99
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:9.1-9.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:9.1
German Translation
[1]  Mein Herz verlangt nach dem Gesicht Farruch's,Es ist verwirret wie das Haar Farruch's,
[2]  Ich nehme aus sein Hindufarbes Haar,Sonst Niemand naht sich dem Gesicht Farruch's,
[3]  O dreymal glücklich ist er, dieser Schwarze,Er, der Begleiter und Gefährt' Farruch's,
[4]  Wie Weiden zittert die Cypreß' im Garten,Sobald sie sieht den hohen Wuchs Farruch's
[5]  Gieb mir den safranfarben Wein, o Schenke,Zum Angedenken der Narziß' Farruch's.
[6]  Aus Gram hat sich mein Leib gekrümmt zum Bogen,Zum Bogen wie die Augenbraun' Farruch's,
[7]  Den Moschushauch vom Tartarland beschämet,Der Hauch des Ambradufts vom Haar Farruch's.
[8]  Wenn jedes Herz sich neigt nach einer Seite,So neiget meines sich ganz zu Farruch.
[9]  Ich diene gern dem hohen Geist von Jenem,Der wie Hafis sich nennt ein Sklav Farruch's.
183
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.84-10.84
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.84
German Translation
[1]  Gestern Morgens ward mir von Leiden Rettung gegeben In der Finsterniß ward mir Quelle des Lichtes gegeben.
[2]  Von dem funkelnden Glanz der Wangen ward ich entseelet, Wein aus dem strahlenden Glas der Schönheit ward mir gegeben.
[3]  O der glücklichen Zeit, und o des glücklichen Morgens. In der heiligen Nacht ward ein neues Berat ihm gegeben.
[4]  Künftig bleibt mein Gesicht der Spiegel der Schönheit der Freundinn. Von Liebkosungen wird der Spiegel Kunde mir geben.
[5]  Bin ich freudigen Herzens und froh, was ist es zu wundern, Ich verdiente, was mir von milder Hand ward gegeben.
[6]  Als ich geduldig die Qual, die Leiden des Freundes ertragen, Hat ein verborgener Both die Kunde des Glücks mir gegeben.
[7]  Aller Zucker und Honig, der meinen Worten enttraufet, Ward als ein lohnender Zweig für meine Geduld mir gegeben. Damals wußt' ich zuerst, ich würde die Feinde besiegen, Als man wider den Feind Geduld und Kraft mir gegeben.
[8]  Mit Hafisens Muth hat der Hauch der Früheaufsteher Mir zuerst von den Banden des Grams Befreyung gegeben.
75
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.61-4.61
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.61
German Translation
[1]  Deiner Narziß' schelmischer Schlaf, ist nicht umsonst; Deines verwirrten Haars Geringel Ist nicht umsonst.
[2]  Als ich dich sah milchigen Munds sagte ich schon Diese Verschwendung deines Zuckers Ist nicht umsonst. Lippen und Mund sind ein verjüngender Quell; Aber am Kinn der Brunn des Grübchens Ist nicht umsonst.
[3]  Lange genug lebe vergnügt! Wenn ich gleich weiß Pfeile der Wimpern auf dem Bogen Sind nicht umsonst.
[4]  Kummer und Schmerz, Trennung und Gram, lasset auf immer Glaube mein Herz dieses Flehen und Klagen Ist nicht umsonst.
[5]  Gestern entfloh'n ihrem Gemach, Lüftchen der Flur Deine zerspaltne Brust o Rose! Ist nicht umsonst.
[6]  Halte dem Volk Liebesgefühl, immer versteckt; Augen Hafis! die Thränen weinen, Sie sind nicht umsonst.
178
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.79-10.79
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.79
German Translation
[1]  Des Herzens eingeweihter Freund, In dem Harem der Freundinn bleibt, Und wer davon nicht Kunde hat, Gewiß ein Läugner bleibt.
[2]  Wenn aus dem Schleier dieses Herz Hervorgetreten; schmähe nicht! Gott sey gebenedeit, daß es Mit Wahn umhüllt nicht bleibt.
[3]  Die Frommen haben von dem Pfand Die Kutten wieder ausgelößt, Nur meine ist es, die bis jetzt Als Pfand beim Wirthe bleibt.
[4]  Auch andre Frommen giengen schon, Betrunken wie wir sind, voraus, Indessen von uns ganz allein, Die Sage heute bleibt.
[5]  Rubinenfarber Wein, den ich Aus dem Kristall des Freundes nahm, Ward mir zur bittern Schmerzensfluth, Die in dem Auge bleibt.
[6]  Mein Herz, das schon von Ewigkeit, Durch alle Ewigkeiten liebt, Dies ausgenommen, ist kein Mensch, Der stets beschäftigt bleibt.
[7]  Seht die Narziße schwach und krank, Aus Eifersucht des trunknen Augs, Da sie dasselbe nicht erreicht, Sie krank zurücke bleibt.
[9]  Ich trage eine Kutte zwar, Die aber hundert Fehler deckt, Die Kutte ist schon lang versetzt, Nur noch der Gurt mir bleibt.
[10]  Es wundert Sina's Schönheit sich, Durch deine Reize so verwirrt, Daß sie in jeglichem Gemach An Wänden hangen bleibt.
[11]  Das Herz Hafisens wallte einst Den Pfad zu deinem dunkeln Haar, Es sann, demselben zu entflieh'n, Doch ewig es nun bleibt.
432
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.4-32.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.4
German Translation
[1]  Schenke betrunken vom Glase der Liebe Reiche den Wein! Fülle den Becher, denn traurig ist ohne Wein das Gelag.
[2]  Sieh'! wie der Mond sind die Wangen des Liebsten Schleier verhüllt; Spiele mir Sänger eins auf, und du Schenke Reiche den Wein!
[3]  Lege den Ring des gebogenen Körpers Dir um den Hals, Keine Erlösung sonst seh' ich von diesem Bitteren Schmerz.
[4]  In der Erwartung von deinem Gesichte Schwindet der Tag, Und die Gebilde des Traums sind von deinem Hochgenuß voll.
[5]  Ach! ich bin trunken von jenen zwei Augen, Wo ist das Glas? Ach! und ich kränkle ob jenen Rubinen, Wo ist der Schlaf?
[6]  Sag' mir, Hafis, wie du magst dem Geliebten Weihen das Herz. Ward je ein Durst'ger in Wüsten vom Schein des Wassers gelabt.
269
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:15.3-15.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:15.3
German Translation
[1]  O Herz, das gute GlückSey als Gefährte dir genug!Der Hauch des Gartens von SchirasSey dir als Bot' genug.
[2]  Derwisch entfern' dich nichtDurch Reisen von des Liebchens Ort,Die Reise in Gedanken sey,Die Zelle dir genug!
[3]  Und stürmt der Schmerz auf dichHer aus des Herzenshinterhalt,So ist des Wirthes Hof für dichAls Zufluchtsort genug.
[4]  Komm' auf den ersten PlatzDes Schenkensoffa's trinke Wein,Denn statt der Ehren und des Gold'sDies zu gewinnen ist genug.
[5]  Verlange nicht zu vielUnd mache selbst dir Alles leicht,Denn eine Flasche voll mit Wein,Ein Mond ist dir genug.
[6]  Der Himmel giebt den ZaumDer Wünsche nur Unwissenden,Du bist gelehrt und tugendhaftDer Sünden ists genug.
[7]  Verlasse dich ja nicht HafisAuf Gnaden Anderer, es istFür beide Welten Gottes Gnad'Des Schahes Gnad' genug.
[8]  Für dich Hafis bedarf es wohlKein überflüßiges Gebet,Des Abends und des Morgens istDein Beten schon genug.
309
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.1-28.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.1
German Translation
[1]  Spiele der Liebe, Jugend,Wein gefärbt wie Rubinen,Freundeverein im Stillen,Stäter Trunk, und Gelage;
[2]  Schenken mit Rosenlippen,Sänger, liebliche Stimmen,Edele Welt zum Umgang,Wohlbekannte Vertraute.
[3]  Einen Geliebten, reinerAls das Wasser des Lebens,Eine Geliebte, derenSchönheit reizet den Vollmond.
[4]  Dann ein Gemach zu Festen,Wie die Köschke des Himmels,Rosengeländer, welcheFluren seliger Lust sind.
[5]  Redliche Tischgenossen,Feine Tafelvorsitzer;Freunde, die Zutrau'n werth sind,Und erwünschte Gesellen.
[6]  Rosichten Wein, ein wenigScharf, und leicht zu verdauen,Roth gefärbt, wie Purpur,Wie Rubinen zum mahlen;
[7]  Wimpern des Augs gespitzetZum Verstandes Verderben.Locken des Liebchens HerzenEinzufangen verspreitet.
[8]  Einen beliebten süßenSchwätzer, wie es Hafis ist.Einen erlauchten großenGönner, wie es Kawam ist.
[9]  Wer sich nicht dieses wünschet,Grämle mir im Herzen,Wer sich nicht dieses suchet,Thu' Verzicht auf das Leben.
250
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.6-12.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.6
German Translation
[1]  Zeig' das Gesicht, damit ichMeines Daseyns vergesse,Streu' in den Wind die SpreuVerbrannter Herzen, trage sie fort.
[2]  Augen und Herz hab' ich derFluth des Elend's geweihet,Sage zum Strom' des Grams:Zerstör' mein Wesen, trage es fort.
[3]  Ha! wer vermag den MoschusSeiner Locken zu riechen,Diese Begier, mein Herz,Must du verbannen, trage sie fort.
[4]  Sage der Brust: entflamme denHeuchler, unseren Mobed,Sage dem Aug': verschling'Des Tygers Fluthen, trage sie fort.
[5]  Lebe der Wirth! und leicht istAlles Uebrige sonsten,Andere giebt es nochAus dem Gedächtniß, trag' mich nicht fort.
[6]  Ohne Bemüh'n wird's dir aufDiesem Weg nicht gelingen,Willst du den Lohn, gehorch'Zuerst dem Meister, trag' ihn dann fort.
[7]  Gieb mir das Wort, an meinemSterbetag mich zu besuchen,Und du befreyest michHinfort von Leiden, tragest sie fort.
[8]  Gestern noch sprach er: ich willMorden dich mit den Wimpern,Blutiger Sinn, entfleuchAus seinem Herzen, trage dich fort!
[9]  Denke Hafis! des FreundesZartes weiches Gemüthe,Geh', und entferne von ihmDie Klagetöne, trage sie fort.
450
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.22-32.22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.22
German Translation
[1]  Es ist schon eine gute Zeit, Daß du mich in Erwartung hältst, Und daß du deinen Diener nicht Auf gleichen Fuß mit Andern hältst.
[2]  Der Winkel deines Auges ward Zu meinem Wohle aufgemacht, Ist's recht, daß du die Liebenden Auf solche harte Weise hältst?
[3]  Weit besser ist's, wenn du den Arm Vor aller Leute Blick versteckst; Du der die Hand stets in das Blut Der Redlichen getauchet hältst.
[4]  Es kann sich nicht die Nachtigall, Die Rose nicht von dir befreien, Weil du sie mit zerrißnem Kleid Und Wehgesang von dannen hältst.
[5]  O du der mit dem blauen Kleid Noch Ruhe und noch Frieden suchst, Ich weiß, daß auf Geheimnisse Unwissender du vieles hältst.
[6]  O meine Lampe, o mein Licht, Narzisse der Betrachtenden, Was treibet dich wohl an, daß du Den wunden Kopf so schwer nur hältst. So lang der Ost, die Nachtigall Den Rosen deine Schönheit liest, So sey versichert, daß du gleich Sie alle in Erwartung hältst.
[7]  Es kam der Stoff zum Glas Dschemschids Hieher aus einer andern Welt, Ich weiß, daß du auf Lehm und Thon Der Kannegießer vieles hältst.
[8]  Der Vater der Erfahrung bist Nur du mein Herz seit langer Zeit, Ich weiß nicht, wie du Lieb' und Treu' Von Jünglingen für möglich hältst.
[9]  Du leer vor allen Andern aus Den Beutel Silber oder Gold, Sobald nach Silberbusichten Du Sehnsucht und Verlangen hältst. Das Herz, der Glaube ist dahin, Doch sprechen kann ich nicht gerad Indem du mein verbranntes Herz Noch immer so von ferne hältst.
[10]  Wiewohl die Trunkenheit, der Rausch Nur meine eigne Sünde ist, So sprach ein Liebender doch jüngst, Daß du dazu uns unterhältst.
[11]  O bringe nicht mit Traurigkeit Hafis! den Tag des Heiles zu, Ich weiß nicht, was auf dieser Welt Du für Erwartung hegst und hältst
436
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.8-32.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.8
German Translation
[1]  Hätte dieser schwarze Bart Mir ein Wort geschrieben, O das Blatt von meinem Seyn Wäre aufgeschrieben!
[2]  Bringet Trennung gleich zuletzt Früchte des Genusses, Besser wär's, man hätte jetzt Nicht verpflanzt den Samen. Deine Feder hört nie auf Zucker auszuströmen! Doch du zeigtest Liebe nicht, Schriebest keine Antwort. Hätte dich der Architekt Liebe nicht gebauet, Wär' mit Liebe Menschenthon Nicht geknetet worden?
[3]  Sage mir vom Paradies Nichts, du frommer Klausner, Denn mein Mädchen ist Huri, Und mein Haus ist Eden.
[4]  Nimmer ruht es sich bequem Auf der Liebe Soffa. Mangeln goldne Polster nur, Thun's auch Strohtapeten.
[5]  Gieb nicht für den Prunk Schebads, Für den Garten Erems, Eine Flasche voll von Wein, Eine Saat der Lippen. Was ist für ein Unterschied Zwischen unserm Wissen, Wer nicht sieht, was weiß er wohl, Was da schön und mild sey. Nicht allein in meinem Sinn Ist ein Götzentempel, Ueberall steht ein Alatr, Ueberall Idole.
[6]  Weises Herz, wie lang wirst du Leiden auf der Erde? Weh des Schönen, welches sich Hat verliebt in Wilde.
[7]  Von dem Kleid mit Wein befleckt, Rühret her das Unglück, Sage, wo ist wohl der Mann Deines Sinns und Herzens.
[8]  Warum ließ Hafis dein Haar Wohl aus seinen Händen, So ward es ihm einst bestimmt, Konnt' er anders handeln?
176
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.77-10.77
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.77
German Translation
[1]  Heute früh ist das Glück zu mir ans Bette gekommen, Auf! so sprach es, es ist der süße König gekommen.
[2]  Leere das Glas, und wandere fort dich schaukelnd im Rausche, Daß du siehst, auf welche Art dein Schöner gekommen.
[3]  Mann der Einsamkeit, der des Moschus Gerüche verbreitet, Bringe die Kund', aus Choten sey ein Moschushirsche gekommen.
[4]  Thränen löschen die Gluth der Liebeverbrannten Gesichter, Seufzer und Weh! ist armen Verliebten zu Hülfe gekommen.
[5]  In ein Bogengesicht ist der Vogel des Herzens verliebet, Taube, nimm dich in Acht, es ist der Falke gekommen.
[6]  Schenke reiche den Wein, und frage um Freund und um Feind nicht, Jener hat sich entfernt, und dieser ist umgekommen.
[7]  Als die Frühlingswolke den Lauf der feindlichen Zeit sah, Ist sie weinend herab auf Jasmin und Narziße gekommen.
[8]  Als von Bülbül der Ost die Rede Hafisens gehört hat. Ist er, mit Ambraduft durchweht, zu den Kräutern gekommen.
170
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.71-10.71
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.71
German Translation
[1]  Gestern begab sich Hafis in die Schenke, Ohne Besinnung verlangt er das Glas.
[2]  Gestern hat endlich der Rasende, welcher Becher zerschlagen, sich nüchtern getränkt.
[3]  Träumend erblickt er die Göttin der Jugend. Siehe, da ward er als Greis noch verliebt.
[4]  Schnell gieng ein diebisches Knäblein vorüber, Dieses verlangte Hafis ganz allein;
[5]  Gluthen der Rosen verbrennen Bülbüle, Funken des Lichts sind des Schmetterlings Tod.
[6]  Jegliche Thräne verkehrt sich in Perlen; Dank sey's! mein Klagen war doch nicht umsonst.
[7]  Zauberisch scheint die Narziße des Schenken, Zauberei schleicht sich in unseren Kreis.
[8]  Fürsten besuchen Hafisens Gemächer, Während die Seele bei'm Liebling verweilt.
495
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.67-32.67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.67
German Translation
[1]  Fodre Wein, und streue Rosen, Alles von der Welt zu fodern; Sprach zur Nachtigall die Rose Auf der Gartenflur. Was sagst du?
[3]  Schreit' einher, mein holder Buchsbaum, Wandle durch die Rosenbeete, Daß von deines Glanzes Anmuth Die Cypresse Haltung lerne.
[4]  O mein süßes Rosenzweiglein, Du bewegst dich in dem Kreise, Um zu wählen, wem soll werden Der Genuß der Rosenknospen.
[5]  Giebt es auf der Welt was Bessers, Als mit Schenken und mit Mädchen Lippen fassen, Wangen küssen, Nektar trinken, Rosen riechen!
[6]  Sieh', es ist des Herzens Kerze Ausgesetzet jedem Winde, Deine übergroße Güte Wird gewiß des Flämmchens schonen.
[7]  Diese Locken, deren Ringeln Sina's Moschus überdüften, Würden mir noch süßer duften, Wär' es Duft von gutem Herzen.
[8]  Meine Lieder bringen alle Vögel in den Hain des Schahes, Du, o Nachtigall erscheine Mit Hafisens neuen Liedern.
323
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.15-28.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.15
German Translation
[1]  Du hebst mich nicht auf vom Staube,Wenn ich auch blos Perlen weinte.Schmähe nicht auf meinen BlutdurstDenn ich lehre Moschushirschen.
[2]  Unter meiner Armuth seufz' ich,Schäme mich vor den Gewalt'gen
[3]  Haltet mich in Lockenbanden,Sonst ergreifet mich die Narrheit.
[4]  Frag' mich um den Lauf der WeltenIn der Nacht zähl' ich die Sterne,
[5]  Dankbar küße ich den BecherDenn er lehrte mich mein Schicksal.
[6]  Wenn ich die Betrunknen lobe,Ist's aus dankbarem Gemüthe,
[7]  Dankbar bin ich meinem Arme,Der kein Unrecht ausgeübet,
425
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.10-31.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.10
German Translation
[1]  Er schleppte nach die Schleppe Vom goldgestickten Hemd, Und hundert Mondgesichter Zerrissen ihr Gewand.
[2]  Der Schweiß trof auf die Wangen Von heißer Gluth des Weins, Wie auf die Rosenblätter Ein Tropfe frischen Thaus.
[3]  Voll süßer schöner Worte, Hochstämmig und gewandt, Vom lieblichen Gesichte Und anmuthsvollem Blick.
[4]  Es war aus Lebenswasser Geformt des Munds Rubin, Sein Buchs war aufgewachsen, Genährt mit Schmeichelei'n.
[5]  O schaue die Rubinen Und dieses Lächelns Reiz, Den Gang voll Huld und Anmuth, Den wohlgemeßnen Schritt.
[6]  Der Hirsch mit schwarzen Augen Entkam aus unsrem Netz, Was ist zu thun, o Freunde, Für ein zerschlagnes Herz!
[7]  Hüt' dich, bist du's im Stande, Rühr' Liebende nicht an, Die Welt hat keine Treue, O du mein Augenlicht!
[8]  Wie lang schilt mich dein Auge, Das alle trüget, aus? Wann wirst du mir dann schmeicheln, Mein auserwählter Freund?
[9]  Hat deine edle Seele Beleidiget Hafis, So komm', denn That und Worte Will herzlich ich bereun.
[10]  Ich will den Herren loben Aus schuld'ger Dankbarkeit, Wenn diese Frucht gereifet In meine Hände fällt.
46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.32-4.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.32
German Translation
[1]  Rosen am Busen! Wein in der Hand, Die Liebste nach Willen! Dann sind Kaiser meine Sklaven
[2]  Weg mit den Lichtern, traget sie weg! In dieser Versammlung Scheinet heut der Liebsten Vollmond.
[3]  Wein ist erlaubt nach unserm Gesetz; Doch ohne dein Antlitz
[4]  Lautengetön erfreut das Ohr Das Auge verweilet Auf den Lippen, auf dem Glase.
[5]  Rosenceder ists verbothen. Rosengeruchs bedürfen wir nicht, Es duften die Seelen Vom Geruche deiner Locken.
[6]  Rede mir nicht vom Zuckergebäck! Der Zucker der Lippen Ist der höchste meiner Wünsche.
[7]  Seit im verstörten Busen der Schatz Des Kummers verwahrt liegt, Liege ich verstört in Schenken.
[8]  Sprich von Schimpf nicht, Schimpf ist mein Ruhm. Was fragst du vom Ruhme? Ruhm ist mir zum Schimpf geworden.
[9]  Rauschig und taumelnd schmachtenden Blicks Durchzieh' ich die Straßen, Zeige sich, der mir nicht gleichet!
[10]  Saget hievon der Obrigkeit nichts Begabet mit Trinklust Ist sie selber anzuschauen.
[11]  Bleibe nicht ohne Liebchen und Wein Hafis bei dem Feste Zu der Zeit der Rosenblüthe.
149
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.50-10.50
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.50
German Translation
[1]  Der Mondgesichter Liebe ist Die Straße, die mein Herz ergreift, Ich gab ihm fleißig meinen Rath, Doch seh' ich, daß er's nicht begreift.
[2]  O Prediger! o sag' bei Gott! Ein Wort von meines Schenken Flaum, Indem die Fantasie kein Bild Mit Feuersinn wie dies ergreift.
[3]  Vom alten Wirth der Schenke hab' Ich viel erfahren, Gutes viel, Ich weiß, daß er die Gleißnerei Nicht für ein Glas voll Weins ergreift.
[4]  Ich trag' die Flasche unterm Arm, Die Leute haltens für ein Buch, Ein wahres Wunder, wenn das Buch Des Trugs das Feuer nicht ergreift.
[5]  Ich will zuletzt doch eines Tags Verkaufen dieses bunte Kleid; Indem der Wirth dafür ein Glas Voll Weines aus dem Keller greift.
[6]  Wer reines Herzens ist, genießt Am rothem Weine so viel Lust, Weil diesen rothen Edelstein Nur der gerade Sinn ergreift.
[7]  Das schöne Haupt! das schöne Aug'! Du sagest, thu' darauf Verzicht, Doch diese Predigt ohne Sinn, Ist's nicht, was mein Gefühl ergreift.
[8]  Ich seh', daß dieser Trunkenbold, Der immer spricht von gutem Rath, Auf Gottes ew'gen Rathschluß zürnt, Wer weiß, ob er um's Glas wohl greift.
[9]  Ich weine und ich lach' zugleich, Wie es der Kerzen Sitte ist, Und meine Zunge ist von Gluth, Doch zweifl' ich, ob sie was ergreift.
[10]  Was für ein wahrer Jäger bist Du trunknes Aug', ich opfre dir Mein Herz, indem kein Jäger sonst Als du, den wilden Vogel greift.
[11]  Ich hab' des Worts wahrhaftig Noth, Doch von der Freundinn wird's entbehrt, Allein was nützt der Zauberdunst, Wenn er die Schöne nicht ergreift?
[12]  Ich will einst Alexandern gleich Den Spiegel nehmen in die Hand, Es sey nun, daß mich seine Gluth Ergreifet, oder nicht ergreift.
[13]  Erbarme dich, o Gütiger! Erbarme dich, denn der Derwisch Kennt nur dein Haus, kennt keinen Weg, Wenn er den deinen nicht ergreift.
[14]  Da du so lieblich singst Hafis, So wundert es mich sehr fürwahr, Daß dich dein König nicht mit Gold Und Schätzen um und um ergreift.
140
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.41-10.41
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.41
German Translation
[1]  Fortgegangen ist der Freund, Hat uns Verlornen nicht kund es gethan, Hat nicht seines Freunds der Stadt, Seiner Gefährten Erwähnung gethan.
[2]  Sieh', entweder hat mein Glück, Sich von dem Wege der Liebe verirr't, Oder von dem wahren Weg Hat mein Geliebter den Absprung gethan.
[3]  Zu mir selber sprach ich dann: Ha! vielleicht wird er durch Thränen erweicht, Aber auf den harten Stein Haben die Thränen nicht Eindruck gethan. Meinem Herzen hat der Schmerz Schwingen und Fittiche gänzlich zerknickt, Doch verliebte Thorheit wird Nimmer aus meinem Gemüthe gethan.
[5]  Wer geseh'n hat dein Gesicht, Küßet mit Freunden mein sehnendes Aug', Denn mein Auge hat noch nichts Ohne die reifste Betrachtung gethan. Sieh! es wird Hafisens Kiel Mit der gespaltenen Zunge gewiß, Niemanden sich anvertraun, Bis er Verzicht auf das Leben gethan.
[6]  Aufzuopfern stand ich da, Ihm zu gefallen, wie Kerzen den Geist, Aber Er hat, wie der Ost, Mir im Vorbeygeh'n nicht freundlich gethan.
446
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.18-32.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.18
German Translation
[1]  Morgenwind hast einen Duft Von den Moschuslocken? Komm' und bleibe fein bei mir, Mich ganz durchzudüften.
[2]  Das Geheimniß meiner Brust, Lieb' und Schönheitskunde, Kann ich, findest du's für gut, Deiner Hand vertrauen.
[3]  Deine angeborne Huld Zeiget sich hierinnen, Daß du leidest mit Geduld, Nebenbuhlerinnen.
[4]  Wie kann wohl die Nachtigall Dir, mein Herz, gefallen! Wenn du des Verstandes Ohr Schwätzerzungen leihest.
[5]  Deine Hefen haben ganz Meinen Kopf berauschet, Sag', von welchem Faße ist Deiner Kanne Neige?
[6]  Stattliche Cypresse, Denn aus Schaam mußt du den Kopf Vor ihr niederbeugen.
[7]  Dir, der Mondgesichter Herrn, Ziemt es, wie der Sonne, In der Schönheit Lustrevier Durch und durch zu ziehen.
[8]  Nur dein Aeußres zeigen uns Deines Lob's Verkäufer, Denn von Rosen nimmst du an Farb' und Wohlgerüche.
[9]  Such' der Liebe Kleinod nicht In dem Zellenwinkel, Willst du's suchen, trag' Hafis Deine Füße weiter.
228
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.129-10.129
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.129
German Translation
[1]  Pflück' ich aus deinem Garten eine Frucht, Beschau' ich meinen Fuß mit deinem Licht, was ist's?
[2]  O Herr, wenn ich nur einen Augenblick Verweil' im Schatten dieses hohen Baum's, was ist's?
[3]  O du mein theurer Siegelring Dschemschids, Fällt einst dein Schein auf meines Ring's Rubin, was ist's?
[4]  In Fürsten sind die Frommen hier verliebt, Erwähl' ich einer holden Schönen Gunst, was ist's?
[5]  Fort ist Verstand, und wenn der Wein dies thut, So weiß ich, wie es um den Glauben steht, was ist's?
[6]  Mein Leben gieng in Wein und Liebe auf, Ey wunderlich! was nutzt mir dies und das, was ist's?
[7]  Mein Herr weiß, daß ich lieb' und saget nichts, Ist's so, so weiß Hafis, was d'raus entsteht, was ist's?