121
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.22-10.22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.22
German Translation
[1]  Es ist gewiß, wer den Sinn Im Freund versammelt hat, Das gute Glück zur Folgemagd Und zur Gefährtinn hat.
[2]  Weit höher ist, als der Verstand, Der Liebe Kabinet, Die Thüre küßt nur, wer die Seel In seinem Aermel hat.
[3]  Es ist der Mund des Freund's vielleicht Das Siegel Salomons, Das unter des Rubinens Macht Die Welt zu Diensten hat.
[4]  Mein Freund hat einen Moschusflaum, Und Lippen wie die Gluth, Ich will dem Schönen schmeicheln fein, Der dies und jenes hat.
[5]  Wohlhabender, die Armen schau' Nicht mit Verachtung an; Indem der Ehren erster Platz Viel arme Sitzer hat.
[6]  Weil du noch auf der Erde bist, Benütz' Gelegenheit, Indem das Grab unendlich viel Unnützer Zeiten hat.
[7]  Es schirmt von Uebeln Seel' und Leib Der Armen Herzgebet, Indeß, wer sich vor Armen schämt, Kein gutes Ende hat.
[8]  O sprich von meiner Liebe doch Zum Schah der Schönen Ost! Zu ihm, der Keichosrew, Dschemschid Zu seinen Dienern hat.
[9]  Sagt er, ich will nicht, daß in mich Hafis verliebet sey, So sage, daß die Bettler selbst Der Fürst zu Freunden hat.
150
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.51-10.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.51
German Translation
[1]  Wenn von diesem Wein der Schenke In das Glas wirft, Er in Trunkenheit die Weisen Ganz gewiß wirft.
[2]  Wenn er zu des Haares Stricken Korn des Maals legt Er gewiß die Vögel alle In das Netz wirft.
[3]  O des Glückes, wenn der Trunkne Nicht mehr recht weiß, Ob er zu den Füßen Turban Oder Kopf wirft.
[5]  Strebe, Tugend zu erwerben, Wenn es Tag ist. Weil das Trinken an dem Tage Rost auf's Herz wirft.
[6]  Für die Trinker ist der Morgen Dann im Vollglanz, Wenn der Abend seinen Schleier Auf die Welt wirft.
[7]  Hüt' dich, daß du mit dem Vogte Jemals Wein trinkst. Weil er, wenn er Wein getrunken, Stein' in's Glas wirft.
[8]  Heb' Hafis gemuth den Scheitel Bis zur Sonn' auf, Wenn dein gutes Glück den Vollmond Dir zum Loos wirft.
220
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.121-10.121
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.121
German Translation
[1]  Des Herzens Blut von meinem Auge Auf das Gesicht herunter geht, Was soll ich sagen, was vom Auge Auf das Gesicht herunter geht.
[2]  Ich habe tief in meinem Busen Die Sehnsucht und Begier versteckt, Und diese Sehnsucht ists, durch welche Mein Herz einst in die Lüfte geht.
[3]  Sobald mein liebgewohnter Vollmond Daher in seinem Kleide geht.
[4]  Ich habe in den Staub des Weges Des Freundes mein Gesicht gelegt, Wohl billig ist, daß beim Gesichte Er als bekannt vorüber geht.
[5]  Der Augen Wasser ist ein Gießbach, Durch dessen Kraft ein jedes Herz, Und wär' es von dem härt'sten Steine, Von selbst aus seinem Platze geht.
[6]  Mit meines Auges Thränenstrom Hab' ich zu zanken Tag und Nacht, Ich frag' ihn aus, warum er immer Nach des Geliebten Wohnung geht.
[7]  Es geht Hafis mit reinem Herzen Und fröhlich zu der Schenke hin, Wie reinen Sinns ein frommer Mann In seine Zelle geht.
450
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.22-32.22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.22
German Translation
[1]  Es ist schon eine gute Zeit, Daß du mich in Erwartung hältst, Und daß du deinen Diener nicht Auf gleichen Fuß mit Andern hältst.
[2]  Der Winkel deines Auges ward Zu meinem Wohle aufgemacht, Ist's recht, daß du die Liebenden Auf solche harte Weise hältst?
[3]  Weit besser ist's, wenn du den Arm Vor aller Leute Blick versteckst; Du der die Hand stets in das Blut Der Redlichen getauchet hältst.
[4]  Es kann sich nicht die Nachtigall, Die Rose nicht von dir befreien, Weil du sie mit zerrißnem Kleid Und Wehgesang von dannen hältst.
[5]  O du der mit dem blauen Kleid Noch Ruhe und noch Frieden suchst, Ich weiß, daß auf Geheimnisse Unwissender du vieles hältst.
[6]  O meine Lampe, o mein Licht, Narzisse der Betrachtenden, Was treibet dich wohl an, daß du Den wunden Kopf so schwer nur hältst. So lang der Ost, die Nachtigall Den Rosen deine Schönheit liest, So sey versichert, daß du gleich Sie alle in Erwartung hältst.
[7]  Es kam der Stoff zum Glas Dschemschids Hieher aus einer andern Welt, Ich weiß, daß du auf Lehm und Thon Der Kannegießer vieles hältst.
[8]  Der Vater der Erfahrung bist Nur du mein Herz seit langer Zeit, Ich weiß nicht, wie du Lieb' und Treu' Von Jünglingen für möglich hältst.
[9]  Du leer vor allen Andern aus Den Beutel Silber oder Gold, Sobald nach Silberbusichten Du Sehnsucht und Verlangen hältst. Das Herz, der Glaube ist dahin, Doch sprechen kann ich nicht gerad Indem du mein verbranntes Herz Noch immer so von ferne hältst.
[10]  Wiewohl die Trunkenheit, der Rausch Nur meine eigne Sünde ist, So sprach ein Liebender doch jüngst, Daß du dazu uns unterhältst.
[11]  O bringe nicht mit Traurigkeit Hafis! den Tag des Heiles zu, Ich weiß nicht, was auf dieser Welt Du für Erwartung hegst und hältst
351
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.43-28.43
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.43
German Translation
[1]  Gott bewahr! zur Zeit der Rosen, Auf den Wein Verzicht zu thun. Ich der mit Verstande prahle, Wie vermöcht' ich dies zu thun?
[2]  Ha! wo ist der Sänger! alle Tugend und Bescheidenheit Will ich bei dem Ton der Flöte Und des Saitenspiels verthun.
[5]  Mich erschrecken nicht die Sünden, Denn am Tage des Gerichts Wird man durch die Huld des Herrn Sünden aus dem Buch austhun.
[6]  Ha! wo ist der Both' des Morgens, Denn die Klagen dieser Nacht Soll er jenem Freund des Glückes Meinerseits zu wissen thun. Einstens ward der Staub des Körpers Abgeknetet mit dem Wein, Sagt, was fodert Ihr, ihr Tadler, Kann darauf Verzicht ich thun.
[7]  Diese mir gelieh'ne Seele, Die ich von dem Freund erhielt, Will sobald ich ihn nur sehe, Ich sogleich beiseite thun.
48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.34-4.34
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.34
German Translation
[1]  Der Weise hat im Glanz des Weins Verborgenes erkannt, Denn es wird Jedermanns Natur Durch diese Perl' erkannt.
[2]  Den Werth der Rose hat allein Die Nachtigall erkannt; Nicht jeder, der ein Blättchen liest, Hat auch den Sinn erkannt.
[3]  Die beiden Welten bracht' ich dar Dem vielerfahrnen Herz; Es hat nur deiner Liebe Werth, Den Rest für nichts erkannt.
[4]  Vorbei ist nun die falsche Schaam Vom Angesicht des Volks, Seit dem mich im Verborgenen Der Wächter hat erkannt.
[5]  Der Schöne meynte: daß für jetzt Nicht Zeit zur Ruhe sey; Deßhalb hat er dem armen Geist, Verläng'rung zuerkannt.
[6]  Die Rose und den Wein verkehrt Durchs Anschaun in Rubin, Wer nur den wahren Werth des Hauchs Der Seligkeit erkannt.
[7]  Du der vom Buche der Vernunft Die Liebe lernen willst, Ich fürchte, du hast diesen Punkt Nicht wie du sollst erkannt.
[8]  Bring' Wein! denn mit der Rose prahlt Kein Mensch auf dieser Welt, Der die Verwüstungen des Winds Im Herbste hat erkannt.
[9]  Hafis hat diese Perlenschnur So die Natur ihm gab, Für unläugbare Wirkungen Der Held Assafs erkannt.
187
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.88-10.88
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.88
German Translation
[1]  Brenne mein Herz, es wird der Brand Dir vieles Unheil sparen, Bitten von einer halben Nacht, Entfernen hundert Uebel.
[2]  Wenn du die Schönen tadeln willst, So thu's mit süßen Worten, Augengekos't derselben kann Wohl hundertmal dich strafen.
[3]  Wer sich dem Dienst des Glases weiht, Worin die Welt sich spiegelt, Hebet den Schleier sicher auf, Der die Welten trennet.
[4]  Siehe, der Arzt der Liebe ist Ein Heiland süßen Odems, Wenn er dich aber krank nicht sieht, Wen soll er dann wohl heilen.
[5]  Traue dem Herrn in deinem Thun, Und sey dann frohen Herzens, Wenn sich auch keiner dein erbarmt, So wird sich Gott erbarmen.
[6]  Ueber das umgestürzte Glück Bin ich mit Rechten traurig, Aber vielleicht gedenkt man mein, In dem Morgensegen.
[7]  Wehe! Hafis ist verbrannt, es kam Kein Duft aus Freundes Locken, Aber vielleicht verweis't der Ost Mich zu diesem Glücke.
49
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.35-4.35
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.35
German Translation
[1]  Der Garten Edens ist die Zelle der Derwische. Es quillt ein Ehrenquell im Dienste der Derwische.
[2]  Der Schatz der Einsamkeit mit feinem Talismann Wird nur gehoben durch die Blicke der Derwische.
[3]  Des Himmels herrlichster Pallast mit seinem Hüter Ist nur ein Schatten von den Fluren der Derwische.
[4]  Der Stein der Weisen, der durch Glanz des Herzens Eisen In Gold verkehrt, liegt in dem Umgang der Derwische.
[5]  Die Sonne legt die Krone ihres Stolzes nieder, Vor jenem Scheine der umstrahlet die Derwische.
[6]  Suchst du die Herrschaft die kein Untergang bedrohet, Hör's ohne Groll, dieß ist die Herrschaft der Derwische.
[7]  Chosroen sind der Nöthen und der Bitten Kibla, Warum? Sie selber sind die Diener der Derwische.
[9]  Das Heer des Unrechts ist von Pol zu Pol gelagert, Allein des Siegs Gelegenheit ist für Derwische.
[10]  O Reicher prahle nicht mit deinem Glanz und Stolze; Denn Gold und Silber ist ein Segen der Derwische.
[11]  Der Schatz Karun's er gieng zu Grund im Grimme Gottes, Wie die Geschichten sagen, aus Mißgunst der Derwische.
377
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.69-28.69
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.69
German Translation
218
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.119-10.119
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.119
German Translation
[1]  Wer von Ewigkeit her die Huld des Glückes verdient hat, Wird in Ewigkeit hin trinken den Becher nach Wunsch.
[2]  Als ich den Wein begehrte, da überfiel mich die Reue, Nach gekosteter Frucht, sagte ich, werd' ich's bereu'n.
[3]  Nun gesetzt, ich nähm' auf die Schultern den Teppich wie Lilien, Wäre mein Ordenskleid doch rosengefärbet vom Wein,
[4]  Ohne das Licht des Weins vermag ich nicht einsam zu sitzen, Des Vernünftigen Zell' ist ja beständig erhellt.
[5]  Fröhlichen Muths! wenn auch das Glas nicht mit Steinen besetzt ist, Wackeren Trinkern gilt Nektar der Reb' als Rubin.
[6]  Scheinet mein Thun gleich ohne Besinnung, so ist es doch ernsthaft, Denn das Betteln gilt hier mir für die Würde des Schahs.
[7]  Siehst du gute Männer mein Herz, so fliehe die Bösen, Böser erlernter Brauch ist von der Thorheit ein Maal.
[8]  Jetzt im Frühling, im freundlichen Kreis, bei trauten Gesprächen Nicht zu nehmen das Glas von dem Geliebten ist dumpf.
[9]  Sehet, Hafis trinkt Wein im Verborgenen, so sagte ein Frommer; Frommer! was heimlich geschieht, ist noch nicht Sünde deßhalb.
302
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:27.1-27.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:27.1
German Translation
[1]  Gott behüte dich Bothe der Freude,Sey willkommen, willkommen, o komm!
[2]  Ostwind bringe mir fröhliche Kunde,Denn es kommt die Zeit des Genußes,
[3]  Ohne Ende sind Liebesgeschichten,Hier verstummet die Sprache der Worte.
[4]  Was macht Selma, und Alle von Salem?Was die Nachbarn, und wie ist ihr Wohlseyn?
[5]  Nach dem Bau verfiel das Gebäude,Fragt um seine Gestalt die Ruinen.
[7]  Deine Schönheit entflammt mich mit SehnsuchtGott behüt' vom genaueren Aug' dich,
[8]  Ausgeleeret sind die Plätze des Festes,Angefüllet hingegen die Becher.
[9]  Nacht der Trennung du streckest die Schatten,Nachtgesichter was spielet ihr dorten?
[10]  Keinem wendet das Liebchen den Blick zuO des Stolzes! der Größe! des Hochmuths!
186
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.87-10.87
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.87
German Translation
[1]  Wenn der Wirth, was noth ist, Trunk'nen macht, Ist's gewiß, daß Gott ihn selig macht.
[2]  Gieb den Wein uns mit gerechtem Maas, Weil der Armen Klagen Unheil macht,
[3]  Sicher werd' von Leiden ich befreyt, Nach Versprechen, die man mir gemacht.
[4]  Weiser, geht's dir schlecht und Andern gut, Schmähle nicht, denn dies hat Gott gemacht.
[5]  Hier, wo Tugend und Verstand nicht gilt, Nützt kein Großthun, das ein Schwacher macht.
[6]  Singe! Keiner starb noch ohne Loos, Wer nicht singt, hat es nicht recht gemacht.
[7]  Ich, erkrankt aus Liebe und aus Rausch, Werde durch Rubin gesund gemacht.
[8]  Ohne Geist verbrennet ist Hafis, Wo ist Jesus, der lebendig macht.
494
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.66-32.66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.66
German Translation
[1]  O Herz! wenn du aus diesem Brunn' Des Kinns herauskömmst, Ich weiß, daß du wo immer dann Mit Reu herauskömmst.
[2]  So gieb dann Acht, und höre was Die Seele flüstert, Daß du nicht aus dem Paradies Zuletzt herauskömmst.
[3]  Mein Herz, wenn dir der Himmel nichts Zu trinken reichet, Und wenn du durstig von dem Quell Der Kraft herauskömmst;
[4]  Ich will mich wie der Morgen weih'n, Aus bloßer Sehnsucht, Vielleicht, daß wie die Sonne du Mit Glanz herauskömmst.
[5]  Von mir empfängst du, wie der Ost, Den Hauch des Muthes, Daß du wie Rosen wohlgemuth Vom Dorn herauskömmst.
[6]  Es kam in finstrer Trennungsnacht Die Seel' zum Munde, Nun ist es Zeit, daß wie der Mond Du auch herauskömmst.
[7]  Dem Aug' entströmt ein Thränenbach Vor deiner Thüre, Daß du, wie die Cypreß' zur Fluth, Mit Huld herauskömmst. Du sitzest lange schon im Haus Der Schmach, des Grames. Es ist schon Zeit, daß du zum Glück Des Schahs herauskömmst.
[8]  Hafis! o gräme dich nicht sehr, Weil dieser Jussuf Einst wieder kömmt, und du alsdann Vom Gram herauskömmst.
425
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.10-31.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.10
German Translation
[1]  Er schleppte nach die Schleppe Vom goldgestickten Hemd, Und hundert Mondgesichter Zerrissen ihr Gewand.
[2]  Der Schweiß trof auf die Wangen Von heißer Gluth des Weins, Wie auf die Rosenblätter Ein Tropfe frischen Thaus.
[3]  Voll süßer schöner Worte, Hochstämmig und gewandt, Vom lieblichen Gesichte Und anmuthsvollem Blick.
[4]  Es war aus Lebenswasser Geformt des Munds Rubin, Sein Buchs war aufgewachsen, Genährt mit Schmeichelei'n.
[5]  O schaue die Rubinen Und dieses Lächelns Reiz, Den Gang voll Huld und Anmuth, Den wohlgemeßnen Schritt.
[6]  Der Hirsch mit schwarzen Augen Entkam aus unsrem Netz, Was ist zu thun, o Freunde, Für ein zerschlagnes Herz!
[7]  Hüt' dich, bist du's im Stande, Rühr' Liebende nicht an, Die Welt hat keine Treue, O du mein Augenlicht!
[8]  Wie lang schilt mich dein Auge, Das alle trüget, aus? Wann wirst du mir dann schmeicheln, Mein auserwählter Freund?
[9]  Hat deine edle Seele Beleidiget Hafis, So komm', denn That und Worte Will herzlich ich bereun.
[10]  Ich will den Herren loben Aus schuld'ger Dankbarkeit, Wenn diese Frucht gereifet In meine Hände fällt.
276
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.5-16.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.5
German Translation
[1]  Der Gärtner, dem fünf Tage langGespräch der Rosen ziemet,Er weiß wohl, daß der NachtigallDes Dornes Leiden ziemet.
[2]  In ihrer Locken Banden klag'Nicht über dein Verderben,Weil kleinen Vögeln in dem NetzKein Weheklagen ziemet.
[3]  Was hat der Trunkene der WeltZu thun wohl mit Geschäften?Da Rath und tiefe UrtheilskraftZu dem Geschäfte ziemet.
[4]  Ungläubig ist, wer auf dem WegDer Lieb' und Tugend prahlet,Weil, wenn er Tausende auch hat,Ihm doch Vertrauen ziemet.
[5]  Mit solchen Wangen, solchem HaarZu spielen sey verboten,Wenn immer Hyacinthen HaarJasminenantlitz ziemet.
[6]  Der trunkenen Narziße ziemtLiebkosungen zu spenden,So lang dem wüsten Herz die LustDes dunkeln Haares ziemet.
[7]  O Schenke sag', was weigerst duDas Glas herum zu geben?Da den Verliebten in dem KreisEin stetes Drehen ziemet.
[8]  Wer ist Hafis, daß er den WeinNicht ohne Lärmen trinket;Wer sagt daß armen LiebendenSo vieler Aufwand ziemet? 
282
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.11-16.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.11
German Translation
[1]  Ich klage über meine Leiden nicht,Denn keine Ros' ist ohne Dorn,Kein Honig ohne Stachel.
[2]  Geduld, Verstand und Kraft hat mir geraubtMein Götze mit dem Herzens-Stein,Dem Ohrgehäng' aus Silber;
[3]  Er wohlgebaut und schnell gleich den Peris,Ein zarter Knab', dem Monde gleich,Ein Türke grob gekleidet.
[4]  Vom Feuer seiner Liebe angebrannt,Und von Begier nach ihm entflammtSied' ich empor in Wallung.
[5]  Vergnügt bin ich, und wie mein Hemde still,Wenn mir den Freund, statt des Kaftans,Erlaubt ist zu umarmen.
[6]  Ist mein Gebein schon längst in Staub verweßt,So wird doch seine Liebe nieAus meiner Seele wandern.
[7]  Geraubt ist Herz und Glauben, Glaub' und HerzDurch seine Schultern, seine Brust,Durch seine Brust und Schultern.
414
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.10-30.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.10
German Translation
[1]  Es blüht der Wollust Rosenstrauch, Wo ist der Schenke mit den Rosenwangen, wo? Es wehet Frühlingshauch, Wo ist der Wein, leicht zu verdauen, wo?
[2]  Die neue Rose zeiget mir Ein frisches rosenwangichtes Gesicht. Wo ist ein Ohr, das auch mich hört, Ein Aug', das achtungsvoll mich schauet, wo?
[3]  Es ist die Lustgesellschaft nicht Geschmücket mit der Schminke meines Sinns. O du des Morgens milder Hauch, Wo ist der Freundinn Locken Moschus, wo?
[4]  O Morgenwind, ich dulde nicht Der Rosen eitle Schönheitsprahlerey, Die Hand befleckte Herzensblut, Wo zeih'st du sie der Lügen, Ostwind, wo?
[5]  Des Morgens Kerze rühmte sich Mit ihrem trüben Schleier gegen dich, Du wirst vom Feinde ausgeschmählt, Wo ist ein hellgeschliffner Degen, wo?
[6]  Sie sprach: vielleicht verlanget dich Nach den Rubinen meiner Küsse nicht, Ich sprach: aus Sehnsucht bin ich dort, Doch, wo ist meine Kraft und Stärke, wo?
[7]  Hafis bewahret zwar den Schatz Der hohen Weisheit in dem Wort des Lieds; Allein wo ist ein Dichtermund, Den nicht der Gram des Schicksals drücket, wo?
235
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.136-10.136
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.136
German Translation
[1]  O der guten Zeit! Wenn der Freund zurückkommt, Wann nach der Betrübten Wunsch, Der sie kränkt, zurückkommt.
[2]  Nach dem Schah der Fantasie Sah ich heut mit halbem Schielen, Hoffend, daß der Reiterfürst Bald, sehr bald zurückkommt.
[3]  Wenn mein Kopf nicht willig ist, Seinem Schlägel sich zu fügen, Was soll sagen ich vom Kopf, Wer wohl über ihn noch kommt.
[4]  Ruhig saß ich, wie der Staub An dem Ende seines Weges Hoffend, daß auf diesem Pfad Er zu mir zurückkommt.
[5]  Glaube mir, in's Herz, das sich Mit Beständigkeit dem Saume Seiner Locken hat ergeben; Nie Beständigkeit zurückkommt. Meine Thränen werden nie Am Gestade Wogen schlagen, Wenn sein Wuchs so fein wie Haar, Mich zu retten, noch zurückkommt.
[6]  Was für Leiden tragen nicht In dem Winter Nachtigallen, In der Hoffnung, daß der Lenz Auf die Fluren bald zurückkommt.
[7]  O Hafis, ich hoffe wohl, Von dem Maler meines Schicksals, Daß von der Cypreß' ein Zweig In die Hände mir zurückkommt.
346
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.38-28.38
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.38
German Translation
[1]  Ich thu' auf Schöne und auf Schenken nicht Verzicht, Es weiß gar wohl der Vogt, daß ich Nichts solches thue,
[2]  Ich dien' zehn Jahre lang', den Büßenden zum Spotte, Ich wär' ein Narr, wenn ich zur Zeit der Rosen büßte,
[3]  Die Liebe perlt im Schenkemeer, ich bin der Taucher, Ich stürze mich hinab, wann komm' ich in die Höhe!
[4]  Die Tulpe hält den Becher, und Narzißen trinken, Dies ist Verbrechen, wer, o Herr, macht hier den Ausspruch?
[5]  Mein Türk! du Stadtverwirrer, zieh zurück den Zügel, Daß blaß und weinend ich dir Gold und Silber streue. Es ziemen mir zwar nicht Liebkosungen der Trunknen, Da ich darein verfiel, was soll ich anders denken? Man sagte gestern, Kandel spenden deine Lippen, Wie glaub' ich's, bis ich's nicht mit meinem Munde fühle. Von meinem Loos begehre ich der Brauen Kanzel, Damit ich früh und spät dort Liebe lehren möge. Ich der des Paradieses Gold schon heut besitze, Wie glaub' ich, was der Prediger verspricht auf Morgen! Ich bin ein Knecht des Schahs Mansurs, es ist natürlich, Der Sonne Herren stell' ich mich mit Stolz zur Seite.
[6]  Mein Schatz ist der Rubin, die Perlenschnur die Thränen, Was soll ich nach der Huld der hohen Sonne geizen!
[7]  Wenn mit des Hauches Fluth der Ost die Rosen reinigt. So heiße mich ein schiefes Herz, wenn ich rum schaue.
[8]  Auf Bündniß und Vertrag des Glücks ist nicht zu achten, Ich schließe meinen Bund mit Bechern und mit Schenken.
[9]  Ich, der den Schatz des Reichs in Händen halt' als Bettler, Was soll ich nach des mindern Glückes Umschwung geizen! Sey fromm, so sagst du mir zur Rosenzeit; sehr gerne, Nur will ich erst um Rath das Glas, den Schenken fragen.
[10]  Ich bin befleckt mit Armuth, daß ich müßt' mich schämen, Wenn ich mit Augennaß den Saum der Sonne netzte.
[11]  Verdammt die Liebenden der Freundinn Huld zum Feuer, So sey ich blind, wenn ich nach Kewßern schaue. Wenn ich wie Weiden ohne Frucht und nackt verbleibe, Wie kann ich meinen Kopf alsdann aus Schaam erheben.
[12]  Es schmeichelten, Hafis, dir gestern die Rubinen, Allein ich glaube nicht an diese Zaubereien.
32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.18-4.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.18
German Translation
[1]  Gott hat deiner Augenbrauen Schöne Formen gebunden, Er hat meines Lebens Freude An dein Lächeln gebunden.
[2]  Er hat mich und die Cypreße In die Erde gesenket, Seit er den Narzißenstiel nach Deinem Wuchse gebunden.
[3]  Hundert Herzensrosen werden Durch den Ostwind eröffnet, Die durch Sehnsucht verbunden.
[4]  Deine Banden trag' ich, und der Himmel ist es zufrieden, Doch umsonst! der Faden ist an Deinen Willen gebunden.
[5]  O zerdrück' mein armes Herz nicht, Wie den Beutel des Moschus, Denn es ist mit deinen Locken Kraft Verträgen verbunden.
[6]  Ach du schenkest auch andern Leben, Zarter Hauch des Genusses, Sieh den Irrthum, sieh ich glaubte Mich an Treue gebunden.
[7]  Deiner Strenge müde sprach ich: Aus der Stadt will ich fliehen, Flieh Hafis, so sprachst du lächelnd, Flieh, dein Fuß ist gebunden.