254
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.10-12.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.10
German Translation
[1]  Horchet die Nachtigall sing't nun wieder vom Zweig' der Cypreße.Böses Auge sey fern, fern von der Rose Gesicht!
[2]  Rose, aus Dank dafür, daß du bist der Schönheit SultaninnZeig' in der Liebe dich nicht gegen die Nachtigall stolz.
[3]  Klagen will ich fürwahr! nicht über deine Entfernung,Wer die Entfernung nicht kennt, kennt nicht der Gegenwart Glück.
[4]  Andern ist Freude und Lust der Quell des fröhlichen Sinnes,Mir ist der Liebe Gram Quelle von Freuden und Lust.
[5]  Hoffen die Frommen auf Köschk' und Mädchen im himmlischen Garten,Hab' ich hienieden schon Mädchen und Köschk in der Schenk'!
[6]  Trinke Wein bei der Laute Getön und wenn sie dir sagenEs ist verboten, so sag': Gott ist es, welcher verzeiht!
[7]  Sage Hafis was klagst du über die Trennung?Dann aus Finsterniß kömmt Licht und aus Trennung Genuß.
106
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.7-10.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.7
German Translation
[1]  Nie dein Leib des Arzt's bedürftig sey! Allem Uebel fremd er sey!
[2]  Heil der Erde liegt in deinem Heil, Nie ein Fußfall dir beschwerlich sey!
[3]  Auf Gesundheit ruhet Schönheit, Reiz; Sie bei dir von auß', von innen sey!
[4]  Kömmt der Ost zu plündern auf die Flur, Vor den Cedern fern sein Stürmen sey!
[5]  Dort, wo deiner Schönheit Anmuth spielt, Böser Neid und Spott unmöglich sey!
[6]  Wer dein Mondgesicht mit bösem Aug' Schaut, der Gluth des Grams geopfert sey!
[7]  Zuckerwort Hafisens ist Arzney, Kandel und Julep nicht nöthig sey!
381
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.73-28.73
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.73
German Translation
[1]  Wiewohl wir des Kaisers Diener sind, So sind wir doch Kaiser des Morgentrunks,
[2]  Im Aermel der Schatz! der Sack geleert! Der Spiegel der Welten! der Staub des Wegs!
[3]  Gesättigt von Lust, berauscht mit Stolz, Versink ich in Sünden in Einigkeit!
[4]  So oft mich der Freund des Glücks liebkos't, So spiegelt in mir er sein Mondgesicht,
[5]  An jeglichem Abend flehen wir Als Hüter der Krone des Schahs zu Gott.
[6]  O rechne mein Streben dir zum Glück, Ich war indessen du schlafen liegst,
[7]  Der siegende Schah, er weiß es wohl, Wohin ich gewendet des Muths Gesicht
[8]  Den Feinden aus Blut ein Leichentuch! Den Freunden das rühmliche Kleid des Siegs!
[9]  Ich berge mich nicht in Heuchelei, Ich sag', daß ich Schlange und Löwe bin,
[10]  O gebet Hafisen doch zurück Den Glauben, gestehet den Diebstahl ein.
135
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.36-10.36
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.36
German Translation
[1]  Wie der Ostwind will ich einen Besuch Dem Haus des Freundes machen. Meinen Geist will ich durch seinen Geruch Durchschwärzt mit Moschus machen.
[2]  Ohne Wein und ohne Liebesgenuß Verfloß bisher mein Leben, Aber meinem Kaltsinn will ich von heut Gewiß ein Ende machen.
[3]  Meines Angesichts verlornen Glanz, Meine Wissenschaft und Glauben, Will ich alle zu dem Staube der Thür Von meinem Liebling machen.
[4]  Wie der Glanz der Morgenkerze ist mir Der Vorsatz klar geworden: All mein Leben will ich nur zum Geschäft Von seiner Liebe machen.
[6]  Ha wo ist der Ostwind? wo ist er denn? Ich will mein Herz, das blutet, Einem einz'gen Würzehauch des Haars Zum Brandesopfer machen.
[7]  Heuchelei Hafis verleihet dir nicht Die heitre Ruh' des Herzens, Beßer ist's zu meiner Straße den Pfad Von Lieb' und Wein zu machen.
126
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.27-10.27
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.27
German Translation
[1]  Vernimm, daß ohne Lieb' die Welt Für Seelen keinen Zauber hat, Und daß, wer nicht so denkt und fühlt, Fürwahr gar keine Seele hat.
[2]  Noch gegen keinen hab' ich Gunst Von diesem Herzensdieb geseh'n, Es sey nun, daß ich es nicht weiß, Es sey, daß keine Gunst er hat.
[3]  Es liegt in jedem Tropfen Thau Auf diesem Weg ein Feuermeer, O Schade, zehnmal Schade ist's, Dies Räthsel keine Lösung hat. Wohl wenig Reiz und Freude hat Das Leben ohne einen Freund, Woher kommt es, daß ohne Freund Das Leben wenig Reize hat?
[4]  Vom Posten der Zufriedenheit Kann ich unmöglich weiter gehen, O Karawanenführer bleib', Weil dieser Weg kein Ende hat.
[5]  Die krummgebogne Laute ruft Zur Freude, zum Vergnügen auf, O hör' sie, weil der Alten Rath Kein Unheil noch verursacht hat.
[6]  Des Rausches Sitte lernest du, O Herz, am besten von dem Vogt, Denn sieh', er ist berauscht, wiewohl Kein Mensch hievon den Argwohn hat.
[7]  Was dem Karun, mit seinem Schatz, In alter Zeit einst widerfuhr, Dies sagt die Rose, die ihr Gold Vor allen Leuten offen hat.
[8]  Scheint dir der Nebenbuhler gleich Ein Licht, versteck' dein Herz, Weil dieser Schelm, und Schwätzermund Kein Band auf seiner Zunge hat. Betrachtest du beim Licht den Mann, Dem du den Namen Meister giebst, So siehest du, daß er zwar Kunst, Doch keinen Vers, der fließet, hat.
[9]  Kein Mensch hat in der ganzen Welt Solch einen Diener, wie Hafis, Weil Niemand in der ganzen Welt, Wie er, solch einen Herren hat.
138
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.39-10.39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.39
German Translation
[1]  Denk daran, daß, als er gieng, Er aus mir gar nichts gemacht, Daß mit keinem Abschiedswort, Er mein Herz hat froh gemacht.
[2]  Diese junge Sohn des Glücks, Der des Guten viel versprach, Warum hat er mich, der Alt', Lang ihm dien', nicht freygemacht?
[3]  Waschen will ich jetzt mit Blut, Den papierenen Kaftan, Denn der Himmel hat uns nicht, Zu dem Rechte Weg gemacht.
[4]  In der Hoffnung einen Ton, Zu vernehmen macht das Herz, Mehr Geschrey und Klaggetön, Als Ferhad am Berg gemacht.
[5]  Seit du deines Schattensbild, Dieser Flur entzogen hast, Hat die Nachtigall kein Nest, Auf des Buxes Stamm gemacht.
[6]  Selbst der Ostwind könnte kühn, In die Schule geh'n zu dir, Schnellere Bewegungen, Hat er sicher nie gemacht.
[7]  Gottes Wunderfeder schreibt, Keinem seine Wünsche zu, Der nicht von dem Reiz des Freunds, Das Bekenntniß hat gemacht.
[8]  Flötenspieler spiele mir, Nur die Weise von Irak, Denn dahin entfloh der Freund, Der kein Lebewohl gemacht.
[9]  Die Gasel' Hafisens sind, Reine Töne aus Irack, Welchen, der sie angehöret, Haben sie nicht weich gemacht?
248
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.4-12.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.5
German Translation
[1]  Morgenwind, bringe vom Haus der Freundinn Düfte,Ich leid' an Krankheit, Seelenruhe bring' mir!
[2]  Meinem betrognen Sinn, den Stein der Weisen,Das ist, vom Staub der Thür' ein Zeichen bring mir!
[3]  Heiß ist der Kampf, den das Herz beginnt mit Blicken,Ihr Augenpaar statt Pfeil' und Bogen bring' mir.
[4]  Trennung und Schmerz, und die Fremd' macht mich zum Greisen,Ein Glas voll Wein aus Jünglingshänden bring' mir!
[5]  Schenke! die Wonne von heut laß nicht auf Morgen,Ein sicheres Geleit vom Schicksal bring' mir!
[7]  Weg war das Herz, als zu dem Ost Hafis gesprochen:O Wind vom Hauß der Freundinn, Düfte bring' mir!
283
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.12-16.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.12
German Translation
[1]  Morgens kam zu mir die KundeAus dem Dunkeln,Schah Schedschaa ists, der nun herrschet,Trinke wacker!
[2]  Ehmals giengen die VerliebtenLängs den Ufern:Tausend Worte auf der ZungeStumm von Lippen.
[3]  Zu dem Ton der Laute wallen,Wie sie erzählen,Was verheimlichet den BusenWallen machet.
[4]  Furcht ergreift den Herrn der SchenkeOb dem Vogte;Trinken laßt uns, laut aufschreiend:Trinket, trinket!
[5]  Auf den Schultern trug man gesternAus der SchenkeDen Imam, der auf den SchulternTrägt den Teppich.
[6]  Auf den Weg des Heiles will ichHerz dich führen,Prahle nicht mit deinen Sünden,Nicht mit Tugend.
[7]  Unsers Schahes Rath ist AusflußHöhern Lichtes,Sey erst, willst du dich ihm nahen,Reiner Absicht.
[8]  Wähl' den Wunsch für seine GrößeZum Gebete,Denn das Ohr von seinem HerzenSpricht mit Engeln.
[9]  Fürsten wissen das GeheimnißDer Geschäfte,Du Hafis bist nur ein Klausner,Laß die Sorgen.
361
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.53-28.53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.53
German Translation
[1]  Ha! er zertrat mich, er hat mich zum Staube des Weges erniedrigt. Aber ich küsse den Staub, fleh' um Vergebung den Fuß.
[2]  Ueber dich beklag' ich mich nicht, bewahre der Himmel! Denn ich bin dein Sklav, wünsche dir Segen als Knecht.
[3]  Meine Hoffnung ist an die langen Haare geheftet, O verkürze du mir nimmer die Hände der Lust!
[4]  Ich bin ein Stäubchen des Staubs, bei dir ist's mir so behaglich, Doch ich fürchte, mein Freund, daß mich der Wind nicht entführt.
[5]  Morgens hat mir der Wirth das Glas der Welten gegeben, Und von deinem Reiz mir dazu Kunde gebracht.
[6]  Freilich gehör' ich sonst zum Kloster der höheren Welten, Aber mein Unterpfand ist jetzt in dem Schenkengelag'.
[7]  Auf! mit mir, der am Wege ich sitze, wir gehen zur Schenke, Daß du Zeuge seyst, was mir für Ehre gebührt.
[8]  Trunken giengst du vorbei, und dachtest nicht deines Hafisens. Wehe! wenn mein Ach! etwa ergriffe dein Kleid.
[9]  Angenehm war's, als am Morgen der Größte der Fürsten selbst sagte: Samt der Herrschaft bin ich Turanschahs Diener und Knecht.
375
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.67-28.67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.67
German Translation
[1]  Komm' Weiser, laß uns dieses Kleid Des Trugs ausziehen. Laß über's Bild der Gleisnerey Den Schwamm uns ziehen.
[2]  Die Opfer und die Spenden laß Für Wein uns geben, Die Kutte laß uns durch den Bach Der Schenke ziehen.
[3]  Und sollte man das Paradies Uns dann verweigern, So wollen wir selbst die Huris Heraus uns ziehen.
[4]  Berauscht spring' aus der Zell hervor Vom Neiderfeste. Laß uns den Wein, laß Mädchen uns Beim Haar herziehen.
[5]  Wir wollen Nichts als Gutes thun, Sonst wird uns Schande, Am Tage, wo die Seele muß Von hinnen ziehen.
[6]  Und von dem tief verborgnen Loos, Das Keiner kennet, Laß uns den Schleier, der es deckt, Im Rausch wegziehen.
[7]  Wo sind die süßen Schmeichelei'n Von diesen Brauen, Daß wie der Mond den Himmelsplan Nach uns wir ziehen.
[8]  Hafis, es ziemet dir ja nicht, So viel zu prahlen, Und aus des Teppichs Kreis hinaus Den Fuß zu ziehen.
405
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.1-30.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.1
German Translation
[1]  Ich schwöre bei des Wirthes Seele, Beim Gnadenrechte, Es wohnt kein Wunsch in meinem Kopfe, Als ihm zu dienen.
[2]  Ich weiß, es sind die Gärten Edens Kein Ort für Sünder, Doch bring' nur immer Wein, ich warte Auf die Erbarmung.
[3]  Die Lampe dieses Wolkenblitzes Sey stets erhellet, Sein Wetterstrahl hat eingeschlagen In meine Scheune.
[4]  Siehst du vielleicht ein Haupt im Staube An Schenkenschwellen, So tritt es nicht, denn seine Absicht Ist wohl erkennet.
[5]  Bring' Wein, denn mich belehrte gestern Des Himmels Bothe: Der Reigen von der Milde Gottes Sey allumfassend.
[6]  Sieh mich nicht an mit einem Auge Voll von Verachtung, Von der Enthaltsamkeit, vom Trinken Bin ich nicht Meister.
[7]  Es zeiget zwar noch keine Neigung Mein Herz zur Reue, Doch will ich in des Herren Namen Mich drum bemühen. Mein Freund, du gieb nicht auf die Hoffnung Auf Freundes Gnaden, Denn es verbreiten seine Gnaden Sich über alle.
[8]  Beständig ist das Kleid Hafisens Um Wein versetzet, Vielleicht ist er wohl ganz geformet Aus Schenkenstaube.
60
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.46-4.46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.46
German Translation
[1]  Der Both, der angekommen ist Vom fernen Land der Freundinn, Hat Seelenmittel mitgebracht Vom Moschushain der Freundinn.
[2]  Er hat ein Zeichen mitgebracht Von ihrer hohen Schönheit, Geschichten hat er uns erzählt Vom hohen Rang der Freundinn.
[3]  Mein Herz gab ich als Bothengeld Und schäme mich fast dessen, Solch eine schlechte Münze ziemt Nicht für die Hand der Freundinn.
[4]  Ich preise Gott, daß durch die Kraft Des mir gefallnen Looses Nach meinem Wunsch gegangen ist Das Herzgeschäft der Freundinn.
[5]  Was wollet ihr mir aus dem Lauf Des Monds, der Sonn' verrathen? Sie laufen, und sie drehen sich, Nach dem Befehl der Freundinn.
[6]  Wenn beide Welten in dem Sturm Des Untergangs zerstöben, So blieb mein Blick noch unverwandt Gesenkt zum Pfad der Freundinn.
[7]  O Morgenwind bring bring mir Kohol Bring mir Kohol der Perlen, Bring mirs vom hochbeglückten Staub, Vom Staub der Thür der Freundinn.
[8]  Ich harre an der Freundinn Thür Mit Bitten und mit Flehen. Ha! Wer? wer ruhet an der Brust Und in dem Arm der Freundinn?
[9]  Es mögen über dich Hafis Die Feinde Vieles sagen, Ich danke Gott, daß nimmer ich Mich schämen darf der Freundinn.
91
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.77-4.77
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.77
German Translation
[1]  O Du, ferne von mir! sey Gott befohlen! Ich Verbrannter, ich bin Dir gut von Herzen.
[2]  Glaub' nicht, daß ich die Hand von deinem Saume Lasse, bis mich das Tuch des Grabes umwickelt.
[3]  Zeige mir den Altar von deinen Brauen, Daß zum Morgengebet die Händ' ich hebe.
[4]  Soll nach Babel ich gehen, zum Zaubrer Harut, Alles würde versucht, dich mitzunehmen.
[5]  Daß ich sterbe, das willst du ungetreuer Arzt! den Knaben besuch', er harret Deiner.
[6]  Sieh', es fließet der Strom von meinen Thränen, Daß der Saamen der Lieb' aus Dir entsprieße.
[7]  Du vergoßest mein Blut, den Gram der Trennung Nahmst du aber hinweg, mit deinen Dolchen.
[9]  Du, verleihe mir Kraft, daß zu den Füßen Perlen ich streu' aus meinen Augen.
[10]  Wein und Mährchen Hafis geziemen dir nicht, Auch das kleinste Vergehn werd' ich bestrafen.
92
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.78-4.78
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.78
German Translation
[1]  Mein Fürst, schön gehest du einher, Zu deinen Füßen will ich sterben, Mein Türke, schön bewegst du dich, Vor deinem Wuchse will ich sterben.
[2]  Du sprichst: wann stirbst du denn vor mir? Was willst du denn mit solcher Eile? Sobald beschlossen ist mein Tod, Werd' nach Beschluß vor dir ich sterben.
[3]  Betrunken bin ich und verliebt, Wo ist der Abgott, wo der Schenke? O sag' ihm doch: Er schwanke her, Denn ihm zu Liebe will ich sterben.
[4]  Ihm, der seit langen Jahren her, Durch Flucht und Trennung mich gekränket. Ihm sage: schenk' mir einen Blick, Vor deinem Auge will ich sterben.
[5]  Es sagte deines Munds Rubin: Bald geb' ich Schmerz, bald wieder Heilung. Ich sprach: ich sterb' von deinem Schmerz Von deiner Heilung werd' ich sterben.
[6]  Dich wiegend gehst du schön einher, Entfernet sey das böse Auge, Ich nähr' im Kopf die Fantasie, Zu deinen Füßen einst zu sterben.
[7]  Wenn auch kein Ort Hafisen bleibt, Zu deinem himmlischen Genuße, Ein jeder Ort von dir ist schön, An jedem Orte will ich sterben.
424
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.9-31.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.9
German Translation
[1]  O trenn' dich nicht von mir Du bist mein Augenlicht, Du bist des Herzens Ruh', Du bist der Seele Trost.
[2]  Verliebte zieh'n die Hand Von deinem Saum leicht ab. Und doch zerreißest du Ihr Hemde der Geduld. Beängstige dich nicht, Du kommst noch zum Genuß, Wenn du gekostet hast Der Trennung bittres Gift.
[3]  Vom bösen Aug' der Welt Wachs' dir kein Schaden zu, An Lieblichkeit hast du Den höchsten Grad erreicht.
[4]  Von ihrer Liebe halt' Mich, o Mufti, nicht ab. Entschuldigt halt' ich dich, Weil du sie niemals sahst.
[5]  Hafis, daß dich der Freund So schmählt, ist nicht umsonst, Du hast den Fuß vielleicht Zu weit hinausgesetzt.
326
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.18-28.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.18
German Translation
[1]  Ich habe einen Liebesgötzen, Im stillen Gemache, Die Locken und die Wangen haben Mich zwischen zwey Feuern.
[2]  Ich bin verliebt, ich bin betrunken, Und singe zum Wein, Und diese Tugenden verdank' ich Den Hurisgestalten.
[3]  Wenn du der Meinung bist, ich werde Verlieren die Sinnen, So will ich mit den Morgenseufzern Verwirren die Locken.
[4]  Und wenn des Freundes Grünspanflaumen So lieblich sich zeigen, So will ich gerne meine Wangen Mit Blute besprengen.
[5]  Und willst du dich bis zu dem Fenster Der Trunkenen wagen, So hab' ich Wein geklärt von Hefen, Und liebliche Lieder.
[6]  O bringet mir den Pfeil der Brauen, Den Panzer der Locken, Denn mit dem wunden Herzen hab' ich Viel Kriege zu führen.
[7]  Hafis! da auf der Welt die Leiden Und Freuden vergehen, So ist es besser, daß du immer Von frohem Gemüth seyst.
250
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.6-12.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.6
German Translation
[1]  Zeig' das Gesicht, damit ichMeines Daseyns vergesse,Streu' in den Wind die SpreuVerbrannter Herzen, trage sie fort.
[2]  Augen und Herz hab' ich derFluth des Elend's geweihet,Sage zum Strom' des Grams:Zerstör' mein Wesen, trage es fort.
[3]  Ha! wer vermag den MoschusSeiner Locken zu riechen,Diese Begier, mein Herz,Must du verbannen, trage sie fort.
[4]  Sage der Brust: entflamme denHeuchler, unseren Mobed,Sage dem Aug': verschling'Des Tygers Fluthen, trage sie fort.
[5]  Lebe der Wirth! und leicht istAlles Uebrige sonsten,Andere giebt es nochAus dem Gedächtniß, trag' mich nicht fort.
[6]  Ohne Bemüh'n wird's dir aufDiesem Weg nicht gelingen,Willst du den Lohn, gehorch'Zuerst dem Meister, trag' ihn dann fort.
[7]  Gieb mir das Wort, an meinemSterbetag mich zu besuchen,Und du befreyest michHinfort von Leiden, tragest sie fort.
[8]  Gestern noch sprach er: ich willMorden dich mit den Wimpern,Blutiger Sinn, entfleuchAus seinem Herzen, trage dich fort!
[9]  Denke Hafis! des FreundesZartes weiches Gemüthe,Geh', und entferne von ihmDie Klagetöne, trage sie fort.
473
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.45-32.45
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.45
German Translation
[1]  Schätze die Zeit nach ihrem Werth, und benütz' sie nach Kräften, Denn vom Leben gehört stets nur der Augenblick uns.
[2]  Wenn dir das niedrige Loos die Erfüllung des Wunsches verheißet, Trachte, daß du vom Glück Freudenmomente dir raubst.
[4]  Freylich Derwisch, du möchtest kosten die Wonne des Weins, Bist du weise, so thu' nichts was Reue dir bringt.
[5]  Breche du immer den Topf, was kennet der Weise den Werth wohl Vom Granatrubin, den du im Hause dir hältst.
[6]  Vom Nachtwandler Gebet nicht verlange süßmundiger Knabe, Salomons Siegelring wirkt durch ein einziges Wort.
[7]  Höre den Rath der Verliebten, und komm' zur Freude zurücke, Denn sie wieget auf alle Geschäfte der Welt.
[8]  Mir ist entfloh'n mein geliebter Jusuf ihr freundlichen Brüder, So wie Chanaan's Greis härme ich Armer mich ab.
[9]  Hüte dich vor den Zellenbewohnern vom Rausche zu sprechen, Keinem profanen Arzt traue das Heimliche an.
[10]  Wo du geh'st vergießen das Blut des Volkes die Wimpern, Seele gehe geschwind, daß du nicht bleibest zurück.
[11]  Freilich hab' ich gewarnet mein Herz vom Pfeile der Augen, Aber der Brauen Schütz hat es gelocket hervor.
[12]  O versammle durch Güte und Huld die Zerstreuten, Es versammelt um sich alle Zerstreuten dein Haar.
[13]  Bist du mit mir zufrieden mein Abgott steinernen Herzens Will ich dem zweiten Aßaf gerne vertrauen mein Herz.
289
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.18-16.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.18
German Translation
[1]  Alles Holde vereint dies Mondenantlitz,Doch nicht Treue; o Gott! verleih' ihm Treue!
[2]  Mein Geliebter ist ein gepriesner Knabe,Schuldlos bringt er mich einstens um durch Klagen.
[3]  Besser ist's, ich verwahr' mein Herz; denn KnabenUnterscheiden das Böse nicht vom Guten.
[4]  Milch und Zuckergeschmack entströmt dem Monde,Wenn das Nicken des Augs gleich Blut vergießet.
[5]  Einen Götzen von vierzehn Jahren hab' ich,Dessen treu'ster Sklav der volle Mond ist.
[6]  Dieser Rose zu lieb entfloh mein Herz, o Gott!Lange hab' ich es nicht gesehen, wo ist es!
[7]  Weil die Heere des Freund's das Herz so schlagenWird der Kaiser dieselben hoch belohnen.
[8]  Dankbar will ich verspenden meine SeeleWenn die Perle des Aug's Hafisens ruhet.
301
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:25.3-25.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:25.3
German Translation
[1]  Mein wundes Herz hat Recht auf SalzVon deinen Lippen,Bewahr' das Recht, ich gehe fort,Sey Gott befohlen.
[2]  Du bist ein reines Wesen mirAus höhern Welten,Mit deinem Namen fängt das LobDer Engel an im Himmel.
[3]  O prüfe meine Redlichkeit,Wenn du d'ran zweifelst,Das reine Gold wird nur bewährtAuf der Kapelle.
[4]  Du sprachst: ich will Betrunk'ner dirZwey Küsse geben,Die Zeit ist da; doch giebst du mir,Nicht zwey, noch einen.
[5]  Schließ' deines Mundes Kästchen auf,Und streue Zucker,Laß nicht das Volk im Zweifel obDu einen habest.
[6]  Des Himmels Rad zerschlag' ich, wenn'sNicht gut sich drehet,Ich bin von denen nicht, die sichDrüber härmen.
[7]  Wenn du nicht willst, daß zu HafisDas Liebchen komme!O Nebenbuhler so entferneDich ein Paar Schritte.