207
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.108-10.108
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.108
German Translation
[1]  Erinnre dich, daß einst dein Haus Mein Aufenthalt gewesen, Und daß der Staub vor deiner Thür Der Augen Licht gewesen.
[2]  Es blieb' von deinem Herzgespräch Mir immer auf der Zunge, Wie Rosen und wie Lilien, Was in dem Herz gewesen.
[3]  So oft mein Herz von der Vernunft, Die Tief' ergründen wollte, Gab Liebe einen Kommentar Zu dem, was schwer gewesen.
[4]  Welch Unrecht, welche Grausamkeit, Ach! herrschet nun auf Erden, Wie lieblich und wie angenehm, Ach! ist sein Kreis gewesen!
[5]  Bei meinem Herzen stand es wohl, Nicht ohne Freund zu bleiben, Allein was kann ich thun! umsonst Ist alle Müh' gewesen.
[6]  Den Freunden zur Erinnrung gieng Ich gestern in die Schenke, Da sah ich, daß mein Herz in Blut Mein Fuß in Schlamm gewesen.
[7]  Viel habe ich herumgeforscht, Um Arzeney der Trennung, Allein selbst der Mufti Verstand Ist ohne Kopf gewesen.
[8]  Wahr ist's, der Türkisring Ebnishaks Warf wunderschöne Strahlen, Doch seines Reiches Zeit ist kurz, Ach! leider, kurz gewesen!
[9]  Hast du Hafis, dies Rebhuhn angeseh'n, Wie's hellauf lacht und schäkert, Es ist vor jenes Falken Klau'n Ganz außer Sorg' gewesen.
338
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.30-28.30
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.30
German Translation
[1]  Ich bin ein Freund von schönen Wangen, Von seinem Haar, Ich bin verliebt in trunkne Augen, In reinen Wein.
[2]  Du sprachst: wir kennen uns von ewig, Nun sag' ein Wort, Ich sprach: Ich sag' es gern, doch trinken Wir eh ein Glas.
[3]  Ich bin ein Mann des Paradieses, Doch auf der Welt Bin ich durch Liebe schöner Knaben Gar tief verstrickt.
[4]  Es kümmert sich um Gluth und Flammen Die Liebe nicht. Ich bin gerade wie die Kerze, Fürcht' nicht die Gluth.
[5]  Schiras ist rother Lippen Bergwerk, Der Schönheit Quell, Ich Münzeloser bin deßwegen So sehr verwirrt.
[6]  Ich hab' so viele trunkne Augen Allhier gesehn, Daß ich nun keinen Wein mehr trinke, Und trunken bin.
[7]  Die Stadt ist von den Schmeicheleien Der Schönen voll. Ich habe Nichts, sonst kauft' ich gerne Dieselben aus.
[8]  Wenn noch einmal mein gutes Schicksal Zum Freunde führt, So kehr' ich mit Hurienlocken Den Teppich ab.
[9]  Hafis! es lüstet mich zu sehen Den Reiz der Braut, Allein ich habe keinen Spiegel, Drob seufze ich. Hafis ist von der Gluth der Dummen Ganz angebrannt, Wo ist der Schenke, daß er gieße Ins Feuer Fluth.
60
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.46-4.46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.46
German Translation
[1]  Der Both, der angekommen ist Vom fernen Land der Freundinn, Hat Seelenmittel mitgebracht Vom Moschushain der Freundinn.
[2]  Er hat ein Zeichen mitgebracht Von ihrer hohen Schönheit, Geschichten hat er uns erzählt Vom hohen Rang der Freundinn.
[3]  Mein Herz gab ich als Bothengeld Und schäme mich fast dessen, Solch eine schlechte Münze ziemt Nicht für die Hand der Freundinn.
[4]  Ich preise Gott, daß durch die Kraft Des mir gefallnen Looses Nach meinem Wunsch gegangen ist Das Herzgeschäft der Freundinn.
[5]  Was wollet ihr mir aus dem Lauf Des Monds, der Sonn' verrathen? Sie laufen, und sie drehen sich, Nach dem Befehl der Freundinn.
[6]  Wenn beide Welten in dem Sturm Des Untergangs zerstöben, So blieb mein Blick noch unverwandt Gesenkt zum Pfad der Freundinn.
[7]  O Morgenwind bring bring mir Kohol Bring mir Kohol der Perlen, Bring mirs vom hochbeglückten Staub, Vom Staub der Thür der Freundinn.
[8]  Ich harre an der Freundinn Thür Mit Bitten und mit Flehen. Ha! Wer? wer ruhet an der Brust Und in dem Arm der Freundinn?
[9]  Es mögen über dich Hafis Die Feinde Vieles sagen, Ich danke Gott, daß nimmer ich Mich schämen darf der Freundinn.
495
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.67-32.67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.67
German Translation
[1]  Fodre Wein, und streue Rosen, Alles von der Welt zu fodern; Sprach zur Nachtigall die Rose Auf der Gartenflur. Was sagst du?
[3]  Schreit' einher, mein holder Buchsbaum, Wandle durch die Rosenbeete, Daß von deines Glanzes Anmuth Die Cypresse Haltung lerne.
[4]  O mein süßes Rosenzweiglein, Du bewegst dich in dem Kreise, Um zu wählen, wem soll werden Der Genuß der Rosenknospen.
[5]  Giebt es auf der Welt was Bessers, Als mit Schenken und mit Mädchen Lippen fassen, Wangen küssen, Nektar trinken, Rosen riechen!
[6]  Sieh', es ist des Herzens Kerze Ausgesetzet jedem Winde, Deine übergroße Güte Wird gewiß des Flämmchens schonen.
[7]  Diese Locken, deren Ringeln Sina's Moschus überdüften, Würden mir noch süßer duften, Wär' es Duft von gutem Herzen.
[8]  Meine Lieder bringen alle Vögel in den Hain des Schahes, Du, o Nachtigall erscheine Mit Hafisens neuen Liedern.
22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.8-4.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.8
German Translation
[1]  Du fassest, Freundin, nicht das Wort, Hier liegt der Fehler. Hörst du's von einem Mann von Herz, Sag' nicht dies ist ein Fehler.
[2]  Es biegt mein Kopf sich diesem nicht, Nicht and'rem Leben, Gesegnet sey der Herr für Zwist, Der mir im Kopfe lieget.
[3]  Ich weiß nicht wer das kranke Herz Wohl mag bewohnen, Still bin ich doch, darinnen ist, Beständig Zank und Lärmen.
[4]  Dem Schleier ist mein Herz entflohn, Wo bist du, Sänger? O sing', es bringt noch dieser Ton, Vielleicht mein Herz zurechte.
[5]  Von jeher hatt' ich nichts zu thun, Mit Weltgeschäften, Dein Angesicht hat mir die Welt, Geschmückt für meine Augen.
[6]  Wie oft hab' ich ob deinem Bild, Kein Aug' geschlossen, Durch hundert Nächte trink ich Wein, Wo aber ist die Schenke?
[7]  Es ist die Zelle zwar befleckt, Vom Blut des Herzens, Wenn du mit Wein sie waschen willst, Hast du das Recht in Händen.
[8]  Es brennt in meinem Herzen Gluth, Die nie verlöschet, Deßwegen werd' ich hoch geschätzt, Im Kloster unsers Wirthes.
[9]  Wie, trillerte uns gestern wohl, In Schlaf der Sänger? Daß mir der Lebenshauch entfloh, Daß heut das Hirn noch voll ist. Man gab dem Herzen gestern Ruf, Von deiner Liebe, Aus Sehnsucht ist deßhalb die Brust, Gefüllt mit Sang und Klange.
[10]  Seitdem, als zu Hafisen kam, Der Ton des Liebchens, Ward aus Begier des Herzens Berg, Erfüllt vom Wiederhalle.
369
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.61-28.61
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.61
German Translation
[1]  Freundschaft hab' ich von Freunden erwartet, Leider! hab' ich hierin mich geirret.
[2]  Ach wann tragen die Bäume der Freundschaft, Jetzt erst hab' ich den Saamen gepflanzet.
[3]  Leere Rede geziemt nicht Derwischen, Was geschehen, ist einmal geschehen.
[4]  Deine Augen betrogen mit List uns, Doch wir meinten, dies wäre nur Friede,
[5]  Deine Schönheit betrog sich allein nicht, Mit betrogen ward muthiger Sinn auch.
[6]  Vieles spricht man, doch keiner beklagt sich, Denn wir haben die Huld nicht vergessen,
[7]  Mein, so sprach sie, Hafis, du bist mein nun, Keinen Sammelnden hab' ich bestellet.
344
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.36-28.36
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.36
German Translation
[1]  Lange schon ziel ich nach meinem höchsten Wunsche, Fleh' auf Kosten von meinem guten Namen.
[2]  Daß nicht ohne den Mond die Zeit verfließe. Stellte ich auf dem Weg ein Vogelnetz auf,
[3]  Wo ist Mihr und Wefa, Oreng, Gültscheher Leer für mich ist der Platz zurückgeblieben.
[4]  Kommt von dieser Cypresse zu mir Kunde, Bring ich Bothschaft der Liebe allen Schönen.
[5]  Weiß ich gleich, daß sie mir nicht Ruhe schenket, Fahr ich doch immer fort, auf sie zu losen.
[6]  Meinen Kummer vollenden heisse Seufzer, Die ich Abends und Morgens blutig stöhne.
[7]  Außer mir, und voll Reue, gleich Hafisen, Stoß ich Gläser an in frommen Kreisen.
66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.52-4.52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.52
German Translation
[1]  Klage, klage Bülbül, wenn du mein Freund bist, Wir sind beide verliebt, die Klage ziemt uns.
[2]  Wo die Locke des Freundes Geruch aushauchet, Was hat dorten zu thun die Moschusblase?
[3]  Bringet, bringet mir Wein, mein Kleid zu färben, Denn ich taumle von Stolz und heiße weise.
[4]  Unerfahrenen ziemt die Lust des Haar's nicht, Die Durchtriebenen schlägt der Vogt in Ketten.
[5]  Ein verborgenes Ding erregt die Liebe, Weder Lippen noch Flaum sind dieses Etwas.
[6]  Nicht die schöne Gestalt, nicht Maal und Wangen, Tausend Dingerchen sinds im Herzensraube.
[7]  Nicht ein Körnlein verwirft der wahre Weise Um den Atlas des Manns, der tugendleer ist.
[8]  Freylich ist es nicht leicht zu dir zu kommen, Schwer ists steigen hinauf zum Freudenhimmel.
[9]  Ihren Wonnegenuß fand ich im Schlafe, O des seligen Schlafs, ich neid' ihn wachend. Sieh das Ende der Qual ist angelanget, Doch ich fürchte das End' ist Kälteanfang.
[10]  Reiz mit Klagen Hafis! das Herz nicht, schweige, Denn das ewige Glück hat, wer nicht klaget.
158
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.59-10.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.59
German Translation
[1]  Ich und Weinverleugnung! Was das für ein Fabeln ist! Hoffentlich daß mir doch Noch Verstand geblieben ist.
[2]  Selbst den Weg der Schenke Kennen wir nicht bis an's End', Sagt, zu welchem Ende Frömmigkeit gewesen ist.
[3]  Ich Betrunkner bettle, Klausner zaubern durch's Gebet, Wer von beiden ist's, dem Deine Huld gegeben ist.
[4]  Kommt der Klausner nicht zur Schenke, So sey's ihm verzieh'n, Liebe ist ein Zustand, Dem die Leitung nöthig ist.
[5]  Ich, der lange Zeit durch Auf der Laute närrisch war, Soll mich nun belehren! Was das für ein Fabeln ist!
[6]  Gerne dien' ich ihm, der Von der Dummheit mich geheilt, Meinem Wirth, weil, was er Thut, dem Land zum Besten ist.
[7]  Weil ein Weiser sagte, Die Betrunkenheit Hafisens Bringet Stoff zu klagen, Hatt' ich gestern keinen Schlaf.
236
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.137-10.137
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.137
German Translation
[1]  Wenn dieser Paradiesesvogel Zu meiner Thür zurückkommt, So weiß ich, daß vergangenes Leben Im Alter noch zurückkommt.
[2]  Ich hoffe von der Fluth der Thränen, Die aus den Augen regnet, Daß meines Glückes Wetterleuchten Ein andermal zurückkommt.
[3]  Denjenigen, der meine Scheitel Wie Staub zertritt mit Füßen, Will ich zum Kaiser machen, Wenn er zu mir zurückkommt.
[4]  Ich möchte hinter ihr her gehen, Indem auf diese Weise, Zu meinen Freunden doch die Kunde, Wenn nicht der Mann zurückkommt.
[5]  Göß' ich nicht aus der Seele Perlen, Zu meines Freundes Füßen, So wüßt' ich nicht, was für ein Nutzen Davon mir wohl zurückkommt.
[6]  Ich will den Lärm der Freude schlagen, Vom Dache meines Glückes, Sobald ich sehe, daß die Freundinn, Die fortgereis't, zurückkommt.
[7]  Der Morgenschlaf, der Ton der Laute, Dies hindert meine Freundinn, Die, wenn sie meine Seufzer höret, Gewiß zu mir zurückkommt.
[8]  Es sehnt Hafis sich gleich dem Monde Nach seines Schahes Wangen, Bemühet euch, daß er mit Wohlfahrt Zu meiner Thür zurückkommt.
451
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.23-32.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.23
German Translation
[1]  Es stand der Himmel dir wohl bey Am Tag des Streites, Wie preisest du ihn wohl dafür, Wie zeigest du dich dankbar?
[2]  Der Mann, der fällt, und welchen Gott Dann bei der Hand ergreifet, Dem sage, dir gebühret es, Gefallene zu trösten.
[3]  Man kauft nicht in dem Liebesgau Die Glorie des Schahes, Bekenne dich zum Herrendienst, Zum frommen Sklavendienste.
[4]  O Schenke komm' zur Thür' herein Mit deinen Liebeswimpern, Dann geht der Gram der ganzen Welt Hinaus von meinem Herzen.
[5]  Es liegen auf der Größe Pfad Gar mancherlei Gefahren, Weit besser ist es, daß du leicht Dich auf den Weg begebest.
[6]  Der König denkt auf Stadt und Heer, Auf Kronen und auf Schätze, Derwische denken nur auf Ruh', Auf einen stillen Winkel.
[7]  Ich sage dir ein frommes Wort, Schenkst du mir nur Erlaubniß, Mein Augenlicht weit besser ist's Im Frieden seyn, als kriegen.
[8]  Es steht bei deinem Muth und Sinn Die Wünsche zu erreichen. Du brauchest nur des Schahes Gunst, Und dann die Hülfe Gottes.
[9]  Wasch' die Genügsamkeit Hafis Nicht ab von deinen Wangen, Denn dieser Staub ist besser als Der wahre Stein der Weisen.
311
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.3-28.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.3
German Translation
[1]  In einen frischen Jüngling bin ich verliebt,Ich habe von Gott mir diesen Gram erbeten;
[2]  Ich bin berauscht, verliebt, und sage es laut,Damit du hieraus erkennest meine Tugend.
[3]  Ich schäme mich des Weins beflecket mit Wein,Ich hab es mit Listen und mit Trug geflicket.
[4]  O Kerze! brenn' gelind vor Schmerzen bei ihm,Ich habe mich selber diesem Amt geeignet.
[5]  Ich staunte, und es floh von mir mein Gewinn,An Schmerzen gewann ich, was am Geist entflohen.
[6]  Daß mich vielleicht der frische Jüngling umarmt,Will ich Hafisen gleich die Schenken besuchen.
52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.38-4.38
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.38
German Translation
[1]  Schon seit geraumer Zeit ist die Sehnsucht nach Schönen mein Glaube, Dieser Glaube verleiht Freude dem traurigen Sinn.
[2]  Deinen Rubin zu beschauen, wird ein Auge der Seelen erfordert, Ferne, o ferne davon stehet das irdische Aug.
[3]  Werde mein Freund! wir zieren und schmücken zusammen den Himmel, Du durch des Angesichts Mond, ich durch der Thränen Gestirn.
[4]  Seit mich deine Liebe das Wort der Rede gelehret hat, Bin ich der Liebling des Volks, preiset mich jeglicher Mund.
[5]  Länger verleihe gütig mir noch die Gabe der Armuth, Diesem Reichthum entkeimt meine Vergrößrung und Macht.
[7]  Herr! wer hat das Gebild von jener Kaaba gesehen, Deren Straßendorn mir wie Jasminen entblüht? Wie hat dein Bild das Meer von meinen Thränen durchsteuert? Hat es die Straße gelernt von den Hyaden des Augs?
[8]  Plaudre mir nichts mehr Hafis vom prächtigen Hofe Perwisens, Gerne möchte sein Mund huldigen meiner Schirin.
234
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.135-10.135
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.135
German Translation
[1]  Wenn die Sonne des Weins vom Osten des Bechers heraufkommt, Sieh! wie im Rosenbeet des Schenken die Tulpe herauskommt.
[2]  Auf den Rosen zerschlägt der Ostwind das Haar der Narziße, Wenn von der Mitte der Flur der Duft der Locken des Freunds kommt.
[3]  Die Geschicht' der Trennung fürwahr! ist wahre Geschichte, Deren kleinster Geruch in keinem Buche zur Sprach' kommt.
[4]  Geize niemals, mein Herz, nach dem niederen Tische des Schicksals, Weil mit hundert Beschwerden ein jeder Bißen hervorkommt.
[5]  Keiner gelangt' durch eigenen Fleis zu der Pforte des Wunsches, Freilich meint' ich, daß dies auch ohne Hülfe zu Stand kommt.
[6]  In des Grams Sündfluth bewähr' dich geduldig, wie Noe, Sey dann gewiß, daß dein Wunsch für tausend Jahre zu Stand kommt.
[7]  Geh'st du einstens vorbei am Grabe Hafisens, so wiße, Daß aus seinem Staub ein Tausend von Seufzern hervorkommt.
75
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.61-4.61
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.61
German Translation
[1]  Deiner Narziß' schelmischer Schlaf, ist nicht umsonst; Deines verwirrten Haars Geringel Ist nicht umsonst.
[2]  Als ich dich sah milchigen Munds sagte ich schon Diese Verschwendung deines Zuckers Ist nicht umsonst. Lippen und Mund sind ein verjüngender Quell; Aber am Kinn der Brunn des Grübchens Ist nicht umsonst.
[3]  Lange genug lebe vergnügt! Wenn ich gleich weiß Pfeile der Wimpern auf dem Bogen Sind nicht umsonst.
[4]  Kummer und Schmerz, Trennung und Gram, lasset auf immer Glaube mein Herz dieses Flehen und Klagen Ist nicht umsonst.
[5]  Gestern entfloh'n ihrem Gemach, Lüftchen der Flur Deine zerspaltne Brust o Rose! Ist nicht umsonst.
[6]  Halte dem Volk Liebesgefühl, immer versteckt; Augen Hafis! die Thränen weinen, Sie sind nicht umsonst.
281
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.10-16.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.10
German Translation
[2]  Denn sie rauben das Herz, und sie bezaubern durchs Wort.
[3]  Ostwind gehst du die Wohnung von meiner Selma vorüber,Hoff' ich, daß du ihr Schönes entrichtest von mir.
[4]  Löse behutsam den Knäul von ihrem verworrenen Haar' auf,Herzen stecken darin, daß du sie ja nicht verwirrst.
[5]  Sag' ihr, es hab' an ihr Maal mein Herz der Fordrungen viele,Sie bewahr' es daher schonend in Ambragemisch.
[6]  Dort wo Gesundheit man trinkt aufs Angedenken des Munds,Ist ein Schurke, wer dort bleibt sich selber bewußt.
[7]  Ehren und Güter sind nicht an der Thüre der Schenke zu haben,Wer da trinket der werf', was ihm gehöret in's Meer.
[8]  Wer vor Leiden sich fürchtet, dem ziemt nicht das Leiden der Liebe;Unser Haupt ist ihr Fuß! unsere Lippen ihr Mund.
[9]  Deine Lieder Hafis! sind wahrlich der Grundreim der Dichtkunst
46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.32-4.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.32
German Translation
[1]  Rosen am Busen! Wein in der Hand, Die Liebste nach Willen! Dann sind Kaiser meine Sklaven
[2]  Weg mit den Lichtern, traget sie weg! In dieser Versammlung Scheinet heut der Liebsten Vollmond.
[3]  Wein ist erlaubt nach unserm Gesetz; Doch ohne dein Antlitz
[4]  Lautengetön erfreut das Ohr Das Auge verweilet Auf den Lippen, auf dem Glase.
[5]  Rosenceder ists verbothen. Rosengeruchs bedürfen wir nicht, Es duften die Seelen Vom Geruche deiner Locken.
[6]  Rede mir nicht vom Zuckergebäck! Der Zucker der Lippen Ist der höchste meiner Wünsche.
[7]  Seit im verstörten Busen der Schatz Des Kummers verwahrt liegt, Liege ich verstört in Schenken.
[8]  Sprich von Schimpf nicht, Schimpf ist mein Ruhm. Was fragst du vom Ruhme? Ruhm ist mir zum Schimpf geworden.
[9]  Rauschig und taumelnd schmachtenden Blicks Durchzieh' ich die Straßen, Zeige sich, der mir nicht gleichet!
[10]  Saget hievon der Obrigkeit nichts Begabet mit Trinklust Ist sie selber anzuschauen.
[11]  Bleibe nicht ohne Liebchen und Wein Hafis bei dem Feste Zu der Zeit der Rosenblüthe.
406
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.2-30.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.2
German Translation
[1]  Sie sprach: du giengst hinaus den neuen Mond zu schauen, Als ob er nicht von meinen Brau'n beschämet würde.
[2]  Sie sprach: dein Herz ist längst in meinem Haar gefangen, Nicht sorglos sey deßhalb, die Freunde zu bewahren.
[3]  Verkauf' nicht den Verstand um's schwarze Haar der Freundin, Ihr gelten tausend Moschusblasen nicht ein Körnlein.
[4]  Es schießt empor der Treue und der Liebe Saamen. Sobald der Duft von dem Genuß der Freundinn wehet.
[5]  O Schenke bring' den Wein, ich will dir Etwas sagen, Vom alten Glücksgestirn, vom Lauf des neuen Mondes.
[6]  Es lehrt der neue Mond am Aufgang jeden Monats Die Krone Siameks und Schews sey längst verschwunden.
[7]  Hafis! beim alten Wirth ist alter Treue Zuflucht, Lies ihn, und hör', was er von Liebe lehret.
336
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.28-28.28
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.28
German Translation
[1]  Sag' an die Kunde des Genußes, Vom Sitz der Seele steh' ich auf, Ich bin des Paradieses Vogel, Vom Netz der Erde flieg' ich auf.
[2]  Wenn du mich deinen Diener nennest, Thu' ich Verzicht auf Zeit und Ort, Und schwinge mich blos dir zu Liebe Hoch über alle Herrschaft auf.
[3]  O Herr! send' aus der Leitung Wolke Doch einen Regen mir herab. Eh' daß ich als ein leichtes Stäubchen Aus dieser Mitte fliege auf.
[4]  Sitz' anders nicht an meinem Grabe, Als mit dem Becher, mit Gesang, Ich stehe dann vor deinem Dufte Mit Springen und mit Tanzen auf.
[5]  Steh' auf! und zeige deine Höhe, O du, mein Abgott! süßen Gangs. Ich stehe, wie Hafis, von allem, Von Geist und Gütern gerne auf.
[6]  Ich bin zwar alt, allein im Dunkeln, Magst du mich wohl umarmen fest, Ich stehe dann zur Geisterstunde An deiner Brust als Jüngling auf.
479
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.51-32.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.51
German Translation
[1]  Morgen ists; Thau entträufelt den Frühlingswolken, Grüße den Morgen, gieb mir ein Glas zu trinken.
[2]  Ueber das Ich und Wir bin verwirrten Sinns ich. Reiche mir Wein, das Ich und das Wir zu meiden.
[3]  Trinke des Bechers Blut, denn gerecht ist selbes. Erinnre dich nur der Freunde, dies heißet handeln. Sollte der Morgenrausch dir vielleicht in Kopf geh'n. Schaffe sogleich Geschämigkeit aus dem Kopfe.
[4]  Schenke sey nah', es lauert der Gram im Rücken, Horche dem Sänger, wo du auch wandeln mögest.
[5]  Reiche mir Wein, es sprach mir in's Ohr die Laute: Freu dich des Lebens, glaube dem Wort der Alten.
[6]  Nichts zu begehren ist, o Hafis, das Beste, Dies war der Wunsch, ertönet es dankbar dem Sänger.