich damit entschuldigt,Und verzeihe meine Fehler.
[7]  Ey wie lange wirst du schwätzenWie die Kerze, sieh! des WunschesSchmetterling ist da, nun schweige.
[8]  Herrscher nach dem Wort und Sinne,Den kein Auge noch gesehen,Den kein Ohr noch hat gehöret,
[9]  Bleibe bis dein junges SchicksalVon dem alten Greis des HimmelsSeine blaue Kutte annimmt.
369
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.61-28.61
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.61
German Translation
[1]  Freundschaft hab' ich von Freunden erwartet, Leider! hab' ich hierin mich geirret.
[2]  Ach wann tragen die Bäume der Freundschaft, Jetzt erst hab' ich den Saamen gepflanzet.
[3]  Leere Rede geziemt nicht Derwischen, Was geschehen, ist einmal geschehen.
[4]  Deine Augen betrogen mit List uns, Doch wir meinten, dies wäre nur Friede,
[5]  Deine Schönheit betrog sich allein nicht, Mit betrogen ward muthiger Sinn auch.
[6]  Vieles spricht man, doch keiner beklagt sich, Denn wir haben die Huld nicht vergessen,
[7]  Mein, so sprach sie, Hafis, du bist mein nun, Keinen Sammelnden hab' ich bestellet.
334
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.26-28.26
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.26
German Translation
[1]  Wenn ich zur Spitze der Locken gelangte, Schlug' ich viel Köpfe als Schlägel davon.
[2]  Wohl wird durch Locken das Leben verlängert, Aber noch ward mir kein Härchen davon,
[3]  Kerze, o gieb mir des Schmetterlings Ruhe, Denn ich zerschmelze vor dir wie das Wachs.
[4]  Wenn ich wie Flaschen die Seele verlache Wünsch' ich, daß Trunk'ne leben für mich.
[5]  Weil mein Gebet nicht befreyt ist von Mackeln, Hör' ich nicht auf in den Schenken zu fleh'n,
[6]  Wenn ich in Schenken, in Tempeln dich sehe, Mach' ich die Brauen zum hohen Altar.
[7]  Wenn dein Gesicht mein Gemach einst erleuchtet, Heb ich den Kopf wie der Morgen empor.
[8]  Endlich gelingt es mir doch wie Mahmuden Wenn ich verliere den Kopf für Ajas.
[9]  Könnte Hafis sein Geheimniß vertrauen, Da zum Vertrauten das Glas Er nur hat?
336
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.28-28.28
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.28
German Translation
[1]  Sag' an die Kunde des Genußes, Vom Sitz der Seele steh' ich auf, Ich bin des Paradieses Vogel, Vom Netz der Erde flieg' ich auf.
[2]  Wenn du mich deinen Diener nennest, Thu' ich Verzicht auf Zeit und Ort, Und schwinge mich blos dir zu Liebe Hoch über alle Herrschaft auf.
[3]  O Herr! send' aus der Leitung Wolke Doch einen Regen mir herab. Eh' daß ich als ein leichtes Stäubchen Aus dieser Mitte fliege auf.
[4]  Sitz' anders nicht an meinem Grabe, Als mit dem Becher, mit Gesang, Ich stehe dann vor deinem Dufte Mit Springen und mit Tanzen auf.
[5]  Steh' auf! und zeige deine Höhe, O du, mein Abgott! süßen Gangs. Ich stehe, wie Hafis, von allem, Von Geist und Gütern gerne auf.
[6]  Ich bin zwar alt, allein im Dunkeln, Magst du mich wohl umarmen fest, Ich stehe dann zur Geisterstunde An deiner Brust als Jüngling auf.
63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.49-4.49
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.49
German Translation
[1]  Noch niemand sah dein Angesicht, Doch harren dein schon tausend Nebenbuhler; Noch in der Knospe harren dein Schon tausend Nachtigallen.
[2]  Wenn ich mich deiner Wohnung nah', Was nimmt es dich, sprich, was nimmt es dich Wunder? Unendlich viel der Fremden giebts Im Lande, die mir gleichen. So weit bin ich von dir entfernt, O möchte Niemand sich von dir entfernen! Doch des Genußes Hoffnung ist Sehr nahe mir gelegen.
[3]  Die Kloster- und die Schenkenluft Sind wenig von einander unterschieden, Das Antlitz des Geliebten strahlt, Wo immer es sich findet.
[4]  Wo frommer Zellen heilig Werk Betrieben wird mit regem Geist und Eifer, Dort tönt des Mönches Glockenschall, Dort tönt des Kreuzes Name.
[5]  Ist ein Geliebter, welcher nicht Den Liebenden des Anschau'nswürdig hielte? Ich bin nicht krank, und wenn ichs bin, So ist der Freund bei Handen.
[6]  Hafisens Klagen um den Freund Sind doch zuletzt nicht in den Wind gesprochen. Sie sind ein altes Fabelbuch Und eine Wundersage.
311
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.3-28.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.3
German Translation
[1]  In einen frischen Jüngling bin ich verliebt,Ich habe von Gott mir diesen Gram erbeten;
[2]  Ich bin berauscht, verliebt, und sage es laut,Damit du hieraus erkennest meine Tugend.
[3]  Ich schäme mich des Weins beflecket mit Wein,Ich hab es mit Listen und mit Trug geflicket.
[4]  O Kerze! brenn' gelind vor Schmerzen bei ihm,Ich habe mich selber diesem Amt geeignet.
[5]  Ich staunte, und es floh von mir mein Gewinn,An Schmerzen gewann ich, was am Geist entflohen.
[6]  Daß mich vielleicht der frische Jüngling umarmt,Will ich Hafisen gleich die Schenken besuchen.
65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.51-4.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.51
German Translation
[1]  Schöner's als Gartengespräch und Frühlings Vergnügen, was ists? Wo ist der Schenke, warum zaudert er, sage was ists?
[2]  Jede fröhliche Zeit, die dir sich biete, ergreife, Keiner erfuhr das Geschäft, und an dem Ende, was ists?
[3]  Siehe das Leben, es hängt an einem einzigen Haare, Friß den eignen Verdruß, frage nicht weiter: was ists?
[5]  Fromme und Trunkene sind die Kinder des nämlichen Stammes, Wem ergab ich mein Herz? Was ist zu wählen? Was ists?
[6]  Wie erkennet die Welt, was in dem Innern versteckt liegt? Gegner, was streitest du wohl mit dem Verborgnen? Was ists?
[7]  Wird auf des Dieners Versehn nicht einige Rücksicht genommen? Was ist Erbarmung alsdann? Was ist Verzeihung? Was ists?
[8]  Fromme begehren den Quell Keweser, ich begehre des Weines, Zwischen beider Wunsch, was ist dazwischen, was ists?
370
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.62-28.62
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.62
German Translation
[1]  Was suchest du bei uns das Heil? Bewillkommt haben wir die Trunkenen, Wir haben zur Narzißenzeit Zu deinem Heil Gebete hergesagt.
[2]  Ich steh' am Schenkenthor, mach auf! Das Kloster hat uns wahrlich nichts genützt. Glaub' oder nicht, dies ist das Wort, Das wir so oft dir haben vorgesagt.
[3]  Es hat o Schenke! mich dein Aug' Zerstört, ich bin verwüstet und dahin! Dem Unglück, das vom Freunde kam, Hab' ich mit Lust Willkommen hergesagt.
[4]  Wenn du dich meiner nicht erbarmst, So wirst du einst bereuen deine That, Bewahre stets in dem Gemüth, Was deinem Dienst zu Liebe ich gesagt.
[5]  Ich sprach ein Buchsbaum ist dein Wuchs, Deß schämte sich vor mir der traute Freund, Er sprach: Was soll denn der Vergleich, Welch' eine Kinderey hast du gesagt.
[6]  Mein ganzes Herz ist voll von Blut, Wie Blasen, die der reine Moschus füllt, Und dies ist Strafe, wohl verdient, Weil ich von krummen Locken hab' gesagt.
[7]  Hafis du wurdest zwar zur Gluth, Jedoch ergreift sie deine Freundinn nicht, Ich habe von der Rose Thun, Dem Ostwind die Geschichte hergesagt.
315
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.7-28.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.7
German Translation
[1]  Außer daß so Glaub' als WissenMeiner Hand entfloh,Komm, und sag' ob ich durch LiebeAnderes gewann!
[2]  Zwar flog meines Lebens ScheuerAuf in Wind für dich,Doch beim Staub von deinen Füßen!Ich brach nicht den Bund.
[3]  Zwar bin ich ein Sonnenstäubchen,Unansehnlich klein,Fliege durch das Glück der Liebe,Wangensonnen zu.
[4]  Bringe Wein! jetzt sind die Tage,Lang' ist's, daß ich nichtIn des Seelenheiles Winkel,Voll von Liebe saß.
[5]  Du, der guten Rath ertheilest,Wenn du weise bist,Wirf das Wort nicht auf die Erde,Sieh! ich bin berauscht.
[6]  Kann aus Schaam den Kopf ich heben,Vor dem lieben Freund,Angenehmes hab' bisher ichIhm noch nicht gethan.
[7]  Flammen zehrten an Hafisen,Doch sie sagte nicht:Ihm will ich ein Pflaster schicken,Dem ich weh' gethan.
222
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.123-10.123
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.123
German Translation
[1]  Wer vom Ende deines Gaus Muß beschämt von hinnen geh'n Wird auch ohne seinen Zweck Und beschämt nach Hause geh'n.
[2]  Jenes Karawangefolg, Angeführet von dem Herren, Schlägt das Lager ruhig auf, Wird bequem von hinnen gehen.
[3]  Der Verliebte soll den Weg Mit dem Licht der Leitung suchen, Denn es kommt an keinen Ort, Wer da anfängt irr' zu gehen.
[4]  Nimm bei deines Lebens End', Einen Theil an Wein und Mädchen, Wehe! daß des Lebens Zeit Einmal muß von hinnen gehen.
[5]  Führer! gieb dem irren Sinn, Gieb ihm Hülf' um Gottes Willen, Denn der Fremde kann den Weg Nur mit deiner Leitung gehen.
[6]  Eingezogenheit und Rausch, Alles hängt am Ring des Looses, Keiner hat es noch erforscht, Wie zuletzt es ihm wird gehen.
[7]  Einen Becher nimm Hafis, In die Hand vom Quell der Weisheit, Dann wird die Unwissenheit Weg aus deinem Herzen gehen.
31
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.17-4.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.17
German Translation
[1]  Die Wunderkraft, von der ein Frommer spricht: Dies ist die Nacht der Sterne, Welcher o Herr! hat sie gebracht! Wie soll in dieser leichten Reiterschaar Mit Salomo ich reiten, Ich, dem zum Gaul die Ameis dient.
[2]  Damit die Unverdienten nicht dein Haar Berühren, schrei'n die Herzen. Jeglichen Rings o Herr! o Herr!
[3]  Ich bin entseelt vom Grübchen deines Kinns; Denn tausend Herzen liegen Unter dem Reife deines Kinnes.
[4]  Den Spiegel meines Ritters hält der Mond, Die Sonne ist des Hufes Staub nur von seinem Schlachtenroß.
[5]  Den Widerschein der Wangen schau doch an, Die Sonne zittert blos aus Sehnsucht nach diesem Widerschein.
[6]  Ich will vom Glas und vom Rubin des Freund's Nicht lassen. Frommer! halt' dies Glaubensbekenntniß mir zu gut.
[8]  Er, der mit seiner Wimpern Pfeil' Verwundet, giebt Hafisen Lächelnden Mundes Seelenkraft.
[9]  Wo trinkt der Rabe meines Kiels? Bey Gott! aus seinem Schnabel Träufet des Lebens Quell hervor.
300
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:25.2-25.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:25.2
German Translation
[1]  Tausende Feinde mögen mir den Untergang drohen,Bist nur du mein Freund, fürcht' ich der Feinde nicht.
[2]  Mich erhält beim Leben, Hoffnung deines Genußes,Hunderfachen Tod fürcht' ich von deiner Flucht.
[3]  Bringt der Wind von Hauch zu Hauche deinen Geruch nicht,So zerspring' ich wie Rosen von Zeit zu Zeit.
[4]  Läßt dein Bild wohl Schlaf in meine Augen? Beyleibe!Bin ich fern von dir ruhig? Bewahre Gott!
[5]  Besser ist ein Schlag von dir als Pflaster von Andern,Und ich zieh' dein Gift Anderer Theriak vor.
[6]  Mord mit deinem Schwerdte ist mir ewiges Leben,Meine Seel' ist gut dir sie zu opfern,
[7]  Lenk' nicht ab den Zügel, schlage mich mit dem Schwerdte,Denn ich zieh' die Hand nimmer vom Bügel ab.
[8]  Wo sah' je das Auge eine Schönheit, wie du bist,Jeder schaut nach Maß seines Vermögens dich.
[9]  Damals wird Hafis von allem Volke geehret,Wenn er sein Gesicht wälzet in deinem Staub.
447
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.19-32.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.19
German Translation
[1]  Es ziemt sich nicht, daß wider mich Du einen Groll hast, Du der den langen Freundschaftsbund Mit mir gemacht hast.
[2]  O hör' genau auf diesen Rath, Denn diese Perle Ist besser als der Edelstein, Den du im Schatz hast.
[3]  Wie kannst du wohl dem Trunkenen Die Wangen zeigen, Du der von Sonne und von Mond Das Spiegelglas hast?
[5]  O Frommer, fürchtest du dich nicht Vor meinem Feuer? Vergaßest du, daß du ein Kleid Von Wollenstoff hast?
[6]  Um Gotteswillen komm' zu Hülf' Dem Fleh'n der Trunknen, Wenn du vom gestrigen Gelag' Noch Wein im Kopf hast.
[7]  Das schönste Lied, das ich je sah, Gehört Hafisen, Ich schwör' es beim Koran, den du In deiner Brust hast.
485
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.57-32.57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.57
German Translation
[2]  Die Dinge behalten nicht einerlei Farb' und Gestalt, Deßwegen wasch' mit Wein die Kutten aus.
[3]  Die Welt ist so niedrig, du traue der Schmeichelnden nicht, Erfahrener! such' bei Niederen nicht Bestand,
[4]  O höre den doppelten Rath, und bereichere dich dann, Geh' durch der Liebe Thür, thu Schlechtes nicht.
[5]  Wir haben nun Frühling, der Himmel sey deßhalb gelobet! Thu' Gutes, und die Leitungsrose riech'!
[6]  Begehrst du die Freundinn, so reiche den Scheitel ihr hin, Narziß' und Rosen keimen nicht aus Stahl. Bevor du zum Staube der Schwelle der Thüre dich machst, Versteck' in Schenken ein Paar Tage dich.
[7]  Eröffne die Ohren, es weinet die Nachtigall nun, Die Leitungsrose riech', ermangle nicht!
[8]  Du sagtest, der Durst der Verstellung umgebe Hafis, Ey brav! wie trefflich ist nicht dein Geruch!
12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.12-1.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.12
German Translation
[1]  Der Mond der Schönheit borgt sein LichtVon deiner Wangen Strahlen,Der Glanz der Anmuth strahlet ausVon deines Kinnes Grübchen.
[2]  Des Sinnes dich zu schauen kamMein Geist auf meine Lippen,Soll er entfliehn? Soll er zurück?Was ist dein Herrscherwille?
[3]  Was nützet die EnthaltsamkeitDem, der dein Auge sah?Viel besser ists, die NüchternheitDem Trunknen nicht verkaufen.
[4]  Mein träges Glück, das lange schlief,Ist endlich aufgewachet,Der Schimmer deines AngesichtsHat ihm ins Aug' geblitzet.
[5]  Der Ostwind bring' mir einen StraußVom Rosenbusch der Wangen,Vielleicht wird mir dann sein GeruchVom Staube deines Gartens.
[6]  Ihr sollet leben, Euer WunschWerd' stets erfüllt ihr Schenken!Wiewohl mein Glas zu Eurer ZeitNicht einmal voll geworden.
[7]  Verwaiset ist mein Herz, o gebtHievon den Freunden Kunde!O Freunde! meine Seele istMit Euern Seelen Eines.
[8]  Kann mein versammeltes GemüthMit deines Haares Locken,Die ganz zerstreuet sind, o Gott!Sich je zusammen finden.
[9]  Gehst du vorbey, heb' auf den SaumVom Blute und vom Staube,Denn viele deiner Opfer sindAuf diesem Weg gefallen.
[10]  O Morgenwind zieh hin nach JesdSag denen, die dort wohnen,Der Kopf deß, der nicht dankbar istSey Eurer Ballen Schlägel.
[11]  Zwar bin ich weit von Euch entfernt,Doch ist mein Geist nicht ferne,Ich bin der Diener Eures SchahsUnd Euer Loberedner.
[12]  Ich habe Muth, ich fleh bey Gott!O höchster Schah der Schahe!Ich küß die Erde deines ZeltsWie das Gewölb des Himmels.
[13]  Horcht auf! es betet nun Hafis.Sagt Amen, denn er betet.Herr! gieb uns unser täglich BrodVom Zucker ihrer Lippen.
207
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.108-10.108
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.108
German Translation
[1]  Erinnre dich, daß einst dein Haus Mein Aufenthalt gewesen, Und daß der Staub vor deiner Thür Der Augen Licht gewesen.
[2]  Es blieb' von deinem Herzgespräch Mir immer auf der Zunge, Wie Rosen und wie Lilien, Was in dem Herz gewesen.
[3]  So oft mein Herz von der Vernunft, Die Tief' ergründen wollte, Gab Liebe einen Kommentar Zu dem, was schwer gewesen.
[4]  Welch Unrecht, welche Grausamkeit, Ach! herrschet nun auf Erden, Wie lieblich und wie angenehm, Ach! ist sein Kreis gewesen!
[5]  Bei meinem Herzen stand es wohl, Nicht ohne Freund zu bleiben, Allein was kann ich thun! umsonst Ist alle Müh' gewesen.
[6]  Den Freunden zur Erinnrung gieng Ich gestern in die Schenke, Da sah ich, daß mein Herz in Blut Mein Fuß in Schlamm gewesen.
[7]  Viel habe ich herumgeforscht, Um Arzeney der Trennung, Allein selbst der Mufti Verstand Ist ohne Kopf gewesen.
[8]  Wahr ist's, der Türkisring Ebnishaks Warf wunderschöne Strahlen, Doch seines Reiches Zeit ist kurz, Ach! leider, kurz gewesen!
[9]  Hast du Hafis, dies Rebhuhn angeseh'n, Wie's hellauf lacht und schäkert, Es ist vor jenes Falken Klau'n Ganz außer Sorg' gewesen.
238
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.139-10.139
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.139
German Translation
[1]  Die Zeit des Festes hat Sich mit dem Neumond geschmücket, Nun ziemt es sich, den Mond In ihren Brauen zu sehen.
[2]  In Bogenform gekrümmt, Dem neuen Monde vergleichbar, Weil sich der Freund die Brau'n Mit meiner Schminke geschminkt hat. Verdeck' nicht dein Gesicht, Entferne dich nicht von Freunden, Denn deines Bartes Flaum Zeigt uns die Verse des Korans.
[3]  Es kam vielleicht der Ost Mit deinem Duft in den Garten, Da ward der Rosen Kleid Wie Morgenröthe zerrißen.
[4]  Es gab noch keinen Wein, Noch keine Rosen auf Erden, Da ward mein Lehm mit Wein Und Rosenwasser geknetet.
[5]  Komm, daß ich dir den Gram Von meinem Herzen erzähle, Denn sonst vermag ich nichts Zu hören und zu erzählen.
[6]  Und wäre auch mein Geist Der Preis von deinem Genuße, So kauf' ich ihn; es kauft Ein guter Käufer auf's Anschau'n. O mach' nicht, daß mein Aug' Der Thränen viele vergieße. Es lief dir lange nach, Vermischte sich mit dem Staube.
[7]  Als in der Nacht des Haar's Ich deine Wangen erblickte, Da wurde meine Nacht Erhellet ähnlich dem Tage.
[8]  Auf meinen Lippen liegt Mein Geist, mein Wunsch ist vereitelt, Die Hoffnung ist schon aus, Doch nichts hab' ich noch erlanget.
[9]  Aus Sehnsucht hat Hafis So manche Zeilen geschrieben, O lies sein Herzgedicht, Häng an die Ohren die Perlen.